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StartseiteDeutschland heuteWaschen wie bei Mutti11.04.2016

Biowäscherei "Frisch und Luft"Waschen wie bei Mutti

Bio, Bohemian und Biedermeier, dieses Image hat der Prenzlauer Berg in Berlin schon einige Jahre. Kein Wunder, dass "Frisch und Luft", die Bio-Wäscherei mit Lufttrocknung, gerade dort eröffnet hat. Nur: Die dreckige Wäsche wird in Brandenburg gewaschen und getrocknet. Aber mit dem Auto vom und zum Kunden gebracht. Die Öko-Bilanz gleich dafür das Bio-Waschmittel wieder aus.

Von Philip Banse

Wäsche hängt am Dienstag (03.01.2012) auf einer Leine unter dem blauen Himmel in Truilz bei Oberschwarzach (Landkreis Ravensburg) in der Sonne zum Trocknen.  (picture-alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)
Wäschetrocknen "wie früher", das bietet "Frisch und Luft" in Brandenburg an (picture-alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)

Juliana Bardolim und ihr Mann sind Künstler, leben mit ihren zwei Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin Friedrichshain, Studenten-Style. Gäste muss Juliana Bardolim jetzt immer ins Schlafzimmer führen, da wo ihr die Idee kam, nachts.

"Es war so warm, eigentlich heißt und die Luft konnte nicht durchkommen, weil hier hängt dieses Bettlaken."

Da vor dem offenen Fenster, das Bettlaken, trocknend, riesig.

"Na, hier, weil es gibt keinen Platz mehr! Zum Trocknen. Und der Geruch vom Waschmittel kommt hier ins Zimmer."

Und dann hat's ihr gereicht. Es musste doch eine Firma geben, die Wäsche abholt und trocknet. Gibt es natürlich, aber nicht an der frischen Luft:

"Ich war fasziniert von dieser Idee, draußen zu trocknen. Das war bei mir wie in Kindertraum. Das ist ein tierischer Unterschied zwischen der Wäsche, die draußen getrocknet wurde und zu Hause. Sie riecht anders. Sie riecht anders. Sie ist nicht feucht, sie hat diesen... Pffffff.!

Juliana Bardolim und ihr Mann sind Künstler, verdienen wenig Geld, wollen aber nicht sich verkaufen, lieber etwas anderes.

"Wir hatten 1000 von Ideen. Schwimmende Sauna bis banal ein Kinder-Café oder so was. "

Und dann kam die Geschichte mit dem Bettlaken Juliana Bardolim war klar:

"Jetzt machen wir das."

Hell, sauber, saniert in Brandenburg

"Frisch und Luft", die Bio-Wäscherei mit Lufttrocknung. Webseite aufgesetzt, Logos entworfen, Wäscherei gesucht und gefunden. 27 Kilometer entfernt, draußen in Brandenburg.

"Ah! Unsere Wäscherei. Wie sieht Wäscherei aus?"

Das wollte ich auch gerade fragen.

"Unter Wäscherei versteht man irgendwelche dunklen, feuchten Keller, ja, und die armen Frauen, wirklich Charles Dickens, solche Bilder aus dem 19. Jahrhundert, London und alles schlimm. Nein."

Ihre Wäscherei in Brandenburg ist anders.  

"Es ist hell, sauber, trocken, saniert."

Ist es perfekt?

"Es ist perfekt, es ist ideal, sonnig durchgeleuchtet und es macht Spaß, einfach da zu sein."

Auf Fotos ist ein Flachbau, zwei Waschmaschinen, acht Quadratmeter Bügeltisch, Blick in den großen Garten.

"Hier hinter dem Zaun fängt Gossener Naturschutzgebiet..."

Die Wäscheleinen im Garten hat ihr Mann überdacht.

"So sieht das aus, das war im Herbst. Jetzt habe ich schon die hölzernen Wäscheklammern."

Bester Freund: der Wind

Vermieter und Nachbarn auf dem Land waren erst, naja, skeptisch.

"Sie haben erst ein bisschen, hmmmm, Vögel gezeigt."

Aber die beiden Lufttrockner sind nett, finden schnell Freunde:

"Der Wind ist unser bester Freund, viel besser Sonne. Sonne ist die zweitbeste Freundin, aber der Wind ist der Herr bei uns. Und da haben wir Wind ohne Ende.

Kundenstamm noch etwas klein

Kunden gibt es noch nicht so viele. 30-35 bisher. Aber es geht ja erst los. Aber es gibt Grenzen. Strümpfe? Unterhosen?

"Zu intim, also irgendwie, nein."

"Frisch und Luft" nimmt nur: "Bettwäsche, Handtücher und Gardinen."

So etwas zieht Medien an, SAT1 Frühstücksfernsehen zum Beispiel. Die "Berliner Morgenpost" titelt: "Der Berliner Bio-Wahn geht weiter".

"Wir gehören nicht zu den Bio-Fanatikern. Wir waschen mit Biowaschmittel. Ich kann nicht kämpfen, wenn die Leute sagen, Bio-Mafia. Ich kann nicht jeden einladen in die Wohnung, um zu zeigen, es gibt wirklich keinen Platz, kein Balkon, kein Licht Hinterhof. Es geht wirklich um solche Familien wie wir. Und die Preise sind niedrig. Ich habe wirklich ausgerechnet, was kann ich selbst dafür zahlen?"

Ganz ist natürlich ein großer Fehler, 15 Euro für einen Wäschekorb. Abholen, Waschen, Trocknen, an der Luft!!!, zurückbringen. Ist doch klar, dass die Kundschaft mosert.

"Manchmal die Leute im Prenzlauer Berg sagen, ihr seid zu billig. Aber ok, ich finde die Preise sind ok."

Diese SAT1-Menschen stört etwas anderes.

"Wenn ich Wäsche zu lange draußen aufhänge, dann riecht die auch immer so."
"Ich finde, das riecht, weißt du wie das riecht? Es riecht als hätte man mit dem Badehandtuch zwei Tage am Strand gelegen und dann lässt man so auf dem Balkon trockenen."
"Das riecht gut, das riecht nach Tier."
"Das riecht nach Pferd."
"Was?!"

Sat1 - Kommentar:

"Diese Wäsche, die da getestet wurde, die war nur 40 Minuten draußen oder eine Stunde.

Die Fernsehmenschen hatten keine Zeit. Bis zum vollen Frischluft-Duft braucht es wie lange?

"Bei solchem Wetter wie gestern? Zwei, drei Stunden. Wenn es richtig feucht ist, Nebel, November – drei Tage, würde ich sagen.

Ach, und so richtig Bio ist das ja hier auch alles nicht, mein Freund der Wind weint, weil dieser alte Mercedes 200, mit dem die Wäsche an die frische Luft gefahren wird, die Ökobilanz ruiniert:  

"Ja, das ist nicht so schön, aber was kann man machen? Die Möhren wachsen in Brandenburg auch besser als in Berlin."

Will sagen: Auch das ganze schöne Öko-Gemüse wird mit fossilen Verbrennungsmotoren zu den Hipstern gebracht. Aber dann fällt ihr doch eine Lösung ein, die Biowäscherei braucht...

"Einfach mehr Kunden. Das bedeutet, wir fahren einmal und wir haben das Auto voll."

Macht Sinn. Irgendwie. Und wenn dann noch mehr Kunden kommen? Und noch mehr?

"Dann versprechen wir wirklich, ganz ehrlich sage ich, wir versprechen: Unser nächster Kauf, auch wenn wir einen Kredit kriegen, wird ein Elektromobil. 100 Prozent versprochen."

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