Donnerstag, 22.02.2018
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteDas FeatureMeschugge Mischpoke und West-Ost-Divan01.05.2015

Berlins jüdische Israelis Meschugge Mischpoke und West-Ost-Divan

Wenn Ronit Land am Denkmal "Züge ins Leben - Züge in den Tod" vor dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin steht, dann denkt sie an ihre Mutter. Ende August 1939 saß das zwölfjährige jüdische Mädchen Cilly Salomon hier und wartete auf den Kindertransport, mit dem ihr die Flucht aus Nazideutschland gelingen sollte.

Von Babette Michel

Schaufenster eines Lebensmittelgeschäfts mit Jüdischen Spezialitäten in Berlin. (imago / Lem)
Schaufenster eines Lebensmittelgeschäfts mit Jüdischen Spezialitäten in Berlin. (imago / Lem)
Weiterführende Information

50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Andere Kinder wurden von hier aus direkt ins KZ deportiert. Keine Kleinigkeit für die israelische Choreografin Ronit, jetzt hierher nach Berlin zu ziehen. Und doch wirkt Berlin neuerdings wie ein Magnet auf jüdische Israelis. Vor allem junge unangepasste Journalisten, Studenten, Musiker, Unternehmer und Designer sind zu Hunderten gekommen, um hier zu leben. In Neukölln und Moabit, Kreuzberg und Mitte starten sie Multi-Art-Projekte und unkoschere Gay-Partys, verkaufen die schmackhaftesten Berliner Brezeln und gründen gesellschaftskritische hebräische Magazine. Die Stadt überzeugt mit moderaten Mieten und Platz für Kultur, mit bewusster Geschichtsaufarbeitung und Raum für west-östliche Friedensprojekte.

Und auch, wenn antijüdische Parolen und Übergriffe als Reaktion auf den Gaza-Krieg beängstigend sind: Berlin ist ihr Zuhause. Endlich schließt sich mit ihrem Umzug nach Berlin auch für Ronit der Kreis - im familiären wie im geschichtlichen Sinn.

Produktion: DLF 2015

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk