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Bertelsmann plant internationale Ratingagentur

Ziele sind Transparenz und Unabhängigkeit

Von Theo Geers

INCRA soll die von Bertelsmann vorgeschlagene Ratingagentur heißen -  International Non-Profit Credit Rating Agency   (picture alliance / dpa - Oliver Berg)
INCRA soll die von Bertelsmann vorgeschlagene Ratingagentur heißen - International Non-Profit Credit Rating Agency (picture alliance / dpa - Oliver Berg)

In der Diskussion um die Gründung einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu den drei marktbeherrschenden US-Agenturen hat die Bertelsmann-Stiftung ein eigenes Konzept vorgelegt. Sie schlägt eine gemeinnützige internationale Agentur vor, die die Kreditwürdigkeit von Staaten bewertet.

Es ist ein zeitlicher Zufall. Mehr nicht. Einen Tag, nachdem das von der Unternehmensberatung Roland Berger vorangetriebene und mit den bislang größten Vorschusslorbeeren behängte Projekt einer europäischen Ratingagentur zu scheitern droht, legt die Bertelsmann-Stiftung ein Konzept für eine gemeinnützige Ratingagentur vor. INCRA soll sie heißen, INCRA steht für International Non-Profit Credit Rating Agency. Getragen werden soll sie von Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und privaten Förderern. Diese sollen 400 Millionen Dollar in einen Fonds einzahlen, der dann Zinserträge von bis 24 Millionen Dollar im Jahr abwirft, aus denen dann die Ratings finanziert werden. Incra wird sich dabei auf Länderratings beschränken und anders als bei Standard & Poors, Moodys und Fitch müssen die beurteilten Länder für ihre Bonitätsnoten auch nichts bezahlen. Das und die Gemeinnützigkeit sind die wesentlichen Unterschiede zur Arbeit der drei weltweit führenden kommerziellen Ratingagenturen. Ein weiterer Unterschied liegt in den Ratings selbst, erklärt Sabine Donner von der Bertelsmann-Stiftung:

"Wir glauben dass natürlich makroökonomische Faktoren wichtig sind. Wir glauben aber, dass soziale Faktoren, politische Faktoren, aber auch Faktoren der Bewertung von Regierungsfähigkeit eine große Rolle spielen, um eine langfristige Aussage zu machen, wie gut Staaten ihre Schulden bedienen können."

Die Bertelsmann-Stiftung will also eine andere Qualität von Ratings einführen. Belastbare harte Finanzkennziffern sind nicht das alleinige Maß der Dinge, auch weichere sozioökonomische Faktoren spielen eine Rolle. Das Stiftungsmodell und der ausdrückliche Verzicht darauf, mit Ratings Milliarden-Gewinne wie bei den großen drei Agenturen zu scheffeln, soll für mehr Transparenz und Unabhängigkeit sorgen, betont Sabine Donner:

"Es geht auch darum, dass die kritisch gegenüber den großen drei gegenüberstehenden Investoren selbst, aber auch gesellschaftlichen Organisationen so eine Idee zu tragen, wenn sie denn tragfähig ist. Denn die Auswirkungen, die Ratings haben, betreffen ja nicht nur einen bestimmten Sektor, sondern haben sehr umfassende Auswirkungen."

Das Projekt konkret fördern sollen zunächst die 20 wirtschaftlich einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer. Die Bertelsmann-Stiftung will mit dem Vorstoß die G20 auch ein bisschen testen, wie ernst der politische Wille ist, die Macht der drei großen kommerziellen Ratingagenturen einzuschränken. Fünf Jahre Zeit will man sich geben, um das Projekt zum Fliegen zu bringen. Ein Scheitern der Idee ist damit nicht eingeplant, aber eben auch nicht ausgeschlossen, und sollte es scheitern, würden die Geldgeber der Stiftung ihr eingezahltes Kapital zurück bekommen.



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