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StartseiteNachrichten vertieftKinderarmut als Dauerzustand12.09.2016

Bertelsmann-StudieKinderarmut als Dauerzustand

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut. Allerdings konnten letztes Jahr fast zwei Millionen Kinder nicht davon profitieren. Fast 15 Prozent aller Kinder lebten von staatlichen Sozialleistungen wie Hartz IV. Laut der Bertelsmann-Stiftung ist die Kinderarmut noch gestiegen. Aus Ostdeutschland gibt es aber auch halbwegs gute Nachrichten.

Ein Junge sitzt alleine auf einer Schaukel auf einem Spielplatz in Berlin (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
In dauernder Armut zu leben isoliert Kinder (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
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Zwar lebt dort laut der Studie noch immer mehr als jedes fünfte Kind von Hartz IV. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings etwas gesunken, um 2,4 Prozentpunkte. Im Westen ist die Quote der Minderjährigen in Hartz-IV-Haushalten dagegen von 12,4 Prozent auf 13,2 Prozent leicht gestiegen. Insgesamt lebten letztes Jahr mehr als 1,9 Millionen Kinder in Armut – 52.000 mehr als noch vor fünf Jahren. Ein Anstieg von 0,4 Prozent.

Oft sind die Kinder und Jugendlichen über längere Zeit von Armut betroffen. Mehr als 57 Prozent der Kinder zwischen 7 und 15 Jahren waren mehr als drei Jahre auf Sozialleistungen angewiesen. Das bereitet den Forschern Sorgen, denn "je länger Kinder in Armut leben, desto gravierender sind die Folgen", sagt Anette Stein, Familienpolitik-Expertin der Bertelsmann-Stiftung. Viele Studien zeigten, dass arme Kinder gesundheitliche Nachteile hätten, sozial isolierter aufwüchsen und häufiger Probleme auf ihrem Bildungsweg hätten als Kinder aus anderen Familien.

Alleinerziehend, viele Kinder - das macht arm

Die Wahrscheinlichkeit, in Armut aufzuwachsen, ist höher, wenn die Eltern alleinerziehend sind. Mehr als die Hälfte aller Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, wachsen bei nur einem Elternteil auf. Auch kinderreiche Familien bergen ein Armutsrisiko: Ein Drittel der betroffenen Kinder hat zwei oder mehr Geschwister.

Hohe Kinderarmut in strukturschwachen Städte

Generell ist Kinderarmut laut der Studie besonders in Städten ein Problem. Am höchsten liegt die Quote in Bremerhaven (40,5 Prozent) gefolgt von Gelsenkirchen (38,5 Prozent), Offenbach (34,5 Prozent), Halle (33,4 Prozent), Essen (32,6 Prozent) und Berlin (32,2 Prozent). Besser ist die Lage in Süddeutschland: Während der Bundessdurchschnitt bei fast 15 Prozent liegt, haben Bayern und Baden-Württemberg eine Quote von 6,8 beziehungsweise 8 Prozent. Allerdings ist auch dort der Anteil leicht gestiegen.

Kinderhilfswerk fordert Kinder-Grundsicherung und andere Besteuerung von Alleinerziehenden

Der Vorsitzende des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, bezeichnete die Studie als einen Weckruf an die Bundesregierung: "Die Tatsache, dass trotz guter konjunktureller Rahmendaten die Kinderarmut in Deutschland auf einem skandalös hohen Niveau verharrt, macht deutlich, dass wir ein strukturelles Problem haben, dem Politik und Gesellschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kompetenzen entgegentreten müssen."

Krüger forderte unter anderem eine Kinder-Grundsicherung und mehr Bildungsgerechtigkeit in der Schule. Um Alleinerziehenden zu helfen, solle die Kinderbetreuung ausgebaut werden. Außerdem sollten sie nicht wie Singles besteuert werden.

(at/jcs)

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