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StartseiteUmwelt und VerbraucherAus Mist werde Strom31.12.2013

BiogasAus Mist werde Strom

Die Energiepflanze Mais spielt eine immer bedeutendere Rolle bei der Ökostromproduktion. Doch große Mais-Monokulturen lassen die Natur verarmen, vor einer "Vermaisung" der Landschaft warnen Naturschützer. Forscher an der Uni Hamburg arbeiten daran, Mais zu ersetzen - durch Pferdemist.

Von Alexandra Wrann

Pferdeäpfel auf einem Weg (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Bisweilen liegt der Strom auf der Straße (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
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"Ganz wichtig ist, dass wir heute alle Kleinigkeiten, die schief laufen, die man theoretisch besser oder anders machen könnte, danach auf dem Papier hat." In schwarzen Jeans und robusten Wanderschuhen steht Saskia Oldenburg neben einem überdimensionalen Becken aus Edelstahl und gibt letzte Anweisungen an ihr Team.

Die 29-Jährige ist Diplom-Ingenieurin für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Hamburg. Mit ihren Kollegen testet sie heute einen selbst entwickelten Prototyp, mit dem Energie aus Pferdemist gewonnen werden kann. Ein Jahr lang haben die Forscher an ihrem Aggregat gearbeitet. Entsprechend groß ist die Aufregung: "Es ist für uns alle super-spannend. Wir sind alle aufgeregt, wir sind alle neugierig, wir hoffen alle darauf, dass es funktioniert. Und nicht nur ich steh hier mit großen Augen, sondern auch alle Studenten, die wirklich neugierig sind, ob das Stroh oben raus und der Sand unten raus kommt."

Genau das nämlich soll das Aggregat leisten: Den Pferdemist von Stroh und anderen Fremdstoffen, wie Sand, Steinen, alten Hufeisen befreien, damit nur die reine Masse aus Pferdekot und Wasser übrigbleibt – das Energie-Substrat für die Biogasanlage.

Das Besondere: Das Modul kann an so gut jeder der derzeit rund 7500 Biogasanlagen in Deutschland angeschlossen werden: "Das Aufbereitungsaggregat ist ganz genau für konventionelle Techniken konstruiert. Wir brauchen keine zusätzlichen Leitungen, wir brauchen kein zusätzliches Know-how es wird in einem Stück geliefert, wird dann an die vorhandenen Leitungen an der Biogasanlage angeschlossen und der Biogasanlagenbetreiber muss nichts anderes machen, als den Pferdemist reinzugeben und auf Start zu drücken. Das ist zumindest unsere Wunschvorstellung."

Ein kleiner Druckluftkompressor neben dem Becken springt an. Die Ingenieurin gibt das Startsignal für den Versuch. "Geht los! Uhrzeit! Los!"

Gemeinsam mit einer Studentin kippt sie säckeweise Pferdemist in das Becken, das bis oben mit Wasser gefüllt ist. Ständig fließt von der Vorderseite Wasser nach. Die so entstehende Längsströmung soll das Gemisch aus Pferdeäpfeln, Stroh und Einstreu durch die vier Meter lange Wanne treiben. Mehrere Belüftungsschläuche pusten zusätzlich von der Längsseite her Druckluft in das Wasser. Dadurch wird die Masse verwirbelt, die Pferdeäpfel lösen sich auf, das Stroh schwimmt oben auf der Wasseroberfläche auf und wird am anderen Ende der Wanne von einer großen Rundbürste abgesammelt. Sand, Steine und Feststoffe setzen sich am Boden ab.

Schnell aber zeigt sich: Die Längsströmung ist zu schwach, das Stroh treibt zwar auf der Wasseroberfläche – doch bewegt sich die Masse nicht entlang des Beckens. Oldenburg bricht den Versuch vorerst ab. Enttäuscht ist die junge Wissenschaftlerin nicht. Stattdessen denkt sie gleich an die Optimierung: Eine weitere Druckluftleitung muss her, um eine stärkere Längsströmung zu erzeugen, damit die Masse wunschgemäß durch das Becken befördert wird.

Es gibt noch viel zu tun. Doch die Arbeit lohnt sich, davon ist Oldenburg überzeugt: Bis zu 15 Millionen Tonnen Pferdemist fallen in Deutschland pro Jahr an. Eine enorme Menge Biomasse, die im Gegensatz etwa zu Energie-Mais nicht extra angebaut werden muss. "Wir würden uns wünschen, dass wirklich vor der Hälfte oder vor einem Drittel der deutschen Biogasanlagen wirklich so ein Aggregat stehen könnte, weil wir insgesamt mit dem gesamten Potenzial von Pferdemist bis zu 30 Prozent Mais in Deutschland ersetzen könnten."

Bis es soweit ist, werden Oldenburg und ihre Kollegen noch einige Versuche im Labor vornehmen müssen. In einem Jahr, so planen die Forscher, soll das Modul erstmals an eine Biogasanlage angeschlossen werden.

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