Mittwoch, 13.12.2017

Blackout

Morgen ist es zu spät

Die moderne Zivilisation ist auf Strom aufgebaut. Der Thriller von Marc Elsberg zeigt, was passiert, wenn dieses Fundament wegbricht. Eindrucksvoll macht dieses Buch unsere Abhängigkeit vom elektrischen Strom deutlich. Es zeigt, wie verwundbar wir geworden sind und auf welch tönernen Füßen unsere Zivilisation steht. Der Strom fällt aus, und alles bricht zusammen. Schade nur, dass Marc Elsberg immer wieder übers Ziel hinaus schießt.

Rezension: Michael Lange

Marc Elsberg: Blackout. Morgen ist es zu spät (Blanvalet Verlag)
Marc Elsberg: Blackout. Morgen ist es zu spät (Blanvalet Verlag)

Von einer Sekunde auf die andere wird es dunkel. Züge bleiben stehen, Radios und Fernseher verstummen, Ampeln funktionieren nicht mehr. Ohne Elektroherd, Kühlschrank und Gefriertruhe sind moderne Küchen kaum noch zu gebrauchen. Wenig später kommt kein Wasser mehr aus den Leitungen. Benzin und Lebensmittel werden knapp. Vor allem die Städte versinken in Müll und Gestank und schließlich in Kriminalität.

Angefangen hat alles in Italien und Schweden. Von dort aus breitete sich die Dunkelheit über den ganzen europäischen Kontinent aus. Während Behörden und Stromversorger im Dunkeln tappen, hat ein italienischer Hacker einen Verdacht. In Italien und Schweden wurden kürzlich die üblichen Stromzähler durch so genannte Smart-Meter ersetzt. Über deren Software könnten Terroristen die Stromnetze lahmgelegt haben. Und tatsächlich kommt der Außenseiter mit seinem Notebook den Bösewichten auf die Schliche. Allerdings glaubt ihm niemand und schon bald wird er europaweit von Polizei und Geheimdiensten gesucht.

Eindrucksvoll macht dieses Buch unsere Abhängigkeit vom elektrischen Strom deutlich. Es zeigt, wie verwundbar wir geworden sind und auf welch tönernen Füßen unsere Zivilisation steht. Der Strom fällt aus, und alles bricht zusammen. Schade nur, dass Marc Elsberg immer wieder übers Ziel hinaus schießt. Einer Agrarfabrik reichen nicht Hunderte Milchkühe, es müssen Tausende sein. Dass ein einzelner Hacker mehr erfährt als große Spezialistenteams, ist aus dem Fernsehen bekannt, auch wenn es in der Realität seltener vorkommt. Viele Superlative erinnern eher an einen Katastrophenfilm aus Hollywood als an die Welt, in der wir leben.

Die Handelnden berauschen sich zuweilen an der eigenen Katastrophe. Sogar im Krisenstab werden Horrorzahlen bebildert, anstatt über konkrete Lösungen nachzudenken. Nicht nur Politiker, auch Journalisten, Techniker oder Terroristen entsprechen in diesem Buch den üblichen Klischees, ohne lebendig zu werden. Immer wieder erzeugt Blackout starke Bilder. Und wie bei Katastrophenszenarien im Fernsehen, ist der Leser anfangs schockiert, um sich nach mehrfacher Wiederholung gelangweilt abzuwenden. Was bleibt, ist eine weitere Verschwörungstheorie.

Marc Elsberg: Blackout. Morgen ist es zu spät
ISBN: 978-3-764-50445-8
Blanvalet Verlag, 800 Seiten, 19,99 Euro

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