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Berlusconis ganz besonderer Dorn im Auge

Unabhängiger Fernsehsender feiert in Italien Erfolge

Von Thomas Migge

Silvio Berlusconi ruft auch persönlich bei La Sette an, wenn ihn etwas ärgert.
Silvio Berlusconi ruft auch persönlich bei La Sette an, wenn ihn etwas ärgert. (picture alliance / dpa / Angelo Corn)

"La Sette" ist ein Fernsehsender außerhalb des Einflusses des italienischen Ministerpräsidenten. Und immer mehr kritische Journalisten wechseln zu ihm - und erhöhen die Einschaltquoten.

Immer mehr Italiener hören diese Melodie. Mit diesem Sound beginnen die Nachrichten des italienischen Fernsehsenders La Sette. Fernsehnachrichten, die Umfragen zufolge von einer Mehrheit der Zuschauer als politisch unabhängig eingeschätzt werden.

Regierungskritische Stimmen der Opposition, der Bürger und Intellektueller kommen bei La Sette nie zu kurz. Einer Untersuchung der parlamentarischen Medienaufsicht zufolge ist das Verhältnis zwischen Regierungs- und Oppositionspolitikern in Sachen Medienpräsenz bei La Sette vorbildlich ausgeglichen. Ganz anders als bei Berlusconis privaten eigenen und den staatlichen Fernsehsendern ist bei diesem Kanal der Regierungschef nicht der allpräsente Star – weshalb die Medienaufsicht Klage gegen die RAI wegen einseitiger Berichterstattung erheben will, weil sie ständig das Gebot politischer Ausgeglichenheit verletze.

Und mit ihm will La Sette zum wichtigsten unabhängigen Privatkanal überhaupt werden: Enrico Mentana ist seit einigen Wochen neuer Nachrichtenchef. Mentana war einst einer der Stars von Berlusconis Canale 5. Der Medienzar wollte ihm zuletzt immer wieder vorschreiben was er zu sagen und zu verschweigen habe. Bis Mentana der Kragen platzte und er kündigte. Jetzt ist Mentana das journalistische Zugpferd von La Sette – zum großen Unbehagen Berlusconis verzeichnen seine Nachrichtensendungen seit Mentanas Weggang doch Verluste bei den Einschaltquoten. Enrico Mentana:

"Das italienische Informationssystem zeichnet sich durch Komformismus aus. Diese Realität durchbrechen wir, weil wir von Unternehmern finanziert werden, die sich nicht in die Medienpolitik ihres Medienkonzerns einmischen. Der aktuelle Komformismus ist das Produkt derjenigen, die hier regieren."

Unternehmen, die mit einem gut gemachten TV-Kanal Geld machen wollen, aber keine Programminhalte vorgeben oder unterbinden. Und auch nichts gegen kritische und scharf hinterfragende Journalisten haben. So ist eines der weiteren Zugpferde von La Setta Gad Lerner, mit seiner politischen Talkshow "L'infedele", der Ungläubige. Eine Sendung, die Berlusconi oftmals so auf die Palme bringt, dass er sogar live anruft und Lerner und seine Gäste beschimpft.

Jetzt scheint La Sette einen weiteren oppositionellen TV-Star auf seine Seite zu ziehen. Michele Santoro, Moderator der Berlusconi verhassten RAI-Talkshow "Annozero", hat keine Lust mehr, sich als RAI-Angestellter ständig für seine Sendungen verteidigen zu müssen. Er kündigte jetzt - und La Sette versucht ihn anzuwerben. Enrico Mentana:

"Als ich bekannt gab, dass Santoro mit uns in Verhandlungen steht, stand plötzlich Italiens Medienwelt Kopf. Ja, wir sind in Verhandlungen."

Mit dem prominenten journalistischen Dreigestirn Santoro, Mentana und Lerner wird der private Sender La Sette zu einem der wichtigsten und vom Einfluss politischer Parteien freiesten Fernsehkanäle ganz Italiens. Zu einer echten und für Berlusconi besorgniserregenden Medienkonkurrenz – vor allem in diesem Moment, in dem sich, und die vergangenen Kommunalwahlen sowie das Resultat der Volksbefragung am letzten Wochenende zeigen es überdeutlich, immer mehr Wähler vom Regierungschef abwenden.

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