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StartseiteInterview"Bisher gehen viel zu viele tumorbezogene Daten verloren"22.08.2012

"Bisher gehen viel zu viele tumorbezogene Daten verloren"

Nuklearmediziner begrüßt geplantes Krebsregister

Der Mediziner Wolfgang Mohnike hält die Pläne für ein nationales Krebsregister für richtig: Alles, was man aus Tumordaten lerne, müsse den Patienten und dem Sozialsystem zugutekommen.

Das Gespräch führte Jürgen Liminski

 Tumorzellen (Universität Münster)
Tumorzellen (Universität Münster)

Jürgen Liminski: Mitgehört hat Professor Wolfgang Mohnike, er ist Facharzt für Nuklearmedizin und Leiter eines Zentrums in Berlin für Früherkennung und seit ein paar Wochen auch für die anschließende Therapie von Krebsarten aller Art. Guten Morgen, Herr Mohnike.

Wolfgang Mohnike: Schönen guten Morgen, Herr Liminski.

Liminski: Herr Mohnike, was sagen Sie als Praktiker zu diesem Plan?

Mohnike: Das neue Krebsregister ist ja eigentlich gar nicht so neu. Es gab bereits seit 1952 ein nationales Krebsregister, seinerzeit in Ostdeutschland. Bis heute sind diese Daten ganz wichtig für alle demografischen Tumoraussagen. Insofern unterstütze ich das Wiederaufgreifen dieser Idee durch die Bundesregierung ganz ausdrücklich, wir brauchen so was.

Liminski: Sie sind seit mehr als 30 Jahren mit der Forschung und der Praxis im Kampf gegen Krebs vertraut, kämpfen sozusagen mit modernsten Mitteln gegen die Seuche. Kann dieser Plan die Wege verkürzen und somit auch Leben retten?

Mohnike: Ein ganz praktisches Beispiel: Ich persönlich bin ein Freund von kurzen Wegen. Bei uns im Haus, dem DTZ Berlin, landen alle Daten aus Diagnostik und Therapie in einem gemeinsamen Archiv. Ein Beispiel: Diagnostische Ergebnisse zum Beispiel aus CT oder ZMR, die beim Krebs die Darstellung im ganzen Körper signalisieren, werden in einem Archiv gesammelt, das direkt der Therapie, zum Beispiel der Strahlenbehandlung, zur Verfügung steht. Das heißt: keine Umwege, kein Datenverlust. Das Problem ist ja: Bisher gehen viel zu viele tumorbezogene Daten verloren, und dagegen müssen wir etwas tun.

Liminski: Und dieser Plan hilft in dieser Hinsicht?

Mohnike: Dieser Plan hilft in dieser Hinsicht, weil er das Bewusstsein dafür schärft, dass Tumordaten kein Eigentum von irgendwelchen medizinischen Einrichtungen sind, sondern der Volksgesundheit zugutekommen müssen. Wir benötigen eine gemeinsame Aktion, damit alles, was wir aus den Tumorkrankheiten lernen können, auch den Patienten und dem Sozialsystem zugutekommt.

Liminski: Ist die Forschung in Deutschland hier wirklich ganz vorne, wie Bundesgesundheitsminister Bahr sagt?

Mohnike: Auf jeden Fall gibt es in Deutschland eine gute strukturierte medizinische Forschung und Versorgung. Ob wir da wirklich ganz vorne sind, das finde ich immer ein bisschen schwierig zu sagen. Wichtig ist, dass wir uns bemühen, hier eine gemeinsame Linie zu finden, und insofern ist natürlich das Problem, solche Daten zu regionalisieren, wie es in unserem föderativen System üblich ist, eine gewisse Hürde. Das heißt, wir stehen uns damit anscheinend ein bisschen selber im Wege.

Liminski: Wolfgang Mohnike war das, Nuklearmediziner in Berlin und Pionier bei der Krebsbekämpfung. Besten Dank für das Gespräch, Herr Mohnike.

Mohnike: Bitte schön! Auf Wiederhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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