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StartseiteVerbrauchertippDie Extrazeit fürs Lernen26.01.2017

BildungsurlaubDie Extrazeit fürs Lernen

In fast allen Bundesländern – außer in Bayern und in Sachsen – können Arbeitnehmer fünf Tage pro Jahr Bildungsurlaub nehmen. Der Anspruch darauf ist gesetzlich verbrieft, trotzdem nehmen ihn nur etwa zwei Prozent der Arbeitnehmer wahr. Dabei ist das Prozedere ziemlich einfach.

Von Jörg Stroisch

(picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
Der Arbeitnehmer darf selber entscheiden, was er lernen will. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
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Der Englischsprachkurs, die Weiterbildung in Webtechnologien oder Diskussionen über aktuelle politische Themen: Bildungsurlaubsangebote gibt es zu sehr vielen unterschiedlichen Themen. Urlaub auf Kosten des Arbeitgebers ist der Bildungsurlaub allerdings nicht, beschreibt Manfred Kubik vom DGB-Bildungswerk in Hattingen:

"Freizeit durch die Hintertür ist Bildungsurlaub nicht. Es ist auch mit Konzentration, mit Anstrengung, hoffentlich auch mit Freude verbunden."

"Ich entscheide, was ich lernen möchte"

Bildungsurlaub ist Ländersache und im Detail sehr unterschiedlich geregelt. Nur in Bayern und Sachsen gibt es keinen Anspruch. In allen anderen Bundesländern stehen pro Jahr fünf Tage zur Verfügung. Es ist ein unselbstständiges Beschäftigungsverhältnis notwendig und manchmal auch eine bestimmte Betriebsgröße. Und oftmals muss das Angebot auch für das Bundesland zertifiziert sein. Großartig seinen Chef um Erlaubnis bitten, muss der Arbeitnehmer nicht, beschreibt Kubik:

"Nun ist es Kennzeichen des Bildungsurlaubs, dass es um einen individuellen Bildungsanspruch geht. Ich entscheide, was ich lernen möchte. Das heißt, jeder Träger muss seine Bildungsurlaubsangebote beim Ministerium genehmigen lassen. Sind sie aber dann genehmigt, muss ich ihn nicht noch mal genehmigen lassen durch den Arbeitgeber. Und dann gibt es Möglichkeiten des Arbeitgebers, zu sagen: Das passt mir aber nicht. Und zwar gibt es berechtigte Gründe, dies abzulehnen. Und diese berechtigten Gründe wären beispielsweise, ich brauche dich in der Zeit."

Seminare sollten zertifiziert sein

Allerdings verfällt dann der Bildungsurlaub nicht, sondern er kann dann später genommen und gebündelt werden. Vom Prinzip her gilt dabei: Der Betrieb zahlt die Bildungsurlaubstage wie normalen Urlaub aus, der Arbeitnehmer muss aber die Seminarkosten selbst übernehmen. Beide investieren also.

Sinnvoll ist es da allemal, dass auch die Qualität von Seminar und Anbieter stimmen. Gut ist zum Beispiel, wenn er zertifiziert ist. Aber auch so gibt es Indizien für schwarze Schafe, beschreibt Ingrid Ambos vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung:

"Ein Kriterium ist schon, unzureichende Informationen. Also, wenn nicht klar ist, mit welchen Dozenten wird da gearbeitet. Was für eine Qualifikation bringen die mit? Wenn ich keine Hinweise finde über die Ausstattung, beispielsweise. Dass es einem potenziellen Interessenten schwer gemacht wird, überhaupt Informationen einzuholen."

Vielfältiges Angebot

Die Angebote sind zeitlich und finanziell sehr vielfältig. Ein Seminar für fünf Tage inklusive Vollpension kann 150 Euro kosten oder auch über 1.000 Euro. Und natürlich gibt es auch sehr viele Angebote, die direkt vor Ort und ohne Übernachtung genutzt werden können. Der Arbeitnehmer sollte sich auch deshalb sehr bewusst mit diesen Möglichkeiten und auch mit seinem bevorzugten Lernstil auseinandersetzen, sag Ingrid Ambos:

"Bildung ist Ko-Produktion, keine Dienstleistung, wo Sie ein Produkt erwerben. Das heißt, der Eigenbeitrag ist in der Bildung ganz zentrale Voraussetzung für den Nutzen."

Dann kann ja die Anmeldung beginnen; gerade zum Jahreswechsel stellen immer mehr Anbieter ihre Angebote vor. Eine gute Übersicht über die in verschiedenen Bundesländern möglichen Bildungsurlaubsangebote bietet zum Beispiel die Website www.bildungsurlaub.de.

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