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StartseiteVerbrauchertippWichtige Absicherung für Arbeitnehmer03.05.2017

Berufsunfähigkeitsversicherung Wichtige Absicherung für Arbeitnehmer

Der Verlust der Arbeitskraft kann jeden treffen. Wer dann kein Einkommen mehr erzielt, steht oft vor großen finanziellen Problemen. Helfen kann eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Beantworten muss man beim Abschluss Fragen zum Gesundheitszustand. Doch was ist, wenn danach eine Erkrankung auftritt?

Von Klaus Deuse

Ein Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung und einige Euroscheine. (imago / suedraumfoto)
Bei der Ablehnung eines Leistungsantrages liegt die Beweispflicht immer bei der Versicherung, sagt Fachanwalt Joachim Laux. (imago / suedraumfoto)
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Zum Geschäftsprinzip von Versicherungsgesellschaften gehört es, das eigene Risiko möglichst gering zu halten. Darum fragen sie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch genau den aktuellen Gesundheitszustand ab. Fragen, die man ehrlich beantworten sollte, betont Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW:

"Da muss man sich schon einmal komplett nackig machen. Aber Achtung: nur solange der Versicherer danach fragt. Man muss grundsätzlich die Fragen beantworten, die der Versicherer im Antrag auch stellt. Und eben auch nicht mehr. Zum Beispiel fragt er nach den stationären Behandlungen der letzten fünf Jahre, dann muss ich auch nur den Krankenhausaufenthalt der letzten fünf Jahre angeben. Und den vor sechs Jahren, den kann ich verschweigen."

Überprüfung im Leistungsfall wahrscheinlich

Zur Einschätzung des Risikos kann sich der Versicherer darüber hinaus auch an Ärzte wenden. Wenn aber der Leistungsfall eintreten sollte, etwa die Berufsunfähigkeitsrente beantragt wird, ist in der Regel mit einer Überprüfung zu rechnen. Philipp Opfermann:

"Dann wird der Versicherer nachprüfen, hab' ich damals wirklich so alles angegeben, wie ich das sollte: Hab' ich nicht irgendwie eine Erkrankung verschwiegen? Was steht beim Arzt in den Unterlagen? Was hat die Krankenkasse notiert?"

Hat das Versicherungsunternehmen Bedenken, kann es zur Ablehnung der vereinbarten Leistung kommen. Und zwar dann, wenn gegenüber der Versicherung falsche Angaben gemacht worden sind, sagt der Berliner Fachanwalt Joachim Laux:

"Nachzuweisen ist Arglist, also das Vorspiegeln falscher Tatsachen oder das Verschweigen objektiv wichtiger Umstände, um Versicherungsschutz zu erlangen, der bei vollständigen Angaben nicht zu bekommen gewesen wäre."

Bei der Ablehnung eines Leistungsantrages, so Fachanwalt Laux, liegt die Beweispflicht übrigens immer bei der Versicherung. Nun zwingt nicht jede Erkrankung, die nach Vertragsabschluss festgestellt wird, umgehend zum Ausstieg aus dem Beruf, sondern vielleicht erst später. Das ändert nach Auffassung von Joachim Laux allerdings nichts am vereinbarten Versicherungsschutz:

"Mit der verspäteten Meldung eines Versicherungsfalls sind - mit Ausnahmen möglicherweise erst späterer Leistungsansprüche - keine Nachteile verbunden."

Risikoreiche Freizeitaktivitäten - Zuschlag bis zu 50 Prozent möglich

Auch risikoreiche Freizeitaktivitäten sollte man nicht verschweigen. Unter Umständen können Versicherungen dafür einen Zuschlag bis zu 50 Prozent erheben. Fußball oder Eishockey zählt Verbraucherberater Opfermann nicht dazu.:

"Was ist riskant – und was ist ein Hobby? Bin ich vor zwei Jahren einmalig Fallschirm gesprungen mit einem Tandemsprung, ist das sicherlich noch kein Hobby. Bin ich Mitglied in einem Fallschirmspringerverein und springe regelmäßig, ist das hier anzugeben."

Versicherungen legen bei der Einstufung unterschiedliche Maßstäbe an und erheben dafür unterschiedlich hohe Zuschläge. Nachfragen kann zumindest nie schaden. Allerdings können Versicherungen abgeschlossene Verträge nicht in jedem Fall und vor allem nicht jederzeit anfechten, sagt Fachanwalt Laux:

"Ein Versicherungsvertrag kann nur innerhalb einer Frist von zehn Jahren nach Abschluss, also Ausfertigung des Versicherungsscheines angefochten werden. Danach ist eine Anfechtung oder auch ein Rücktritt, gleich aus welchen Gründen, nicht mehr möglich."

Nach zehn Jahren sind Einwände gegenstandslos. Doch alle vor Vertragsabschluss gestellten Fragen sollte man im eigenen Interesse wahrheitsgemäß beantworten.

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