Samstag, 20.01.2018
StartseiteVerbrauchertippWie eine Versicherung im Streitfall hilft12.01.2018

BerufsrechtsschutzWie eine Versicherung im Streitfall hilft

Ärger mit dem Arbeitgeber wünscht sich keiner. Kommt es dann doch zu ernsthaften Schwierigkeiten, kann eine Berufsrechtsschutzversicherung helfen. Wer eine solche Versicherung abschließen möchte, sollte sich vorab aber umfassend informieren und dabei nicht nur auf Vergleichsportale setzen.

Von Margret Bielenberg

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Ein Mann sitzt abends in einem Büro an einem vollen Schreibtisch und arbeitet in Berlin.  (picture-alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Wenn der Arbeitgeber nur mit Kündigung droht, wird der Berufsrechtsschutz noch nicht aktiv (picture-alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
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Angst um den Arbeitsplatz ist verbreitet: Wer beispielsweise Mitte 50 ist und in einem Unternehmen arbeitet, das sich gerade umstrukturiert, hat vielleicht Sorge, dass seine Arbeitskraft nicht bis ins Rentenalter gewünscht und er vorzeitig gekündigt wird. In so einem Fall kann eine Berufsrechtsschutzversicherung sinnvoll sein, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Wichtig dabei:

"Man hat immer eine Wartezeit von drei Monaten und wenn innerhalb dieses Zeitraums halt der Versicherungsfall eintritt, bin ich nicht versichert."

Über eine Berufsrechtsschutzversicherung ist immer nur der Fall versichert, bei dem es einen Rechtsbruch oder einen Verstoß gegen Rechtspflichten, beziehungsweise Rechtsvorschriften gegeben hat. Wird das Weihnachtsgeld beispielsweise nicht gezahlt, werden geleistete Überstunden nicht honoriert oder stimmt das Arbeitszeugnis nicht, dann ist das ein Fall für die Berufsrechtsschutzversicherung. Die Beratung für die Verhandlung eines so genannten Aufhebungsvertrags zum Beispiel ist dagegen meist nicht mitversichert. Auch wenn der Arbeitgeber nur mit Kündigung droht, wird der Berufsrechtsschutz noch nicht aktiv. Die Berufsrechtsschutzversicherung muss in der Regel mindestens in Kombination mit einer Privatrechtsschutzversicherung abgeschlossen werden, sagt Bianca Boss. Das Paket kostet jährlich mehrere hundert Euro und gilt für die ganze Familie.

"Wenn ich nicht verheiratet bin, dann muss ich eben meinen Partner mit Namen und Beruf und Geburtsdatum nennen, auch meine unverheirateten Kinder, die noch nicht in die Arbeitswelt eingetreten sind, sind mitversichert."

Nicht nur auf Vergleichsportale setzen

Die Berufsrechtschutzversicherung gilt in der Regel nur für Arbeitnehmer, Beamte oder Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Ist der Partner beispielsweise freiberuflich tätig, ist er zwar über den Privatrechtsschutz für einen Rechtsstreit im Alltag versichert, seine freiberufliche Tätigkeit aber nicht. Über einen Aufpreis lässt sich der Freiberufler bei manchen Versicherungen mitversichern, doch kostet die Versicherungsprämie das drei- bis vierfache der üblichen Versicherungsprämie. Günstiger wir die Versicherung übrigens, wenn man im Fall der Fälle einen Teil der Kosten selbst trägt.

"Eine Selbstbeteiligung fängt ab 150 Euro an, man kann sie auch noch höher setzen, wenn man wirklich der Meinung ist, dafür sollte auch eine Versicherung nur da sein, für den Fall der existenzbedrohenden Risiken."

Eine Deckungssumme von 500.000 Euro ist ratsam. Der Rechtsanwalt sollte die Deckungszusage beim Versicherer vorher einholen. Will der Versicherer nicht zahlen, kann man sich zum Beispiel an den Ombudsmann für Versicherung wenden, an den Bund der Versicherten, wenn man Mitglied ist und an die Verbraucherzentralen. Manche haben bereits eine Berufsrechtsschutzversicherung, ohne dass es ihnen bewusst ist, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Wenn man in der Gewerkschaft ist, hat man einen entsprechenden Rechtsschutz dabei, man kann sich dort vertreten lassen. Das gesamte Verfahren wird über die Gewerkschaft dann abgewickelt. Also die machen erst mal die Beratung vor Ort, arbeiten dann mit entsprechenden Kanzleien zusammen und man hat dann den entsprechenden Rechtsschutz bei der Gewerkschaft."

Bei der Auswahl einer passenden Versicherung sollte man nicht nur auf Vergleichsportale setzen. 

"Viele arbeiten nur mit ganz bestimmten Versicherern zusammen und dann müssten Sie viel zusammensuchen und vergleichen, die Tarife können unterschiedlich sein. Eine gute Übersicht bieten die Tests von Stiftung Warentest, die für Versicherungen bei Finanztest veröffentlicht werden."

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