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StartseiteWirtschaft am MittagBella Italias schöner Schein02.10.2013

Bella Italias schöner Schein

Die Wirtschaftslage in Italien

In Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der EU, wackelt die Regierung. Nach dreijähriger Rezession hatte man gehofft, die Ökonomie würde endlich wachsen, doch für dieses Jahr wird ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um zwei Prozent erwartet.

Von Brigitte Scholtes

Seit Italiens Wirtschaftskrise den Wohlstand bedroht, nehmen separatistische Töne zu. (picture-alliance / Klaus Nowottnick)
Seit Italiens Wirtschaftskrise den Wohlstand bedroht, nehmen separatistische Töne zu. (picture-alliance / Klaus Nowottnick)

Lange schien es so, als könne die italienische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte vom allgemeinen Aufschwung in Europa mitgezogen werden, die Rezession also allmählich zu Ende gehen. Diese Hoffnung hat sich inzwischen zerschlagen, sagt Clemens Fuest, Präsident des ZEW, des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim:

"Jetzt gibt es zwar eine gewisse Stabilisierung, aber von einem Aufschwung ist Italien sicherlich weit entfernt. Man kann allenfalls hoffen, dass wir 2014, also im nächsten Jahr, so ungefähr ein Nullwachstum bekommen. Viel mehr, das sagen jedenfalls die aktuellen Indikatoren, viel mehr wird dabei nicht rauskommen."

So wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,7 Prozent zurückgehen, damit drückt die hohe Schuldenlast weiter: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt der Schuldenstand der drittgrößten Volkswirtschaft im Euroraum bei 130 Prozent, die Neuverschuldung ist anders als erhofft doch wieder auf mehr als drei Prozent gestiegen. Gründe für die lahmende Wirtschaft in Italien gibt es viele, sagt Clemens Fuest, die strukturellen Defizite aber wiegen besonders schwer:

"Ein sehr wichtiger ist der, dass in den letzten Jahren in Italien die Arbeitskosten immer mehr gestiegen sind und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie immer mehr ins Hintertreffen geraten ist. Das hat nicht nur mit gestiegenen Löhnen zu tun, das hat auch mit mangelnder Produktivitätssteigerung zu tun. Man kann ja ruhig Löhne erhöhen, aber dann muss man auch besser werden, man muss produktiver werden. Wir haben in Italien eine zweigeteilte Wirtschaft, das heißt im Norden doch viele produktive Unternehmen, aber im Süden wenig Wirtschaftsentwicklung. Und all das führt zu einer Wirtschaft, die einfach nicht mehr wettbewerbsfähig ist."

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist ein trauriges Zeichen dafür. Im August kletterte sie auf das Rekordhoch von gut 40 Prozent. In vielen Bereichen läuft es nicht rund: Der Maschinenbau hatte schon 2012 einen starken Einbruch erlitten, in der Autoindustrie ging im September der Absatz um 2,9 Prozent zurück. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit ist die private Nachfrage schwach. Christoph Swonke, Volkswirt der DZ-Bank:

"Wenn die private Nachfrage schwach bleibt, sei es von Haushalten, sei es von Unternehmen, sei es vom Staat, fehlt einfach die Kraft, die Binnennachfrage weiter voranzubringen. Und in diesem Umfeld halten sich natürlich Unternehmen bei weiteren Investitionen und bei der Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen zurück, weil die Situation einfach zu unsicher im Moment ist."

Hinzu kommt, dass die Unternehmen auch über eine Kreditklemme klagen. Doch die Banken zeigen sich vorsichtig, erklärt Volkswirt Swonke:

"Zum einen hat man natürlich bei den Banken das Problem, dass bisher ausgegebene Kredite in Phasen einer Rezession natürlich mit der Zeit Not leidend werden können oder ein immer größerer Teil Not leidend wird, was zu einem Abschreibungsbedarf bei Banken führt. Und zum Zweiten ist es natürlich auch nachvollziehbar, dass man sich bei der weiteren Kreditvergabe an Unternehmen, die mit einer schwachen Auftragslage konfrontiert sind, mit weiteren Krediten zurückhält."

Und nicht zuletzt sind die Geldhäuser stark in italienischen Staatsanleihen investiert.

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