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Blick in die Zeitungen von morgen

20. August 2017Blick in die Zeitungen von morgen

Das große Thema in den Zeitungen ist der Fall des deutschen Autors Akhanli, der auf Verlangen der Türkei vorübergehend in Spanien festgenommen wurde. Weiteres Thema ist die vermeintliche Abkehr des CSU-Chefs Seehofer von einer Obergrenze für Flüchtlinge.

Der Autor Dogan Akhanli - hier auf der Lit.Cologne in Köln am 8. März 2017. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Der Autor Dogan Akhanli - hier auf der Lit.Cologne in Köln am 8. März 2017. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg sieht das türkische Vorgehen in Akhanlis Werk begründet:

"Der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Türke mit deutschem Pass hat sich mit seinen Veröffentlichungen über schlimme Menschenrechtsverletzungen, etwa dem Genozid an Armeniern im osmanischen Reich, Erdogan zum Feind gemacht. Der will die Verbrechen vor hundert Jahren unter den Teppich kehren. Akhanlis Auslieferung an die Türkei wäre ein Kotau vor dem Möchtegern-Sultan."

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER erhebt Vorwürfe gegen die türkische Regierung:

"Die Türkei hat mit ihrem Fahndungsersuchen über Interpol internationale Vereinbarungen missbraucht. Skrupellos hantiert Erdogan mit Errungenschaften und Standards, die er im eigenen Land verweigert. Er beutet aus, was anderen wertvoll ist. Er tritt mit Füßen, was Europa in Ehren hält."

DIE WELT warnt, dass die Festnahme eines Erdogan-Gegners in Europa kein Einzelfall bleiben könnte:

"Aufgrund der Struktur von Interpol kann es jedem Erdogan-Kritiker so ergehen wie jetzt Akhanli. Erdogans Agenten in Deutschland wollen die hier lebenden Türken als fünfte Kolonne instrumentalisieren, um Kritiker einzuschüchtern und die Atmosphäre zwischen Deutschland und der Türkei durch Provokationen weiter zu vergiften."

Ähnlich sieht es die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Nun dehnt Erdogan seine Verhaftungswelle auf Drittstaaten aus. Akhanli wird zu einem Präzedenzfall. Das darf sich nicht wiederholen. Sollte ihn Spanien innerhalb von 40 Tagen an die Türkei überstellen, müssten künftig alle Kritiker Erdogans vor Reisen Angst haben."

Die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden mahnt zu Besonnenheit:

"Die neue Stufe der Eskalation macht es schwieriger, einen kühlen Kopf zu behalten. Doch genau das bleibt der richtige Weg, um Erdogan dauerhaft jene Grenzen aufzuzeigen, die außerhalb seines Machtbereichs nach wie vor gelten."

So sieht es auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Es ist das Wesen der Autokraten, dass sie sich wie Halbstarke gebärden. Man muss darauf stark reagieren, nicht halbstark; stark heißt: differenziert, pointiert und konzentriert."

Zum Abschluss noch eine Stimme zur vermeintlichen Abkehr des CSU-Chefs Seehofer von einer Obergrenze für Flüchtlinge.

Die NORDWEST-ZEITUNG aus Oldenburg kritisiert das Wirrwarr:

"Nun hat Seehofer wenige Wochen vor der Bundestagswahl die Sache mit der Obergrenze entschärft, angesichts deutlich rückläufiger Zahlen bei den Asylanträgen. Da brauche man die Obergrenze nicht als absolute Forderung für eine noch zu bildende Koalition. Dumm nur, dass Seehofer meinte, seine klaren Worte im Fernsehinterview kurze Zeit darauf korrigieren zu müssen. Kein Abrücken von der Obergrenze? Was gilt denn nun? So bleibt ein weiteres Mal der Eindruck, dass die CSU zynische Symbolpolitik betreibt."