• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteUmwelt und VerbraucherUmweltverschmutzung und ein blutiges Geheimnis17.04.2014

Billige Kohle aus KolumbienUmweltverschmutzung und ein blutiges Geheimnis

Die größte Kohlemine der Welt liegt in Kolumbien und prägt das Gesicht einer ganzen Region. Schwarz und staubig ist die Luft. Das ist der Preis, den Arbeitskräfte und Bevölkerung dafür zu zahlen haben, dass auch deutsche Kraftwerke günstig Strom produzieren können.

Von Peter Kreysler

Ein Minenarbeiter in Kolumbien verlässt eine Kohlemine, in der er mehrere Stunden lang gefangen war ( AFP / Luis Robayo)
Ein Minenarbeiter in Kolumbien - ein schmutziges Geschäft ( AFP / Luis Robayo)
Weiterführende Information

Umweltschädliche Kohle aus Kolumbien (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 29.01.2013)

"50 Prozent unserer Bevölkerung hat wegen der Staubbelastung Krankheiten der Atemwege. Das wurde in einer Gesundheitsuntersuchung von 2011 festgestellt. Die Luftverschmutzung stammt von den Kohleminen, sie ist so schlimm, dass erstmals die kolumbianischen Umweltbehörden angeordnet haben, die Dörfer nahe der Glencore-Minen umsiedeln zu lassen."

Gloria Holguin von der Nichtregierungsorganisation PAS vergleicht die Gegend von Cesar im Norden Kolumbiens mit einer schwarzen Mondlandschaft. Nur 100 Kilometer davon entfernt, in El Cerrejón, liegt die größte Kohlemine der Welt. Hier frisst sich der Tagebergbau sogar auf 69.000 Hektar in die Landschaft. In Kolumbien wird die Steinkohle einfach aus dem Boden gesprengt und mit Muldenlastern abtransportiert. Das verursacht gefährliche Staubwolken, die noch meilenweit zu sehen sind und überall auf die Menschen niederrieseln.

In Kolumbien wird die Steinkohle im günstigen Tagebau gefördert. Das spart Geld: 20 bis 40 Euro kostet die Tonne, in Deutschland sind es 140 Euro; kein Wunder, dass für deutsche Kohlekraftwerksbetreiber die kolumbianische Kohle so attraktiv ist. Seit 2011 wuchs der Abbau von Steinkohle um 30 Prozent, so Marianne Moore von der internationalen Friedensorganisation Pax. Die Aufgabe der Holländerin ist es eigentlich die seelischen Wunden von Bürgerkriegsopfern zu heilen. In Kolumbien kämpften die Regierung, teils unterstützt von paramilitärischen Gruppen, und die FARC-Guerilla jahrelang gegeneinander. Ihre Arbeit führte Marianne Moore in die kolumbianische Kohleregion Cesar.

"Pax wurde vor drei Jahren von traumatisierten Opfern des Bürgerkriegs gebeten, eine Untersuchung zu machen. Die Menschen hier waren sich ganz sicher, dass die US-amerikanische Kohlefirma Drummond und die Prodeco Mine des Schweizer Konzerns Glencore an der brutalen Gewaltanwendung gegen die Zivilbevölkerung von 1996 bis 2006 beteiligt waren."

Guerillas von Minenbetreibern finanziert?

Moores jetzt vorliegender Bericht schlägt ein dunkles Kapitel der kolumbianischen Geschichte auf: Bis 2006 kämpfte die Autodefensas Unidas de Colombia, AUC, als Dachverband rechtsgerichteter paramilitärischer Gruppen gegen die Guerillabewegung. Bisher glaubte man, dass sie sich hauptsächlich durch den Kokainhandel finanzierte.

"Wir haben Aussagen von ehemaligen paramilitärischen Kommandanten der AUC, dass die Minenbetreiber Glencore und Drummond seit 1996 halfen, eine militärische Einheit aufzubauen, um die Minen vor Guerillagewalt zu sichern. Sie begannen 1996 mit 40 bis 60 Männern. 2006 war diese Gruppe auf eine kleine Privatarmee mit 600 Soldaten angewachsen."

Während Drummond auf Anfragen nicht reagierte, weist Glencore-Xstrata in einem Schreiben auf die fragwürdige Glaubwürdigkeit der Ex-Paramilitärs hin, auf die sich der vorläufige Pax-Bericht als Zeugen bezieht. Der jetzige Vorstandsvorsitzende von Glencore-Xstrata, Ivan Glasenberg, übernahm ab 1991 den Konzernbereich Kohle.

"Mr. Glasenberg sagte mir in einem Interview: Ich wette meine gesamten Glencore- Aktien darauf, dass Sie nicht die Spur eines Beweises finden, dass Glencore Zahlungen an Paramilitärs geleistet hat. Ich antwortete: Natürlich würde ich diese nicht finden: Erstens habe ich keinen Zugang zur Glencore-Buchhaltung und zweitens wurden die Zahlungen, wie ich ja bereits erklärt habe, so geleistet, dass sie nicht nachzuverfolgen sind."

Der deutsche Energieversorger RWE, der einen beträchtlichen Anteil Kohle zum Betrieb seiner Kraftwerke aus Kolumbien bezieht, will vorläufig nicht mehr bei Drummond kaufen, so der RWE Vorstandsvorsitzende Peter Terium.

"Man muss wohl auch sagen, dass die Firma Drummond, obwohl sie unter Verdacht steht, noch nirgendwo rechtskräftig verurteilt worden ist. Wir haben nichtsdestotrotz die Bezüge von Drummond erst mal eingestellt und haben uns intensiv mit Drummond unterhalten. Es sind jetzt auch deutliche Verbesserungsvorschläge auf den Weg gebracht. Die werden geprüft und wenn ein Maßnahmenkatalog auf den Weg gebracht ist, würden wir mit Drummond auch wieder Geschäfte aufnehmen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk