Computer und Kommunikation / Archiv /

Besser Schmökern

Senioren sollen mit E-Book und Tablet-Computer leichter lesen können

IT-Journalist Ansgar Warner im Gespräch mit Manfred Kloiber

Ein Senior liest auf dem Tablet.
Ein Senior liest auf dem Tablet. (picture alliance / dpa - Ilvy Njiokiktjien)

Elektronische Bücher lesen? Das lehnen manche Senioren entschieden ab – auch aus ästhetisch-sinnlichen Gründen. Jetzt hat eine Studie aber gezeigt: Vor allem auf Tablet-PCs fällt älteren Menschen das Lesen leichter.

Manfred Kloiber: Die Vorurteile sind ja hinlänglich bekannt: Am Bildschirm lesen ist anstrengend und ermüdend. Gegenüber dem guten alten Buch, schön anzufassen und mit gestochen scharfen Buchstaben, erscheint selbst der brillanteste LC-Bildschirm blass und verschwommen – gerade für alte Menschen alles andere als attraktiv. Diese ziemlich subjektiven Eindrücke haben Forscher der Universitäten Mainz, Göttingen und Marburg mit einer Lesestudie hinterfragt. Diese Woche wurde sie Veröffentlicht und die Ergebnisse stellen die Vorurteile geradezu auf den Kopf. Schon vor einem Jahr haben die Forscher über den Zwischenstand berichtet. Damals ernteten sie herbe Kritik ob der Finanzierung. Ansgar Warner, sie haben die fertige Studie gelesen. Wie sind denn die Forscher an das Thema herangegangen?

Ansgar Warner: Die Leseforscher haben sich speziell auf diesen Widerspruch zwischen Meinung und technischen Standards gestürzt. Die haben sich eine Gruppe von Testpersonen genommen, vom Studenten bis zum Rentner, - das waren insgesamt über 60 Personen – und denen verschiedene Textpassagen vorgelegt. Identische Textpassagen, aber auf verschiedenen Medien. Vom gedruckten Buch über den E-Reader bis zum Tablet. Und dabei waren eben nicht nur die persönlichen Einschätzungen gefragt – wie gefällt einem das Lesen auf diesem Medium -, sondern es wurde auch genau geschaut: Was für Körperreaktionen lassen sich messen? Zum einen hat man da die Gehirnaktivität mit einem EEG gemessen und zum anderen hat man die Augenbewegungen mit einem sogenannten Eyetracker verfolgt, also sich angeschaut: Wie viel Arbeit leistet das Auge dabei, die Buchstaben zu fixieren.

Kloiber: Und was ist dabei herausgekommen? Wie nah an der Wirklichkeit sind denn diese Vorurteile, die ich eben zitiert habe, gegenüber den E-Books und den Tablet-Computern?

Warner: Da klafft doch ein großer Widerspruch auf. Das sieht man schon am Titel der Studie. Da geht es nämlich genau darum, dass subjektive Eindrücke bei der digitalen Lektüre eben nicht die messbaren Anstrengungen, die körperlichen Reaktionen widerspiegeln. Die meisten Versuchsteilnehmer waren zwar ganz fest der Meinung, dass der Lesekomfort von gedruckten Büchern deutlich besser sei, aber die gemessenen Daten haben etwas ganz anderes gezeigt: Zwischen Büchern und elektronischem Papier gibt es eigentlich praktisch gar keinen messbaren Unterschied. Auf Tablets – das war allerdings dann die kleine Ausnahme – lesen Senioren sogar besser als auf gedrucktem Papier. Also man konnte da genau messen, dass ihre Augen weniger Zeit brauchen, um die Buchstaben zu fixieren auf einem Tablet und dass die Informationen im Gehirn auch leichter verarbeitet werden. Also sozusagen die Prozessorleistung, die man da messen kann mit den Gehirnwellen, die ist dann etwas niedriger.

Kloiber: Elektronisches Papier, das ist ja Schwarz-Weiß-Darstellung mit so einer Art elektronischer Tinte. Tablet-Computer arbeiten mit einem normalen LC-Bildschirm Warum ist denn ausgerechnet dieses Tablet für Senioren besser?

