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StartseiteUmwelt und VerbraucherBiobranche will Betrug erschweren10.01.2011

Biobranche will Betrug erschweren

Neues Zertifizierungssystem online

Der Skandal um Dioxin im Tierfutter hat es wieder einmal gezeigt: Fleisch- und Eier-Produzenten sind auf die Zuverlässigkeit ihrer Futter-Lieferanten angewiesen. Für Bio-Ware gilt das ganz besonders. Neun Öko-Kontrollstellten und der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft wollen mit Hilfe des Internets Schlupflöcher für Betrüger schließen.

Von Anke Petermann

Ziel der Kontrollplattform bioC: Wo Öko draufsteht, soll auch Öko drin sein (dpa)
Ziel der Kontrollplattform bioC: Wo Öko draufsteht, soll auch Öko drin sein (dpa)

Der Dachverband der ökologischen Lebensmittelwirtschaft und neun Öko-Kontrollstellen sind als Gesellschafter bei dem bislang privat betriebenen Online-Verzeichnis der zertifizierten Öko-Landbau-Unternehmen eingestiegen. Damit holen sie die existierende Internetplattform "bioC" aus der Nische.

Das Ziel ist ein branchenweites elektronisches Benachrichtigungssystem, das jeden Bio-Produzenten und -Händler sofort informiert, wenn ein Lieferant sein Öko-Zertifikat verliert, weil er den Prüfkriterien nicht mehr gerecht wird. Rolf Mäder, Geschäftsführer der neuen bioC GmbH, gibt als Beispiel den sächsischen Bioland-Hof Heiko Müller ein.

"Da ist also Name Adresse, dann die Kontrollnummer, und dann ist hier aufgelistet, was er ökologisch anbaut, was für Produkte: Er hat Futtermittel, Grünland, Geflügel, Eier. Und hier Datum der Aktualisierung , das heißt, dieser Datensatz wurde heute aktualisiert, der ist tagesaktuell, also wenn der gestern dezertifiziert worden wäre, wäre er heute nicht mehr in der Datenbank drin gewesen."

Ein Nudel-Hersteller oder Einzelhändler, der die Eier dieses Erzeugers bezieht, hat damit größtmögliche Sicherheit, dass Öko drin ist, wo Öko draufsteht. Die herkömmlichen Papier-Zertifikate können dagegen missbraucht werden. So hat ein italienischer Schweinefleischlieferant dem deutschen Einzelhandel konventionelles Fleisch als Ökoware untergejubelt. Er betrog mit Kopien des Zertifikats, das ihm entzogen worden war. Als der Betrug aufflog, war das Gros des teuer verkauften Billigfleischs schon verspeist. Zu den Betrugsopfern gehörte die Handelskette tegut. Das hessische Familienunternehmen setzt sich dafür ein, die Internetplattform so auszuweiten, dass Zertifikatsbetrug erschwert wird. Andreas Swoboda von der Geschäftsleitung in Fulda kommentiert die mögliche Funktion von bioC am Telefon so:

"Den Betrug würde sie nicht verhindern können, denn Betrug ist auch durch die beste Datenbank nicht zu minimieren, aber sie würde verhindern, dass die Ware beim Endverbraucher landet."

Das Problem allerdings: Bislang ist bioC noch keine internationale Plattform, italienische Kontrollstellen sind noch nicht im Boot, immerhin machen zwei österreichische als Gesellschafter mit, eine niederländische liefert ihre Daten zu. Ein gravierendes Manko des Verzeichnisses ist aber, dass nur die Hälfte der rund 20 deutschen Kontrollstellen mitmacht. Deshalb will die Handelskette tegut das kostenpflichtige Benachrichtigungssystem von BioC vorerst nicht in Anspruch nehmen, auch wenn sie sich von Anfang an für das Verzeichnis eingesetzt hat. Aber:

"Es kann für mich als Händler mit unserer Breite an Produkten wirklich erst ein System sein, was mir Sicherheit bietet, wenn im Grunde alle Kontrollstellen, natürlich im ersten Schritt die deutschen, da mitmachen. Denn sonst ist es nur ein Teilsystem, und das bringt mit noch nicht den erhofften Erfolg, also, unser Wunsch wenn nicht gar unsere Forderung ist klar: Es muss eine Branchen-Lösung werden, das heißt die Kontrollstellen müssen sich unisono zum System bekennen."

Jeder Einzelhändler solle seine Öko-Kontrollstellen drängeln, der bioC-Plattform beizutreten, meint Swoboda. Denn ein flächendeckendes Verzeichnis mache Bio-Produkte sicherer und die Öko-Branche insgesamt glaubwürdiger. Ohne eine europaweite Datenbank droht Bio-Unternehmen immer wieder Schaden durch Zertifikatsbetrug.

"Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass seine Rohware nicht öko-zertifiziert war, muss er im Prinzip den gesamten Waren-Bestand, der schon ausgeliefert war, wieder zurück rufen. Das kann natürlich einen großen direkten finanziellen Schaden für das Unternehmen bedeuten."

Außerdem leidet mit jedem Betrugsfall das Verbraucher-Vertrauen in den Öko-Sektor. Noch steht das umfassende Online-Zertifikats-Verzeichnis aus. Doch den ersten Schritt hat die Bio-Branche getan.

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