Die Nachrichten

Letzte Sendung hören:07:30 Uhr Nachrichten
schliessen

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

 
 
 
Nachrichten   
 
0:00
 
 
 
 

Blick in die Zeitungen von morgen

20. Oktober 2017Blick in die Zeitungen von morgen

Die Kommentatoren bewerten die Debatten auf dem EU-Gipfeltreffen, das in Brüssel zu Ende ging. Vor allem bei der Türkei-Politik gehen die Meinungen auseinander.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit weiteren Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel in Brüssel. (Julien Warnand/EPA Pool/AP/dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit weiteren Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel in Brüssel. (Julien Warnand/EPA Pool/AP/dpa)

Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER lobt, die EU habe ein doppeltes Signal gesetzt:

"Die Finanzhilfen für den EU-Beitritt werden gekürzt, aber es fließt weiter Geld für die Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei. Das ist ein fein austarierter Kompromiss. Er ermöglicht es der EU, angemessen auf die politische Lage zu reagieren. Zugleich braucht Europa aber die Türkei im Kampf gegen Schleuser."

Ganz anders der Ton in der NORDWEST-ZEITUNG aus Oldenburg, die verlangt:

"Überweisungen stoppen, Beitrittsverhandlungen abbrechen. Erdogan und seine Schergen nehmen reihenweise deutsche Staatsbürger als Geiseln - und Merkel findet noch lobende Worte für 'Leistungen' der Türkei. Kein klares Wort über die Zehntausenden politischen Gefangenen, die unter den Stiefel getretene Pressefreiheit, den Mordfeldzug gegen die Kurden im eigenen Land und den Eroberungsfeldzug in Syrien."

Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen hofft auf mehr Entscheidungsfreudigkeit bei der EU. Ratspräsident Tusk hatte angeregt, mit häufigeren Treffen mehr Themen rascher voranzubringen:

"Die EU hat kein Ankündigungsproblem. Hochfliegende Pläne werden in Brüssel ständig geschmiedet. Sie leidet unter einem anderen Defizit. Es dauert zu lange, bis Entscheidungen fallen. Daher ist es richtig, dass Donald Tusk aufs Tempo drückt."

Der TRIERISCHE VOLKSFREUND ist da eher skeptisch. Es gebe nun einmal handfeste Meinungsunterschiede zwischen den Mitgliedsländern:

"Auch Tusk ahnt wohl, dass seine Vorschläge in der Praxis wenig bringen werden. Was er wirklich will, um der Union Beine zu machen, hat er in einem Nebensatz versteckt: Der Club der Willigen soll schneller voranschreiten als die Bremser. Da ist es wieder, das Europa der zwei Geschwindigkeiten."

Nun nach Berlin, wo CDU, CSU, FDP und Grüne zum ersten Mal gemeinsam sondiert haben. "Irre, dieses Tempo", stichelt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

"Dass Europas größte Volkswirtschaft eine neue Regierung erhält, das war erstaunlicherweise fast einen Monat lang kein großes Thema. Lieber stürzte man sich in den niedersächsischen Landtagswahlkampf, allen voran die Kanzlerin, die damit auch gleich vom schlechten Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl abzulenken versuchte."

Eine Bundesregierung zu bilden, sei ein "stolzes und wichtiges Mandat", schreibt die Zeitung DIE WELT und ruft die Teilnehmer zu Disziplin auf:

"Skeptisch bis maulig, voller Vorbehalte und Plan-B-Überlegungen gehen manche prominente Mitglieder der CSU, der FDP und der Grünen in die Sondierungsgespräche. Aber der Wählerauftrag ist es, Deutschland regiert zu sehen. Union, FDP und Grüne haben die Pflicht zur Auslotung des Möglichen - und zwar mit Energie, gutem Willen und sogar Eleganz."

Und die Lüneburger LANDESZEITUNG erwartet, dass ein sogenanntes "Jamaika-Bündnis" dem Land gut tun werde:

"Frischen Wind - den hat sowohl die Regierungszentrale als auch das von ihr regierte Volk nach zweimal großer Koalition bitter nötig. Die starke Wirtschaft jedenfalls liefert für einen Neustart ausgezeichnete Rahmenbedingungen."