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StartseiteCampus & KarriereSchule soll spannender werden05.12.2013

BildungspolitikSchule soll spannender werden

Das bayerische Forum Bildungspolitik, ein Zusammenschluss von Lehrer-, Schüler- und Elternvertretern, setzt sich für mehr Chancengleichheit im Bildungswesen ein. Als Abschluss seiner Kampagne "Bildungsflash" haben die Aktivisten ihre Forderungen im Bildungsausschuss des bayerischen Landtags vorgebracht.

Von Lisa Weiß

Schüler in Bayern wollen mehr Mitbestimmung (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)
Schüler in Bayern wollen mehr Mitbestimmung (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)

Er ist ein großer, ein massiger Mann - Martin Güll von der SPD, der Vorsitzende des Bildungsausschusses. Der kleine knallpinke Grundschul-Schulranzen verschwindet fast zwischen seinen riesigen Händen. Aber der Inhalt, 150 Postkarten von Schülern und Lehrern mit Wünschen wie: "Schule soll spannender werden", der wird nicht untergehen, verspricht Martin Güll:

"Vielen herzlichen Dank für die vielen guten Ideen, die hier drinstecken werden, hier gibt es großes Einverständnis und Einvernehmen im Bildungsausschuss, dass wir an der Bildungslandschaft immer weiter die Verbesserungen machen müssen, die notwendig sind."

Neben ihm aufgereiht: die anderen bildungspolitischen Sprecher der Fraktionen. Gerhard Waschler von der CSU nutzt die Gelegenheit und lobt gleich mal die Arbeit seiner Partei - die ist in Bayern allein an der Regierung:

"Mich freut es natürlich ganz besonders, dass wir schon zeigen konnten, dass eine ganze Menge hier auf diesem Weg erreicht wurde."

Schöne Worte der Politiker. Aber die reichen den unzufriedenen Schülern nicht - sie wollen als Persönlichkeiten wahrgenommen werden, sagt Veronika Vogel von "Wir sind viele", dem Schülerableger der Kampagne.

"Also, Sie sehen es ja hier, es sind ganz viele weise Politiker da, aber die Schüler haben im Endeffekt kein Mitspracherecht, wenn's um ihre Schule geht und auch wenig Gestaltungsmöglichkeiten, das so einzurichten und so zu lernen, wie sie gerne hätten."

Deswegen haben über 100 Schüler im Juli in München für mehr Mitbestimmung demonstriert. Das Thema bewegt offenbar noch viel mehr Jugendliche: Die Facebook-Seite von "Wir sind viele" hat jedenfalls über 1500 Unterstützer. Und auch die Erwachsenen sind in den letzten Monaten nicht untätig geblieben, sagt Julia Pollert, Geschäftsführerin der unabhängigen Stiftung "Gesellschaft macht Schule". Man habe zum Beispiel den Landtagswahlkampf in Bayern kritisch begleitet und einen Film über die Kampagne produziert.

"Wir haben uns zusammengeschlossen mit über 40 Partnern, die die Kampagne unterstützt haben, und haben im Laufe dieses halben Dreivierteljahres über 35.000 Stimmen gesammelt, die sich eben für eine bessere, gerechte Bildung einsetzen."

Ruhige Reformen, keine Reformruhe

Für Klaus Wenzel, Sprecher des Forums Bildungspolitik geht das am besten mit gebundenen Ganztagsschulen, in denen sich Unterricht und Pausen abwechseln. Von denen gibt es in Bayern aber immer noch sehr wenige. Und wie sieht's mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium aus, die nach vielen schlechten Erfahrungen mit dem G8 jetzt sogar der Gymnasiallehrerverband fordert? Da will sich Wenzel lieber nicht festlegen.

"Ob das in acht oder neun oder zehn Jahren bewerkstelligt wird, das muss man überprüfen. Aber wichtig ist, dass wir innerhalb der Gymnasien in Bayern wieder einen anspruchsvollen Lern- und Leistungsbegriff bekommen und nicht nur dieses abmessbare und abfragbare Wissen eine Rolle spielt."

Es brauche ruhige Reformen, keine Reformruhe, sagt Wenzel. Allerdings: große Reformen - die haben Ministerpräsident Horst Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle sowieso schon ausgeschlossen. Zurück zum G8 - das lehnen die beiden ab. Ruhe und Verlässlichkeit brauche die Bildungspolitik, sagte der Kultusminister letzte Woche. Ob gegen so viel Entschlossenheit ein pinker Schulranzen mit Postkarten, ein Unterschriftenpaket und ein Film etwas ausrichten können? Die Vertreter des Forums Bildungspolitik hoffen es jedenfalls.

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