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StartseiteSprechstundeBeratungsteam hilft bei Patientenverfügungen13.01.2009

Beratungsteam hilft bei Patientenverfügungen

Ein schwerer Unfall, eine Krankheit oder ein Schlaganfall: Viele Menschen werden danach über Jahre von Maschinen künstlich am Leben gehalten - obwohl es keine Chance auf Heilung gibt. Patientenverfügungen können ein solches Schicksal verhindern. Damit kann der Patient genau festlegen, welche lebensverlängernde Behandlung er will und welche nicht. Aber vielen Menschen fällt es schwer, so eine Verfügung auszufüllen. An der Uniklinik Aachen hat deshalb ein Beratungsteam die Arbeit aufgenommen, das ihnen hilft.

Von Ingo Wagner

Eine Patientenverfügung muss so präzise wie möglich verfasst werden. (AP)
Eine Patientenverfügung muss so präzise wie möglich verfasst werden. (AP)

Hermann Kautz hat gute Gründe, sich für eine Patientenverfügung zu interessieren. Der 49-Jährige hat in seinem Beruf ständig mit Krankheit und Tod zu tun: Er ist Pfleger. Und er selbst leidet auch an einer Krankheit.

"Also es gibt zweierlei Sachen, die mich an diese Patientenverfügung denken lassen. Zum einen arbeite ich seit über 20 Jahren auf einer Intensivstation. Ich habe da einiges gesehen, das ich für mich selber nicht haben möchte. Zum anderen habe ich eine chronische Herzerkrankung und bin deshalb auch immer wieder mit diesem Thema konfrontiert."

Zuerst hat sich der 49-Jährige im Internet informiert. Aber je mehr er dort las, desto unsicherer wurde er. Wie wird eine Patientenverfügung eigentlich richtig aufgesetzt?

"Und um da eine Sicherheit zu haben, habe ich mich zu dem Beratungsgespräch entschieden."

Seit kurzem gibt es ein vierköpfiges Beratungsteam am Aachener Klinikum, das feste Termine anbietet. Die Berater beantworten alle Fragen rund um die Patientenverfügung und helfen auch dabei, die Formulare auszufüllen.

Der Medizinethiker Dr. Arnd May leitet das Team. Er stellt in den Gesprächen immer wieder fest, dass viele Menschen nur eine vage Vorstellung davon haben, was die Ärzte im Fall einer unheilbaren Krankheit tun oder unterlassen können. Doch eine Patientenverfügung muss so präzise wie möglich verfasst werden. Denn mit ganz allgemeinen Anweisungen können die Ärzte im Ernstfall wenig anfangen, erklärt Arnd May.

"Wenn in einer Patientenverfügung steht, ich möchte nicht dahinvegetieren ist das für die Ärzte zu ungenau. Man sollte in einer Patientenverfügung die Situation sehr genau beschreiben. Wenn ich nicht ernährt werden möchte, sollte ich sagen, in welcher Situation ich auf künstliche Ernährung verzichten möchte. Das wäre dann eine klare Botschaft. Ich kann auch für künstliche Flüssigkeitszufuhr, Dialyse und Antibiotika-Therapie das in einer Patientenverfügung zum Ausdruck bringen."

Der Beratungsbedarf ist jedenfalls hoch. Inzwischen sind die Termine des Teams im Aachener Klinikum ausgebucht. Vielen Betroffenen hilft es schon, wenn sie endlich mit jemandem über ihre Ängste und Sorgen reden können. Aber es gibt auch viele Fragen an die Berater.
So findet sich zum Beispiel kaum jemand im Überangebot der zahlreichen Formulare zurecht. Denn inzwischen sind mehr als 200 verschiedene Formulare und Vordrucke für eine Patientenverfügung im Umlauf. Darunter auch einige, die nicht geeignet sind.

In manchen müssen bestimmte Formulierungen nur noch angekreuzt werden. Die Berater am Aachener Klinikum betonen in den Gesprächen aber immer wieder, wie wichtig es ist, dass die Patienten selbst Sätze verfassen, in denen sie beschreiben, in welchen Situationen sie nicht mehr weiter behandelt werden möchten. Arnd May empfiehlt deshalb eine Broschüre des Bundesjustizministeriums, die geeignete Textbausteine enthält.

Vor dem Verfassen einer Patientenverfügung sollte man sich unbedingt beraten lassen. Dazu rät auch das Bundesgesundheitsministerium. Denn selbst wenn die Patientenverfügung richtig verfasst ist, können die Betroffenen immer noch Fehler machen. Viele bewahren zum Beispiel ihre Verfügung so sicher auf, dass sie im Ernstfall nicht sofort greifbar ist.

Solche Situationen erlebt Dr. Jörg Brockmann, Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen, immer wieder.

"Wenn wir zum Beispiel zu einer Patientin kommen im Alten- oder Pflegeheim und wir zwar wissen und vor allem das Pflegepersonal weiß, das eine Patientenverfügung da ist, aber diese gerade nicht verfügbar ist, sondern zum Beispiel im Schließfach in der Sparkasse liegt, wir sie also nicht sofort lesen können, sie also für uns wertlos ist."

Die Patientenverfügung sollte also immer in greifbarer Nähe sein. Das wird Hermann Kautz sicher nicht vergessen. Ihm hat die Beratung im Aachener Klinikum geholfen. Er weiß jetzt genau, was er in seine Verfügung schreiben wird.

"Sollte ich eine Erkrankung haben wie beispielsweise Schädel-Hirntrauma oder eine schwere Demenz oder schweres Alzheimer, wo ich wüsste, dass ich nicht davon genesen würde, dann würde ich für mich in Anspruch nehmen, dass ich lieber sterben würde und das keine weitere Intensivmedizin mehr gemacht wird."

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