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Bei Kassenwahl Zusatzleistungen im Blick

Stiftung Warentest nimmt gesetzliche Krankenkassen und ihre Leistungen unter die Lupe

Von Dieter Nürnberger

Zusatzbeiträge sind 2012 bei Krankenkassen kaum noch ein Thema. Die Deutsche BKK schafft sie zum 1.Oktober gänzlich ab
Zusatzbeiträge sind 2012 bei Krankenkassen kaum noch ein Thema. Die Deutsche BKK schafft sie zum 1.Oktober gänzlich ab (Christian Charisius)

Den meisten gesetzlichen Krankenkassen geht es derzeit finanziell gut: Das Geschäftsjahr 2011 konnten sie mit rund 10 Milliarden Euro Überschuss abschließen. Damit sollen die Kassen Reserven aufstocken, doch auch Zusatzleistungen können erweitert werden.

Der Gesetzgeber hat zwar allen gesetzlichen Krankenkassen die gleichen Beiträge verordnet – bei den Leistungen gibt es dagegen Unterschiede. Die Kassen versuchen, sich durch Zusatzleistungen von der Konkurrenz abzuheben, das neue Versorgungsstrukturgesetz hat ihre Möglichkeiten dafür seit Jahresanfang noch erweitert. Zwar bleibt das Gros der üblichen Gesundheitsleistungen gleich, doch können die Mehrleistungen bei der Suche nach der individuell passenden Krankenkasse den Ausschlag geben, sagt Sabine Baierl von der Stiftung Warentest.

"Fast alle Leistungen, die die Kassen ihren Versicherten anbieten, sind gesetzlich vorgeschrieben und gleich! Sie müssen somit im Krankheitsfall keine Sorge haben, dass Sie bei einer Kasse nicht so ausreichende Behandlungsmöglichkeiten erhalten wie bei einer anderen. Aber es gibt tatsächlich Zusatzleistungen, die über das Maß hinaus angeboten werden können: Zum Beispiel beim Service, zum Beispiel bei den Themen Hauskrankenpflege oder Haushaltshilfe, aber auch bei der integrierten Versorgung – etwa bei einem Thema wie Homöopathie."

Es zahlt sich aus, die Zusatzleistungen der eigenen Kasse zu kennen, so die Stiftung Warentest. Zum Beispiel beim Service: Hier bieten einige Versicherer eine medizinische Telefon-Beratung rund um die Uhr an. Oder sie vermitteln auch, wenn der Patient einen Termin bei einem bestimmten Facharzt benötigt. Andere Zusatzleistungen sind Geld wert, denn der Patient braucht bei manchen Behandlungen nicht in die eigene Tasche zu greifen.

"Etwa die Kinderfrüherkennungsuntersuchungen, die zusätzlich zu den gesetzlichen Untersuchungen angeboten werden. Die können schon um die 100 Euro kosten – wer das in Anspruch nimmt, kann hier sparen. Auch Reiseimpfungen beispielsweise können viel Geld kosten. So kostet zum Beispiel eine Grundimmunisierung bei Hepatitis um die 200 Euro. Jemand der krank ist und eine Haushaltshilfe benötigt, kann um die 60 Euro am Tag sparen, wenn er diese Leistung durch die Krankenkasse erstattet bekommt."

Die neuen Spielräume der Kassen betreffen vor allem Mehrleistungen bei der Zahnarztbehandlung, bei künstlicher Befruchtung, Krankengymnastik und auch bei Hilfsmitteln wie Hörgeräten oder Rollatoren. Patienten sollten daher bei der eigenen Kasse nachfragen, sagt Sabine Baierl. Da vieles noch Neuland sei, könnte sich zudem Verhandeln lohnen.

Die Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt auch, dass ein für die Kunden ärgerliches Thema, nun langsam der Vergangenheit angehört:

"Die Zusatzbeiträge sind 2012 tatsächlich kaum noch ein Thema. Drei Kassen erheben derzeit noch einen solchen Beitrag, wobei die zwei großen Kassen, die es betrifft, dies auch zum Oktober auslaufen lassen. Eine Kasse fusioniert – die BKK Hoesch. Und die Deutsche BKK schafft die Zusatzbeiträge zum 1.Oktober gänzlich ab."

Wer sich gesundheitsbewusst verhält, erspart der Kasse Behandlungskosten - und viele Anbieter belohnen ihre Kunden dafür. Aufgrund der entspannten finanziellen Lage vieler Versicherer dürfte sich die dafür vorgesehene Prämie in diesem Jahr sogar noch erhöhen.

"Wenn man Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt oder man Sport treibt, dann kriegt man von der Kasse Geld. Und da bieten die Kassen, die derzeit was in der Rückhand haben, doch auch einige höhere Zahlungen an."

Zudem zahlen sogar 6 der untersuchten 88 gesetzlichen Kassen direkt Geld in Form einer Sonderprämie an alle ihre Versicherten zurück.

Fazit: Das neue Versorgungsstrukturgesetz im Gesundheitswesen fördert die Unterscheidbarkeit und somit den Wettbewerb bei den gesetzlichen Krankenkassen. Ein gut informierter Kunde kann davon profitieren.

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