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StartseiteKultur heute"Bis 32 Euro bei sehr schwieriger Literatur"17.01.2006

"Bis 32 Euro bei sehr schwieriger Literatur"

Übersetzer fordern angemessenes Honorar

Gerlinde Schermer-Rauwolf, Vorsitzende des Übersetzerverbands, fordert eine Bezahlung, von der man als Übersetzer auch leben kann. Neben einem angemessenen Seitenpreis seien auch eine Beteiligung am Verkauf und eine richtige Beteiligung an den Nebenrechten notwendig.

Moderation: Karin Fischer

Übersetzer bekommen momentan oft  ein Seitenhonorar von weniger als 20 Euro. (AP)
Übersetzer bekommen momentan oft ein Seitenhonorar von weniger als 20 Euro. (AP)

Karin Fischer: Seit 2001 ist bekannt, dass die Honorierung von Literatur-Übersetzern verbessert werden muss. Im Jahr 2002 wurde das entsprechende Gesetz, damals unter Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, SPD, verabschiedet, das ausdrücklich eine "angemessene Vergütung" der bislang unterbezahlten Übersetzerinnen und Übersetzern vorsieht und eine Art Erfolgsbeteiligung bei Bestsellern. Zu diesem Zeitpunkt wollten die Verleger sich noch gütlich mit ihren Übersetzern einigen; seither mussten über diese Angemessenheit allerdings öfter die Gerichte entscheiden. Letzte Woche, pünktlich zur Jahresversammlung des Publikumsverlage in München, sprach Michael Krüger vom Hanser-Verlag erstmals über Zahlen und darüber wie erhöhte Forderungen der Übersetzer das ganze Geschäft gefährdeten. Heute legen die Übersetzer nach. Gerlinde Schermer-Rauwolf ist erste Vorsitzende des Übersetzerverbands, Sie sagt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Rechnung von Michael Krüger vom Hanser Verlag sei falsch, und ich habe sie gefragt, wie Ihre Argumentation lautet?

Gerlinde Schermer-Rauwolf: Also, ich sage nicht, dass sie falsch ist, wenn man vom Status quo ausgeht. Aber, der Status quo ist ja auch zu ändern. Es ist so, man muss tatsächlich ein bisschen anders kalkulieren. Wenn die Übersetzer mehr bekommen, muss man sich natürlich überlegen, wo bekommt man diese Mehr an Geld her. Die Originalautoren haben zum Teil schwindelerregende Vorschüsse bekommen die letzten Jahre, gerade aus dem angloamerikanischen Bereich, da muss man sich überlegen, so ein Autor hat ein Interesse dran, auch in Deutschland verlegt zu werden, ob es nicht da eine Möglichkeit gibt zu sagen "tut uns leid, um die deutsche Stimme angemessen zu vergüten, müssen diese Vorschüsse reduziert werden". Ursprünglich waren diese Rechnungen auch so, dass Originalautoren weniger%e vom Nettoladenpreis bekommen haben, als deutschsprachige Autoren und diese Differenz für die Übersetzung eingerechnet war.

Fischer: Sie beklagen zum Beispiel, dass der Hanser Verlag mit den Umsätzen der Übersetzer rechnet und nicht mit deren Nettogehalt, rechnen aber weniger Zeilen später, in der heutigen Ausgabe der FAZ zum Beispiel, selber den Umsatz eines Verlegers, zum Beispiel bei Anna Gavalda, dass Besteller auf eine bis eineinhalb Millionen Euro hoch. Und damit sind wir bei einem wichtigen Stichwort und auch einem wichtigen Problem bei der ganzen Sache, das lautet Misch- oder Querfinanzierung. Vor allem die Publikumsverlage beharren ja darauf, sie bräuchten gerade diesen womöglich auch teuer eingekauften Bestseller um wichtige, aber nicht sonderlich gut verkäufliche Literatur so bis zu zweitausend verkaufter Exemplare finanzieren zu können. Und sie sagen, müssten wir angemessenere, höhere Übersetzerhonorare zahlen, wären viele Übersetzungen gar nicht mehr drin.

