Sonntag, 19.11.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherAsche zu Asche, Schwermetall zu Schwermetall01.11.2017

BestattungswälderAsche zu Asche, Schwermetall zu Schwermetall

In Deutschland werden über 60 Prozent der Verstorbenen eingeäschert und in einer Urne beigesetzt. Meist auf dem Friedhof, manchmal aber auch in einem Bestattungswald. Es wird nun untersucht, ob die Schwermetalle in der Totenasche eventuell Pflanzen und Grundwasser Schaden zufügen können.

Von Susanne Kuhlmann

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Der Friedwald in Schönebeck/Elbe (Sachsen-Anhalt). Rund 26 Hektar Wald stehen auf dem ostelbischen Gelände für Bestattungen zur Verfügung.  (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Der Friedwald in Schönebeck/Elbe: Rund 26 Hektar Wald stehen auf dem ostelbischen Gelände für Bestattungen zur Verfügung. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
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In Bestattungswäldern werden Urnen im Baumwurzelbereich beigesetzt, mindestens 80 Zentimeter tief. Pro Baum sind zehn bis zwanzig Urnenplätze erlaubt. Seit Jahren warnen Kritiker vor einer möglichen Belastung der Waldböden durch Kremationsasche. Vor allem der Landschafts- und Friedhofsplaner Andreas Morgenroth aus Hamburg meldet seine Bedenken in fast jeder Kommune an, die einen Begräbniswald plant. Tatsächlich ist kaum etwas darüber bekannt, wie sich Totenasche langfristig auf Waldboden, Pflanzen und Grundwasser auswirkt. Der Diplom-Geograph Johannes Haas von der Professur für Bodenökologie an der Universität Freiburg ist damit beschäftigt, das zu ändern.

Was passiert mit der Asche im Boden?

"Wir bearbeiten derzeit ein Projekt aus dem Umweltforschungsplan des Umweltbundesamtes. Das hat letztes Jahr begonnen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, eine Abschätzung vorzunehmen, welche Stofffrachten über die Aschen in die Böden eingetragen werden können…"

… und wie sich das schließlich auf das Ökosystem Boden auswirkt.

 "Kommt es zu Verlagerungsprozessen? In welchen Fällen kommt es zu Verlagerungsprozessen? Was passiert mit den Aschen, wenn sie in die Böden eingetragen wurden?"

Vor drei Jahren erarbeiteten Wissenschaftler der Freiburger Universität bereits eine andere Studie zur Umweltbewertung von Waldböden mit Urnenbegräbnissen, damals im Auftrag eines Unternehmens für Naturbestattungen. 

Blei, Cadmium, Kupfer, Chrom, Zink, Zinn

"Wir Menschen nehmen im Laufe unseres Lebens eine Vielzahl von Schwermetallen in uns auf. Da wäre zum Beispiel Blei zu nennen, Cadmium, Kupfer, Chrom, Zink oder auch Zinn, von welchen man annimmt, dass sie eine Anreicherung in den Aschen Verstorbener finden und damit möglicherweise eine Wichtigkeit bei der möglichen Schadwirkung in Böden haben können.

Damals rechnete Johannes Haas auf Grundlage von Daten aus der Fachliteratur aus, wie hoch die Schwermetallbelastung aus Urnenasche in einem Bestattungswald maximal sein kann. Angesetzt wurde ein Zeitraum von 99 Jahren. Im Boden kommen außerdem Schwermetallbelastungen aus der Atmosphäre an. Der Forscher orientierte sich auch dabei an Werten aus der Literatur und legte diesmal die geringsten Einträge zugrunde. Die Frage war also: Wie hoch fällt die Schwermetallbelastung aus Urnen schlimmstenfalls aus und wie wenig gelangt im besten Fall aus der Luft in den Waldboden. Die beiden Ergebnisse wurden gegenübergestellt.

Belastbares Ergebnis?

"Dabei konnte festgestellt werden, dass für alle Elemente zum Teil deutlich geringere Werte aus Kremationsaschen zu erwarten sind."

Die Schwermetalleinträge aus der Luft waren also größer. Ist das Ergebnis belastbar?

"Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass in diesen 15 Jahren noch keine Verlagerung von Schwermetallen stattgefunden hat. Nichtsdestotrotz kann man bei einer voraussichtlichen Betriebsdauer dieser Bestattungswälder von 99 bzw. 100 Jahren nicht ausschließen, dass in den darauf folgenden Jahren noch eine Verlagerung von Schwermetallen oder von Schadstoffen allgemein stattfinden kann, so dass dort noch weiterer Forschungsbedarf bestand, um sicherzustellen, dass die Schadstoffe nicht in Schutzgüter wie das Trinkwasser gelangen oder den Pfad über die Pflanze nehmen können."

Verrottbare Urnen und Aschekapseln

Wie lange es dauert, bis die Totenasche aus der Urne in Kontakt mit dem Waldboden kommt, hängt vom Material der Urnenkapsel ab. Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur:   

"Gerade durch die Naturbestattungen ist es sehr verbreitet mittlerweile, dass die Asche in verrottbare Behältnisse gefüllt werden muss. Die klassische Urnenkapsel war immer aus Metall, was teilweise über Jahrzehnte nicht verrottet im Boden. In den Bestattungswäldern soll bis auf wenige Ausnahmen das Material verrottbar sein. Das hat zur Folge, dass die Asche schneller mit dem Boden in Kontakt kommt, was Forschungsbedarf hervorruft." 

Im Zusammenhang mit dieser Diskussion hat auch ein Nachdenken über Urnenbeisetzungen auf Friedhöfen eingesetzt, erläutert Alexander Helbach.

Kontaminiertes Grundwasser?

Wobei auf den Friedhöfen in der Vergangenheit meistens Aschekapseln verwendet wurden, die nicht verrotten über die Jahrzehnte. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass jetzt auch immer mehr Friedhöfe auf verrottbaren Behältnissen bestehen. Meine Meinung ist, dass man sich in der Vergangenheit keine Gedanken darum gemacht hat und bisher keine Erkenntnisse darüber gewonnen hat, inwieweit das Grundwasser oder der Boden unter Friedhöfen wirklich kontaminiert wäre."

Seit dem vergangenen Jahr finden diese Untersuchungen also statt. Was die Forscher dabei im Blick haben, erklärt Johannes Haas.

"Da wäre zum einen entscheidend zum Beispiel der Grundwasserabstand, dass die Aschen eben nicht in das Wasser hineingelassen werden. Zum  anderen ist zu nennen der PH-Wert des Bodens. Entscheidend, zum dritten, ist auch der Humusgehalt. Das heißt, welchen Humusgehalt wir in den Böden vorfinden können."

Die Ergebnisse will das Umweltbundesamt im Herbst 2018 veröffentlichen.

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