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Betreuungsgeld ist in Skandinavien ein Flop

Ministerpräsident Stoltenberg möchte Betreuungsgeld ganz abschaffen

Von Tim Krohn

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg möchte das Betreuungsgeld abschaffen
Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg möchte das Betreuungsgeld abschaffen (picture alliance / dpa / Lise Aserud)

Norwegische Soziologen warnen, das Betreuungsgeld habe einen negativen Einfluss auf die Gleichberechtigung und halte vor allem die Zuwanderer davon ab, ihre Kinder in die Kita zu schicken. Auch in Finnland und Schweden wollen immer weniger das staatliche Geld.

Ingrid Solbjörg Bertelsen will es anders machen. Anders als ihre Nachbarn und vor allem anders, als es Norwegens rot-grüne Regierung möchte. Ingrid will einfach nur Hausfrau und Mutter sein - zumindest so lange, bis ihr kleiner Sohn Elias drei Jahre alt ist.

"Ich finde es falsch, kleine Kinder in die Kita zu schicken. Das ist eine Aufbewahrungsstelle. Auch wenn es da sehr tüchtige Pädagogen gibt, so ist es trotzdem nichts für die Kinder. Das wird nur für die Gesellschaft gemacht. Ich finde, dass Kinder nichts in der Kita zu suchen haben, bevor sie zwei oder drei Jahre alt sind."

Mütter wie Ingrid haben inzwischen ein Problem in Norwegen. Denn das Betreuungsgeld für ihren Elias ist abgeschafft. Im August war Schluss. Die Regierung in Oslo hatte die Nase voll. Der zuständige Minister Lysbakken von den Linkssozialisten zog die Konsequenzen aus der immer weiter sinkenden Zahl der Empfänger.

"Wir schaffen das Betreuungsgeld für Zweijährige ab und erhöhen gleichzeitig den Zuschuss für die Einjährigen, für die zwischen 13 und 18 Monaten, auf fünftausend Kronen pro Monat."

Wer also sein Kind zu Hause behält im reichen Norwegen, bekommt jetzt umgerechnet gut 680 Euro im Monat. Allerdings nur für die ersten anderthalb Jahre. Lysbakkens Signal ist unmissverständlich. Die Eltern sollten bitteschön schnell zurück ins Arbeitsleben. Das .... und nur das ... sei das einzig Richtige für die Gesellschaft.

"Das Betreuungsgeld hat die Gleichstellung in Norwegen gebremst und die Frauen vom Arbeitsleben fern gehalten. Und es hat diejenigen Kinder von der Kita ausgeschlossen, die sie am allermeisten benötigt hätten."

Die Zahlen scheinen Lysbakken Recht zu geben. Denn die meisten Eltern in Norwegen hatten sich ohnehin längst gegen die Unterstützung entschieden. Nur noch ein Viertel aller bezugsberechtigten Eltern hatten im vergangenen Jahr das Betreuungsgeld beantragt. Die meisten entschieden sich für Job und Kita. Übrig blieben vor allem diejenigen, die am Arbeitsmarkt ohnehin Probleme haben. 84 Prozent aller Betreuungsgeldempfänger waren Frauen, die meisten von ihnen Migrantinnen aus Asien oder Afrika. Das Betreuungsgeld, warnen Norwegens Soziologen, habe einen negativen Einfluss auf die Gleichberechtigung und halte vor allem die Zuwanderer davon ab, ihre Kinder in die Kita zu schicken.

Nach 14 Jahren Betreuungsgeld ist jetzt also erstmal Schluss damit.
Zumindest in Norwegen.

Nebenan in Schweden wird ähnlich heftig über den "Vardnadsbidrag" gestritten. Die Zahl der Empfänger liegt hier noch niedriger. Nur fünf Prozent aller berechtigten Eltern wollen das Betreuungsgeld haben, immerhin rund 350 Euro netto jeden Monat. Fast alle schicken die Kleinen in die Kita und gehen wieder arbeiten. Einfach nur Mutter sein, wie Ingrid aus Norwegen das macht, das ist für die meisten hier der pure Luxus.

Ganz ähnlich sieht man das auch in Finnland. Hier gibt es das Betreuungsgeld schon seit einem Viertel Jahrhundert und immerhin gut die Hälfte aller Eltern mit Kindern unter drei Jahren greift zu. Mit echter Wahlfreiheit hat das allerdings nur selten zu tun. Oft fehlt entweder der Kitaplatz oder der Job für die Mutter.

Kann das aber ein Grund sein, alles gleich ganz zu streichen wie in Norwegen?
Arild Hareide von der christlichen Volkspartei in Oslo ist entsetzt.

"Das ist wohl der dramatischste Angriff der Regierung auf die Wahlmöglichkeiten der Familien. Ich bedaure das sehr. Denn ich glaube nicht, dass es gut sein kann, die Wohlfahrtsleistungen für Familien mit Kleinkindern einfach abzubauen."

Ingrid, die einfach nur Hausfrau sein will, sieht es genauso. Dass sie sich drei Jahre lang selbst um ihren kleinen Elias kümmert – ohne ihren gut verdienenden Mann, sagt sie, wäre das mittlerweile gar nicht möglich.

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