Warner: Das Ergebnis war für mich auch erstmal überraschend. Weil allgemein sagt man ja, dass E-Ink-Reader, weil sie papierähnlicher sind, für die Augen deutlich besser sind. Aber hintergrundbeleuchtete LCD-Displays sind eben sehr hell. Und gerade das scheint im Alter eine besondere Rolle zu Spielen – also die Ausleuchtung. Denn die sorgt eben für einen guten Hell-Dunkel-Kontrast. Das sieht man ja zum Beispiel auch bei Instrumenten wie Leselampen oder Leuchtlupen für Senioren. Das hat dann eben den Effekt gehabt, dass die Lesbarkeit deutlich besser war. Das haben die Senioren auch tatsächlich so eingeschätzt, als sie befragt wurden, die Lesbarkeit. Interessanterweise haben sie aber trotzdem gesagt, dass ihnen das Lesen von Büchern, von gedruckten Büchern aber, besser gefällt.

Kloiber: Es gibt also das Vorurteil, was wirklich sehr stark verbreitet ist. Auf der anderen Seite eben die deutlichen Messungen, dass eigentlich die Senioren mit hintergrundbeleuchteten Displays besser zurecht kommen. Bei der Finanzierung dieser Studie habe aber eine Marketingtochter des deutschen Buchhandels mitgeholfen und das ist jetzt in der Diskussion. Was bedeutet das denn für die Glaubwürdigkeit dieser Studie?

Warner: Erstmal ist methodisch an dieser Studie nicht zu rütteln. Das ist alles ganz seriös gemacht. Aber es stimmt natürlich schon. Die Marketingtochter des Börsenvereins vertreibt nicht nur E-Books über den Buchhandel, sondern eben auch E-Reader und Tablets. Und insofern dürfte sie sich sehr über diese Ergebnisse gefreut haben. Gerade ältere Leser jetzt zu motivieren, umzusteigen auf E-Books, ist ja im Moment das Problem. Und mit dieser Studie im Hintergrund ist das natürlich um einiges leichter. Aber eine gewisse Kritik kann man schon üben, auch methodisch, an der Studie, weil eben die Lektüre da nur minutenweise stattgefunden hat. Und wir wissen ja aus dem Alltag: Wir lesen ein Buch jetzt nicht minutenlang, sondern oft auch stundenlang. Und wenn man da jetzt stundenlang auf einem Tablet liest, dann würde ich schon sagen, lässt sich da etwas anderes messen. Also da würde ich denken, dass der Augenstress dann doch größer ist als beim E-Reader mit elektronischem Papier.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Computer und Kommunikation

Open Source SoftwareKritiker zweifeln an der Zuverlässigkeit

Auf einem Computermonitor ist der Binärcode zu sehen.

Open Source Software galt bislang als besonders sicher. Das Prinzip der vielen Augen wurde als weniger anfällig für schwerwiegende Fehler eingestuft. Das hat sich durch die Entdeckung des Programmierfehlers "Heartbleed" geändert.

Googles "Project Shield"Hilfe vom großen Bruder

Passanten vor dem Hauptgebäude des Suchmaschinenunternehmens Google in Mountain View im US-Bundestaat Kalifornien

Um regierungskritische Gegner mundtot zu machen, werden oft ungeliebte Webseiten lahmgelegt. Die Server werden dabei mit einer Flut manipulierter Anfragen überlastet. Schutz vor solch politisch motivierten DDoS-Attacken bietet der Google-Dienst "Project Shields".

Das Digitale LogbuchEin Mobilfunkanbieter-Wechsel mit Tücken

Ein Chip für Mobiltelefone ist Träger verschlüsselter Daten.

Die Mobilfunknummer bei einem Providerwechsel mitzunehmen, ist gar nicht so einfach. Unser Autor Maximilian Schönherr über eine nicht ganz reibungslose Kommunikation mit dem neuen und alten Anbieter.