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Bitteres Geburtstagsgeschenk

Opel schenkt sich zum 150. Firmenjubiläum Kurzarbeit

Brigitte Scholtes, Büro Frankfurt

Um Opel wird es mal wieder düster.
Um Opel wird es mal wieder düster. (AP)

Kurzarbeit am Tag des 150. Jubiläums zu verkünden – das schafft auch nicht jedes Unternehmen. Aber die Entwicklung bei Opel ist schon seit Jahren nicht mehr mit normalen Maßstäben zu messen. Seit 20 Jahren ist der Autobauer in einer Abwärtsspirale gefangen und schafft es nicht, sich daraus dauerhaft zu lösen.

Das Instrument der Kurzarbeit ist dabei für die Mitarbeiter noch eine passable Nachricht. Denn ein Autohersteller, der im ersten Halbjahr mit jedem produzierten Auto 936 Euro Verlust einfährt, der muss handeln. Die Kosten durch Kahlschlag zu senken ist aber nicht nachhaltig. Soweit jedenfalls sind auch die Arbeitgeber inzwischen einsichtig. Der Betriebsrat kann also erst einmal aufatmen, denn die Mitarbeiter erhalten einen finanziellen Ausgleich für die Kurzarbeit, der die Einbußen nicht ganz so hart erscheinen lässt.

Kosten senken – das war lange Jahre das einzige Mittel, das der Opel-Geschäftsleitung, vor allem aber der amerikanischen Opel-Mutter General Motors eingefallen ist. Die Krise aber hat tiefer liegende Ursachen, an denen sich bis heute nicht viel geändert hat: Es mangelt in Detroit an Verständnis für das europäische Autogeschäft. In Deutschland und wohl auch in Europa lassen sich Autos nicht verkaufen, die nur Durchschnitt sind. Das war der erste Fehler, den Opel Anfang der neunziger Jahre begangen hatte. Das vergrätzte auch die bis dahin so treuen Opel-Kunden. Die Qualität stimmt zwar weitgehend wieder – aber Opel schafft es noch nicht, die junge Generation für seine Autos zu begeistern.

Das muss sich ändern, dazu muss aber auch die amerikanische Konzernmutter bereit sein. Doch auch die Opelaner müssen wohl Zugeständnisse machen. Sie haben immer schon ein Bewusstsein für die Traditionsmarke Opel gehabt. Den Opelanern müsste aber auch klar sein, dass sie als europäische Regionalmarke nicht viel ausrichten können. Ihre technische Leistung vor allem in der Entwicklung von Autos wird im Konzern zwar sehr geschätzt – nicht umsonst sind die 7000 Mitarbeiter des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim von der Kurzarbeit ausgenommen – aber diese Entwickler arbeiten eben auch für den Gesamtkonzern.

General Motors aber müsste bereit sein, den Wert der in Rüsselsheim entwickelten Fahrzeuge im gesamten Unternehmen öffentlich zu würdigen. Da fällt zurzeit einiges unter den Tisch, was eigentlich Opel zuzuschreiben wäre. Umgekehrt müsste es dann auch möglich sein, einen Opel oder Vauxhall außerhalb Europas anzubieten. Ob das unbedingt unter der Traditionsmarke Opel sein müsste, ist dabei eher zweitrangig. Vielleicht ist das das wesentliche Zugeständnis, zu dem die Opelaner bereit sein müssen. Das Vermächtnis des Firmengründers Adam Opel würden sie so sicher nicht missachten.



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