• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 22:05 Uhr Historische Aufnahmen
StartseiteThemen der WocheBlamabler Absturz bei Flughafenbau12.05.2012

Blamabler Absturz bei Flughafenbau

Politiker legen Bruchlandung bei Realisierung des Berliner Großflughafens hin

Die für den 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Flughafens Willy Brandt in Berlin ist geplatzt. Eine weitere Episode in der Pannengeschichte rund um die Realisierung des Großprojekts, die das Versagen der beteiligten Politiker belegt, findet Bert Schulz.

Von Bert Schulz, "die tageszeitung"

Die Eröffnung des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg muss verschoben werden (dpa / Patrick Pleul)
Die Eröffnung des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg muss verschoben werden (dpa / Patrick Pleul)

Berlin wäre so gern eine Metropole. Ein angemessener Flughafen – groß und glamourös – das war der ewige Herzenswunsch der Landespolitiker. Bei der Realisierung des Großprojekts legten sie allerdings schon einige Bruchlandungen hin. So gesehen ist die Verschiebung der lange angekündigten Eröffnung nur eine weitere Episode dieser Pannengeschichte. Doch sie wiegt besonders schwer, und sie belegt das Versagen und die Abgehobenheit der beteiligten Politiker.

Sie, wie auch die Flughafen-Betreiber, haben Fragen nach möglichen Schwierigkeiten auf der Baustelle in den letzten Wochen und Monaten stets brüsk abgebügelt und eine Punktlandung versprochen. Selbst der für die Genehmigung zuständige Landrat hatte vor zehn Tagen noch gesagt, nun sei "alles auf einem guten Weg". Und nur einen Tag vor der Absage hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erklärt, der Flughafen werde selbstverständlich am 3. Juni eröffnet.

Inzwischen ist klar, dass es weit mehr Probleme gibt als nur den Brandschutz, der anfangs als Begründung für die Verschiebung genannt wurde. Viele Türen funktionieren nicht, das Computersystem macht Schwierigkeiten, der Lärmschutz der Anwohner ist noch mangelhaft. Eine Eröffnung Anfang Juni wäre undenkbar gewesen.

Klaus Wowereit ist Chef des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft. Hat er es wirklich nicht besser gewusst? Oder noch schlimmer: Wusste er es besser, hat aber nichts gesagt? In seiner Regierungserklärung am Donnerstag gab der Regierende Bürgermeister zu, über Pannen seit einiger Zeit informiert gewesen zu sein. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass die Eröffnung deshalb verschoben werden muss, so Wowereit. Sonderlich glaubwürdig klingt das nicht.

Mit diesem Problem kämpfen nun all jene, die das Projekt immer in den Himmel gelobt haben. Offenbar war der Eröffnungstermin für sie so wichtig, dass Bedenken hinten anstehen mussten. Offenbar waren sie vom Glanz des 2,5 Milliarden Euro-Projekts so geblendet, dass Sorgfalt und Kontrolle plötzlich überflüssig erschienen. Bisher will keiner zugeben, Fehler gemacht zu haben.

Dieses Verhalten könnte sich noch rächen. Denn auch wenn der Flughafen eines Tages eröffnet wird, ist die Diskussion darüber noch lange nicht vorbei. Viele Anwohner im Berliner Südwesten und Südosten wehren sich vehement gegen die Flugrouten und die rüde Art, wie sie festgelegt wurden; andere fordern ein striktes Nachtflugverbot – sie haben durchaus Chancen auf Erfolg vor Gericht.

Dabei hätte die Politik Lehren ziehen können – aus der langen Geschichte des Berliner Flughafenbaus, aber auch aus den Erfahrungen mit anderen schwer zu realisierenden Großprojekten in Deutschland. Die heftige Diskussion um den Bahnhofsumbau Stuttgart 21 hat gezeigt, wie sensibel die Bürgerinnen und Bürger solchen Projekten inzwischen gegenüberstehen und dass sie von ihren politischen Vertretern Aufrichtigkeit, Engagement und eine gewisse Nähe zu den Betroffenen erwarten. Nichts davon ist in Berlin zu spüren.

In Hamburg wiederum entwickelt sich der Bau der Elbphilharmonie zu einem schier endlosen finanziellen Desaster. Auch das ist so ein von der Politik gegen viele Widerstände durchgedrücktes Prestigeprojekt. Die nur scheinbar vom Himmel gefallene Verschiebung der Flughafeneröffnung ist ein Beispiel für die Großmannssucht nach Berliner Art, von der man eigentlich dachte, sie sei seit dem Auffliegen des Bankenskandals 2001 verschwunden. Damals musste Berlin mit einer Bürgschaft in zweistelliger Milliardenhöhe seine Landesbank retten. So teuer wird es diesmal nicht werden. Aber einige hundert Millionen werden es schon sein. Drunter macht es die Stadt, die so gerne Metropole wäre, nicht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk