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StartseiteForschung aktuellBei München steht ein Gen-Bräuhaus31.10.2012

Bei München steht ein Gen-Bräuhaus

Studenten der TU-München ist es gelungen, ein Bier zu brauen, das nicht müde macht

Bayerisches Bier mithilfe moderner Biotechnologie aufpeppen - mit diesem Ziel ist ein Team der TU München an einem internationalen Studentenwettbewerb angetreten. Kreiert wurde ein Gerstensaft, der nicht müde macht - und unter Umständen sogar vor Krebs schützt. Allerdings: Das Getränk fristet ein Dasein im Labor.

Von Michael Lange

Halt! Am Lehrstuhl für Biologische Chemie der Technischen Universität München geht es zwar ums Bier, aber nicht ums Biertrinken.

"Das Traditionelle, die Braukunst, verknüpft mit moderner Biotechnologie. Ich finde das ist der Reiz an unserem Projektthema",

erklärt die Studentin Jara Obermann. Gemeinsam mit Studierenden verschiedener Fachrichtungen arbeitet sie seit Monaten an einem Projekt im internationalen Wettbewerb für synthetische Biologie IGEM. Im Mittelpunkt steht nicht das Bier, sondern die Hefe, Saccharomyces Cerivisiae, stellt Professor Arne Skerra klar. Er ist wissenschaftlicher Berater des Teams.

"Die inhaltliche Idee bestand darin, die Hefe in gezielter gentechnischer Weise zu modifizieren und nutzbar zu machen."

Die Studierenden haben Gene aus Pflanzen in Hefezellen eingeschleust und so den Stoffwechsel der Hefe verändert. Ihr Ziel: ein ganz neues Bier, zum Beispiel eines, das nicht müde macht. Fabian Fröhlich:

"Dadurch, dass im Bier Hopfen drin ist, hat das Bier eine leicht sedative Wirkung. Und nach zwei, drei Bier merkt man dann, dass man etwas müder wird. Deshalb haben wir uns gedacht. Okay, dann wollen wir etwas Koffein ins Bier reinbringen, das dann etwas aufputscht und diesem Effekt entgegen wirkt."

Natürlich haben die Studierenden dem guten bayerischen Bier nicht einfach Koffein zugesetzt. Stattdessen haben sie die Bierhefe so verändert, dass sie neben der alkoholischen Gärung auch die Fähigkeit zur Koffein-Synthese erhielt. Sie haben den Stoffwechsel der Hefe umprogrammiert, erklärt Volker Morath:

"Im Fall der Kaffeepflanze haben wir uns in der Literatur angeschaut, welche Enzyme nötig sind, um dieses Koffein zu produzieren. Dann haben wir uns überlegt, ob es denn reichen würde, wenn man die Information aus der Kaffeepflanze in die Hefe einbringen, würde über sogenannte Plasmide, ob das reicht, dass die Hefe später unser Koffein machen kann."

Drei pflanzliche Gene mussten die jungen Wissenschaftler in die Hefezellen einschleusen, damit diese Koffein produzieren konnten. Außerdem genetische Steuerungsfaktoren. Damit lässt sich die Aktivität der Gene kontrollieren. Möchte man eher wenig Koffein? Oder darf es etwas mehr sein?

Neben dem Koffein gelang es dem Team der TU München auch, den Geschmackstoff Limonen, der aus Zitronen bekannt ist, und den pflanzlichen Süßstoff Thaumatin von Hefezellen herstellen zu lassen.

Aus ihrem biologischen Baukasten können sie nun die verschiedensten Biere brauen. Nur mit den Zutaten: Hopfen, Malz und Hefe – wie vom deutschen Reinheitsgebot gefordert.

Nein, keine Chance, noch gibt es nichts zu trinken. Die Hefe arbeitet noch. In einem großen Glasgefäß, einem Erlenmeyer-Kolben, lässt sich der Brauprozess beobachten. Zu sehen ist eine trübe, gelb-braune Flüssigkeit. Darauf einige Bläschen. Das ist noch kein Bier, betont David Wehner:

"Wir sind noch nicht so weit, dass es richtig braun wurde. Das ganze ist oben verschlossen mit einem Pfropfen und mit einer Gärpfeife, damit da auch nichts reinkommen kann in den Erlenmeyer-Kolben. Und jetzt warten wir darauf, dass die Hefe richtig aktiv wird und anfängt, Bier zu brauen. In einer Woche ist es soweit, dass man es gut trinken kann."

Ausgeschenkt werden darf das Bier freilich auch dann nicht. Das wäre ja ein ungenehmigter gentechnischer Freisetzungsversuch. Und so bleibt das Bier im Labor.

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