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"Beim Halma gibt's keinen Elfmeter!"

Wie Spielregeln entstehen, warum man sie einhält, und wo der Ernst des Lebens beginnt

Von Florian Felix Weyh

Ein Zauberer zeigt eine magischen Kartentrick.
Ein Zauberer zeigt eine magischen Kartentrick. (AP)

Skatrunden, Fußballfans, Schachfreunde, Kinder - alle beschäftigen sich mit ihnen: den Spielregeln. Werden die Regeln auf dem Fußballplatz verletzt, kochen die Emotionen hoch. Beim "Mensch-ärgere-dich-nicht" sorgen sie für Spannung, zugleich aber auch für Unfrieden: Spielregeln müssen kein reines Glück bescheren! Manchmal sind sie bizarr, manchmal einleuchtend, beim Meta-Spiel "Nomic" können die Spieler die Regeln sogar selbst ändern.

Wer erfindet Spielregeln? Und warum unterwerfen sich ihnen Menschen freiwillig, ja klagen sie auch in der realen Welt ein (etwa wenn sich Manager nicht mehr "an die Spielregeln des Marktes halten")? Zuweilen dient solch ein Appell nur als Metapher für den Ruf nach härteren Gesetzen. Doch letztlich basieren in der Demokratie einige Rechtsnormen auf freiwilligen Vereinbarungen.

So entdeckte schon der Soziologe Max Weber im Spiel Züge einer friedlichen Gesellschaftsordnung. Auch heute untersuchen Soziologen, Juristen und Demokratietheoretiker Spielregeln auf ihren theoretischen Wert und analysieren die Positionen von Schiedsrichtern, Spielverderbern und Falschspielern.

Denn auch spielerischer Zeitvertreib kann existenziell bedeutsam sein, wie der Schachgroßmeister Paul Keres verriet: "Man gibt Pakete auf, aber keine Schachpartien!"

Alex-Medienpreis für Freistil-Autor

"'Beim Halma gibt's keinen Elfmeter!' Wie Spielregeln entstehen, warum man sie einhält, und wo der Ernst des Lebens beginnt" – so lautet der vollständige Titel des Deutschlandfunk-Features, für das der Berliner Autor Florian Felix Weyh mit dem ALEX-Medienpreis 2010 ausgezeichnet wird. Der Preis wird jährlich von der Spiele-Autoren-Zunft e.V. (SAZ) verliehen und ist mit 1000 Euro dotiert.

Die Spiele-Autoren-Zunft vertritt die Rechte und Interessen der Spieleautoren und setzt sich für eine Stärkung des Kulturguts Spiel in der Gesellschaft ein.

In der Begründung der Jury heißt es: "Es überzeugt die Idee, ein Hörspiel über Spielregeln selbst mit einer Regel für ein neues Spiel zu unterlegen, das die drei am Thema interessierten Protagonisten, mit Argumentationshilfe von sechs Experten, im Feature spielen ...

Weyhs Beitrag zeigt auf, wie tief Spiele und ihre Regeln in unserer Kultur verwurzelt sind. Er macht dies erlebbar, fordert zum konsequenten Weiterdenken auf, statt mit Informationen aufzutrumpfen, nimmt sich die Zeit zur Entfaltung des Themas und stellt ein einzigartiges Beispiel für 'spielerischen Journalismus' dar."

Die Reihe "Freistil" ist jeweils sonntags um 20.05 Uhr im Deutschlandfunk zu hören und in Zukunft auch als Wiederholung am Samstag um 7.05 Uhr im neuen Programm DRadio Wissen.

Die Vergabe des Alex-Medienpreises findet am 6. Februar anlässlich der Spielwarenmesse in Nürnberg im Literaturhaus Nürnberg statt.

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