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StartseiteKommentare und Themen der WocheEinst Ausländer, jetzt nur noch Muslime24.08.2017

Bertelsmann-Studie zu IntegrationEinst Ausländer, jetzt nur noch Muslime

Der Bertelsmann-"Religionsmonitor" sieht die Muslime in Deutschland auf einem guten Weg zu mehr Integration. Das sei bemerkenswert, meint Kemal Hür, denn vor nicht allzu langer Zeit hätten Studien noch gegenteilige Ergebnisse geliefert.

Von Kemal Hür

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Ein Muslim betet am 26.05.2015 im Gebetsraum der DiTiB-Moschee in Stuttgart  (dpa / picture alliance / Daniel Naupold)
"Warum fragen wir die Einwanderer aus muslimischen Ländern so selbstverständlich nach ihrer Religion?", fragt sich Kemal Hür. (dpa / picture alliance / Daniel Naupold)
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Studien sind wichtig. Sie liefern Informationen zu Themen, die die Politik, Gesellschaft und Medien brauchen; Ergebnisse, die ohne wissenschaftliche Untersuchungen nicht immer zu erkennen sind. Im Bereich der Integration gibt es nun aber so viele Studien, dass jede Partei und jede unterschiedliche politische Gruppierung sich auf eine beziehen kann, die die jeweilige Haltung belegt. Die Bertelsmann-Stiftung legte heute eine Studie vor, die die Integration von Muslimen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz vergleicht. Zwei Ergebnisse, die auf den ersten Blick bemerkenswert erscheinen, lauten: Die rund fünf Millionen Muslime in Deutschland sind gut in den Arbeitsmarkt integriert. Und: 73 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder von Muslimen wachsen mit Deutsch als erster Sprache auf.

Eigentlich selbstverständliche Ergebnisse

Das sind sehr positive Ergebnisse, und im Grunde genommen müssten sie nach einem halben Jahrhundert der Einwanderung selbstverständlich sein. Doch sie sind aus einem anderen Grunde bemerkenswert. Es ist gar nicht so lange her, da hatten wir in diesem Programm über Studien berichtet, die gegenteilige Ergebnisse geliefert hatten: dass Muslime nämlich auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt würden, dass Jugendliche mit muslimisch, beziehungsweise türkisch oder arabisch klingenden Namen seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen würden; dass muslimische Kinder auch in der dritten und vierten Generation Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hätten; und dass Muslime insgesamt schlechter integriert seien als zum Beispiel Vietnamesen oder Koreaner.

Woran erkennt man einen Muslim?

Doch seien wir ehrlich: Diese Studien liefern Argumentationshilfen für jeden, je nachdem ob er die sogenannte Integration als gelungen oder misslungen ansieht. Nach der Bertelsmann-Studie wünschen sich rund 20 Prozent der Deutschen keine Muslime als Nachbarn. Woran aber erkennt man einen Muslim? Und wichtiger noch: Warum fragen wir die Einwanderer aus muslimischen Ländern so selbstverständlich nach ihrer Religion? Kennen Sie die Religion oder Konfession ihrer deutschen Nachbarn und Arbeitskollegen? Wissen Sie, wer katholisch, evangelisch oder jüdisch ist? Es gab in Deutschland finstere Zeiten, in denen Menschen nach ihrer Religion gefragt wurden. Aber seit den islamistischen Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA ist die Religion der muslimischen Einwanderer nicht mehr deren Privatsache. Nach der aktuellen Studie betonen 96 Prozent der Muslime ihre enge Verbundenheit mit Deutschland. An ihrer Außenwahrnehmung ändert dieses schöne Ergebnis aber nichts: Einst waren die Einwanderer Ausländer, dann Migranten und jetzt nur noch Muslime. Das sollte uns als multiethnische und multireligiöse Einwanderungsgesellschaft wach rütteln.

Kemal Hür (Foto: privat)Kemal Hür (Foto: privat)Kemal Hür, Jahrgang 1968, studierte Germanistik, Soziologie sowie Theater- und Filmwissenschaft an der FU Berlin. Nach Dolmetschertätigkeiten begann er im Jahr 2000 seine journalistische Laufbahn bei Radio Multikulti beim SFB/RBB. Ab 2005 arbeitete er auch für verschiedene Fernsehprogramme der ARD (Kontraste, Cosmo-TV, Abendschau, Stilbruch). Seit 2006 ist er Autor für verschiedene ARD-Hörfunkprogramme. Seit 2014 bearbeitet er für das Berliner Landesstudio von Deutschlandradio die Themenschwerpunkte Migration/Integration/Islam/Türkei.

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