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StartseiteUmwelt und VerbraucherBiolandbau als Antwort auf die Klimakrise02.12.2009

Biolandbau als Antwort auf die Klimakrise

Jahreskongress europäischer Ökolandwirte in Brüssel

Die Biobauern verkünden das Ende ihres Nischendaseins. Beim Ökobauerntreffen in Brüssel forderten die Landwirte selbstbewusst EU-Subventionen für jene Bauern, die durch ökologische Anbaumethoden aktiv Umwelt und Klima schützen.

Von Mirjam Stöckel

Biolandwirte verwenden vergleichsweise wenig Düngemittel und Pestizide. (AP)
Biolandwirte verwenden vergleichsweise wenig Düngemittel und Pestizide. (AP)

Nur einen Steinwurf entfernt von EU-Kommission, Ministerrat und Parlament: Der Veranstaltungsort für die Jahreskonferenz der europäischen Ökolandwirte ist bewusst gewählt – und das Ziel des Treffens eindeutig. Thomas Dosch, Präsident des Bioland-Verbandes:

"Wir wollen deutlich machen, wo der Ökolandbau steht. Und das Ganze natürlich gezielt auch in Brüssel. Hier geht es vor allem darum, der Politik klare Signale zu zeigen, zu welchen Leistungen der ökologische Landbau fähig ist – insbesondere im Hinblick auf die neuen Herausforderungen."

Und dazu zählt – neben Boden- und Wasserschutz beispielsweise – vor allem der Kampf gegen den Klimawandel. Gerade in Sachen Treibhausgasemissionen seien die Biobauern vorbildlich, sagt Thomas Dosch.

"Es ist so, dass wissenschaftliche Studien ganz klar belegen, dass der Einsatz von fossilen Energien wesentlich weniger intensiv im ökologischen Landbau stattfindet, damit einhergehend auch weniger CO2, weniger Treibhausgase insgesamt emittiert werden. Die ökologische Landwirtschaft wäre ein gutes Instrument, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten."

Denn immerhin, so die Argumentation, verwendeten Biolandwirte vergleichsweise wenig Düngemittel und Pestizide, bei deren Herstellung viele Treibhausgase entstünden. Und sie verzichteten bei der Tierfütterung fast völlig auf Import-Soja, für das – klimaschädlich – ganze Regenwälder abgeholzt würden.

Durchaus selbstbewusst präsentiert sich die Branche also in Brüssel: Sie erklärt sich selbst zur Anbaumethode der Zukunft – und ihr langjähriges Nischendasein kurzerhand für beendet. Argumentationshilfe bekommt sie dabei aus der Wissenschaft. Die Politik müsse sich bewusst werden, welchen Beitrag die Bio-Bauern im Kampf gegen die Erderwärmung leisten könnten, sagt Urs Niggli, Leiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in der Schweiz.

"Ökolandbau hat ein enormes Lösungspotenzial, und wenn man das wecken will, dann muss man sehr viel mehr in die Forschung investieren und man muss die Rahmenbedingungen verbessern. Ich sehe die Förderung des Ökolandbaus auch in Zukunft als eine wichtige staatliche Aufgabe an, weil die gesellschaftlichen Vorteile, die öffentlichen Güter, die der Ökolandbau schaffen kann, sind ganz enorm."

Deshalb auch die Forderung der Biolandwirte an die politisch Verantwortlichen in Brüssel: In Zukunft müssen sich die EU-Subventionen weiter verlagern – hin zu jenen Bauern, die durch Bio-Anbaumethoden aktiv Umwelt und Klima schützen. Und weg von solchen, die weniger nachhaltig arbeiten.

Von dieser Sichtweise will der europäische Biobauern-Dachverband IFOAM jetzt auch den designierten neuen EU-Agrarkommissar, den Rumänen Dacian Ciolos, überzeugen. Und Verbandspräsident Christopher Stopes sieht gute Chancen dafür.

"Er hat sein Bekenntnis und sein Interesse für den Biolandbau unter Beweis gestellt, indem er schon als Student auf einem Biohof gearbeitet hat. Ich hoffe, dass wir da also auf eine positive Haltung stoßen. Wir hatten gute Beziehungen zu seinen Amtsvorgängern Fischer Boel und Fischler und jetzt freuen wir uns darauf, diese Beziehung positiv weiterzuentwickeln."

Dass die europäische Landwirtschaft ohne die Biobauern mittlerweile gar nicht mehr denkbar ist, zeigen die Zahlen, die bei der Konferenz veröffentlicht wurden: Rund 200.000 Ökolandwirte gab es im vergangenen Jahr in ganz Europa. Ihr Umsatz belief sich auf 18 Milliarden Euro, der größte Teil davon in Deutschland. Und Finanzkrise hin oder her – die Perspektiven für Bioprodukte seien weiterhin gut, sagt Biolandpräsident Thomas Dosch.

"Es ist so, dass Biolebensmittel teurer sind. Das ist richtig. Wir haben aber heute schon eine Diversifizierung innerhalb der Biomärkte: Es gibt so was wie ein Billigbio, das auf Basis der EU-Mindeststandards praktiziert wird. Wir haben darüber hinaus Premiumbio nach höheren Standards von einzelnen Anbauverbänden. Auch das wird von den Verbrauchern toleriert und honoriert und da bin ich ganz zuversichtlich, dass sich dieser Trend in Zukunft so fortsetzen wird."

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