Schermer-Rauwolf: Also, zum einen, ich nenne deshalb den Umsatz des Hanser Verlages, weil er ja bedauerlicherweise überhaupt keine eigenen Zahlen auf den Tisch gelegt hat. Und habe das schlicht errechnet aus der Frage Nettoladenpreis, Buchhandelsrabatt und Verkaufszahlen. Natürlich sagen die Verlage, wir brauchen diese Misch- und Querfinanzierung, die brauchen wir auch als Übersetzer. Gerade wenn wir beteiligt sind, ist es ja so, wir bekommen ja nur dann wirklich mehr Geld, zumindest auch nach den jetzigen Urteilen, wenn sich so ein Buch bereits sehr gut verkauft hat. Und das andere ist, Herr Krüger sagt, bestimmte Sachen könnte er nicht mehr machen. Jetzt ist es so, wenn ich als Verlag einen Autor komplett verlege, dann lasse ich nicht ein Buch aus, bei dem ich mir keinen hohen Verkauf verspreche. Es gibt auch so Sachen, die kann man nicht einfach weglassen als Verleger. Also da bin ich ganz optimistisch, dass diese Bücher auch weiterhin gemacht werden. Viele Bücher werden auch für das Renommee gemacht. Da muss man sich vielleicht mal überlegen, ob das aus dem Werbeetat finanziert wird und nicht aus dem Honorartopf.

Fischer: Ganz konkret lautet eine ihrer Thesen, Übersetzer verdienen nur dann gut, wenn der Verlag auch schon sehr gut verdient hat. Vielleicht können sie das uns mal an einem konkreten Beispiel tatsächlich vorrechnen.

Schermer-Rauwolf: Ich übersetze normale Unterhaltungsliteratur. Da übersetze ich bei recht schlichter Unterhaltungsliteratur allerhöchstens sechs Seiten am Tag. Dafür bekomme ich, weil ich relativ gut honoriert werde im Vergleich, 18 Euro die Seite. Bei einem normalen Titel, mit einer normalen Verkaufzahlenerwartung müsste dieser Verlag unserer Vorstellung nach schon mehr zahlen als bisher. Aber über die Größenordnung, da sind wir verhandlungsbereit ...

Fischer ... heißt das ... 18 oder 23 Euro pro Seite statt 11 bis 13 [Euro]?

Schermer-Rauwolf: Unsere Vorstellungen gehen bis 32 Euro bei sehr schwieriger Literatur. Wir haben die Vorstellung , dass sich unser Einkommen in Stufen verdreifachen sollte auf Grundlage von drei Säulen, nämlich dieser Erhöhung dieses Seitenhonorars, einer Beteiligung am Verkauf und einer richtigen Beteiligung an den Nebenrechten. Und das muss sich summieren, das sind kommunizierende Röhren. Das heißt, je mehr Beteiligung garantiert ist, auch schon ab dem ersten Exemplar, desto niedriger kann der Seitenpreis angesetzt sein. Je höher die Nebenrechtsbeteiligung bei Hardcovertiteln, die relativ sicher weiter verwertet werden, desto mehr kann man da auch noch mal rumspielen. Also ich sage mal, wir haben da keine Festpreise gesetzt. Wir haben errechnet, was Möglichkeiten wären, für uns.

Fischer: Frau Schermer-Rauwolf, wie wichtig ist die Differenzierung zwischen "E" und "U" in der übersetzenden Zunft? Also zwischen der, wie sie sagen, anspruchsvollen Übersetzung und der etwas alltäglicheren?

Schermer-Rauwolf: Also zum einen ist es so, dass je schlichter die Sachen sind, die ich übersetze, desto besser verdiene ich. Obwohl die Seitenpreise dann ein wenig drunter liegen, aber diese zwei, drei, vier Euro, die es bei hochliterarischen Werken mehr gibt, machen nicht wett, dass man doch, ich schätze mal, das dreifache der Zeit an so einem Text sitzt.

Fischer: Wie gut stehen die Chancen, dass sie da zusammen mit den Verlegern auf einen gemeinsamen Nenner kommen?

Schermer-Rauwolf: Ich verspreche mir da schon einiges, weil, wir lieben alle Literatur, die Verleger und die Übersetzer, sonst würden wir nicht in diesem Metier arbeiten. Aber man muss natürlich Möglichkeiten eröffnen, dass die Menschen, die hier diese Literatur zugänglich machen, auch davon leben können, was sie beruflich tun.

Fischer: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Vorsitzende des Verbands deutschsprachiger Übersetzerinnen und Übersetzer war das im Gespräch.

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