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StartseiteMarkt und MedienBlaulicht-TV08.05.2010

Blaulicht-TV

Wie Deutschlands Polizei mit Fernsehsendern kooperiert

Die Polizei, dein Freund und Helfer, ist auch im Fernsehen im Dauereinsatz. Räuber und Gendarm zieht immer - am besten gleich mit echten Polizisten.

Von Klaus Deuse

Polizisten mit  jugendlichem Verdächtigen (AP)
Polizisten mit jugendlichem Verdächtigen (AP)

Wenn auf dem Bildschirm TV-Kommissare Täter jagen, dann kommen sie nicht ohne Dienstfahrzeuge oder den Beistand uniformierter Kollegen aus. Und da Krimiserien auf der Mattscheibe Konjunktur haben, gibt es einen großen Bedarf an polizeilichen Arbeitsgeräten. Von Handschellen über Pistolen bis zum Streifenwagen. Und vor allem an Polizisten. An echten Polizisten. Denn nur die, sagt Pius Peltner, Chef der Firma MP-Filmservice, wissen eben aus Erfahrung, wie man sich bei einem Einsatz richtig verhält. Der frühpensionierte Polizeibeamte ist bei Filmproduktionsgesellschaften ein gefragter Mann, denn er hat alles im Angebot. Auch leibhaftige Polizisten:

"Die ziehen dann bei mir die Uniform an und gehen dann als Kleindarsteller, Komparsen vor die Kamera."

In ihrer Originaldienstuniform mit Hoheitszeichen dürfen die Polizeibeamten in Nordrhein-Westfalen nämlich nicht schauspielern. Außerdem auch nur in ihrer Freizeit und nur mit einer behördlichen Genehmigung dieser Nebentätigkeit, die ihnen pro Drehtag rund 150 Euro einbringt. Für die geliehene Filmuniform, die sich durch nichts vom Original unterscheidet, erhält der Filmausrüster 25 Euro. Was die "richtige" Polizei bei Herstellern kauft, das kann auch ein Filmausrüster in Deutschland problemlos erwerben. Bis zu allen Utensilien, die ein Polizist benötigt.

"Die gesamte Ausrüstung, sprich Holster, Waffe, Handschellen, Koppel, alles, was der Mann so braucht, Funkgeräte bekommt er hier von mir."

Der Preis für eine Pistole liegt pro Drehtag bei 15 Euro, für ein polizeiliches Einsatzfahrzeug bei 200 Euro. Inclusive Blaulicht und Martinshorn.

Bis hin zu den Kennzeichen unterscheiden sich diese Filmfahrzeuge nicht von den Streifenwagen der jeweiligen Landespolizei.

"Da kommt einfach Folie drauf, und zwar festaufgeklebte Folie. Mal in Grün, mal in Blau, weil ja einige Bundesländer gerade erst in der Umrüstung sind."

Bei einem FDP-Innenminister wie in Nordrhein-Westfalen gilt bei der Unterstützung von Krimiproduktion die Devise "Privat geht vor Staat." In anderen Bundesländern hält man es weiterhin auch gegenüber Filmproduktionsgesellschaften mit dem Motto "Die Polizei, dein Freund und Helfer." Allerdings nicht zum Nulltarif. In Hessen und Sachsen beispielsweise haben die Innenministerien eine regelrechte Tarifliste für polizeiliche Filmdienste erstellt. So beläuft sich in Sachsen die Leihgebühr für einen Schlagstock auf knapp einen Euro und für Streifenwagen werden zwischen 35 und 55 Cent pro Kilometer in Rechnung gestellt. Selbst einen Hubschrauber können die Produktionsfirmen mieten. Zum Preis von knapp 2.000 Euro pro Betriebsstunde. Mit rund 15 Euro fällt der TV-Auftritt eines Polizeihundes erheblich preiswerter aus. Allerdings ohne das dazugehörende Dienstherrchen. Das kostet extra. Für das Engagement eines Polizeimeisters verlangt das hessische Innenministerium um die 70, für das eines echten Kommissars an die 90 Euro pro Stunde. Private Ausrüster machen es preiswerter. Sie bieten zwar auch echte Polizisten auf, stecken die aber nicht in eine aus Landesmitteln finanzierte Dienstuniform. Expolizist Peltner kann bei Bedarf aus seinem Sortiment sogar eine Hundertschaft mobilisieren. Selbst in dem Fall spielen unterschiedliche Bekleidungsgrößen für die Uniformen aus seinem Fundus keine Rolle.

"Ich hab eine türkische Schneiderin hier bei mir am Wohnort. Die ändert mir alles um und das ist gar kein Thema."

Nur in Ausnahmefällen müssen Polizisten vor der Kamera nicht die Uniform wechseln. So wie die beiden Beamten Toto und Harry von der Bochumer Polizei, die beim Privatsender SAT1 in einer sogenannten Dokuserie zu Fernsehstars avancierten. Mit Genehmigung ihres Polizeipräsidenten sogar zum Nulltarif. Pressesprecher Volker Schütte:

"Wir betrachten das als Dokumentation über unsere Arbeit. Insofern dann auch als Öffentlichkeitsarbeit. Das ist kein Spielfilm, sondern das ist ja wirklich dann Reality-TV."

In anderen Polizeipräsidien findet man, hinter vorgehaltener Hand, dieses TV-Format alles andere als berauschend. Aber man will Kollegen ja nicht vor dem Mikrofon in den Rücken fallen. Wie man es auch dreht: Auf der Mattscheibe ist die Polizei jedenfalls gut im Geschäft, da sich Polizisten sozusagen selbst spielen.

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