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20. April 2018Blick in die Zeitungen von morgen

Die Korruptionsvorwürfe gegen eine frühere Mitarbeiterin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind für viele Zeitungen ein Thema.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (imago stock&people)
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (imago stock&people)

Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg sieht die "Glaubwürdigkeit sämtlicher Asylbescheide beschädigt":

"Mit fatalen Folgen für all jene, die völlig zu Recht in Deutschland Schutz genießen. Möglich, dass da eine wohlmeinende Bamf-Mitarbeiterin Jesiden, die in ihrer Heimat oft tatsächlich brutal verfolgt werden, helfen wollte. Wäre es so, hätte sie den 1.200 Antragstellern und allen Flüchtlingen einen Bärendienst erwiesen. In einem Rechtsstaat haben sich alle an die Regeln zu halten."

Die BERLINER MORGENPOST blickt auf die Gründe, die zur Affäre geführt haben könnten:

"Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist eine Anstalt am Rande des Nervenzusammenbruchs. Es ist extrem fehleranfällig. Die Mitarbeiter treffen Entscheidungen von hoher Tragweite, stehen unter großem Druck und Dauerbelastung."

Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG betreibt Ursachenforschung:

"Die Behörde hat nach wie vor Qualitätsmängel. Kein Wunder. Wegen des großen Flüchtlingsandrangs wurde das Amt in aller Eile aufgeblasen. In Crash-Kursen wurden neue Mitarbeiter geschult und stehen seitdem unter Druck, schnell Entscheidungen zu treffen. Da passieren Fehler."

Die RHEINISCHE POST hofft, dass die Affäre um die Mitarbeiterin ein Einzelfall ist, denn:

"Mühsam war es dem Bundesamt gelungen, das Image der Versager-Behörde loszuwerden. Die Ermittlungen müssen selbstverständlich abgewartet werden, aber Bundesregierung und Bundesamt werden sich Vorkehrungen überlegen müssen, wie ein solcher Alleingang von Asylentscheidern künftig nicht mehr möglich ist."

Der WESER-KURIER aus Bremen bemerkt:

"Das Wort Korruption ist im Zusammenhang mit dem Fall der Bremer Amtsleiterin häufig gefallen. Nein, diese Frau hat offenbar kein finanzielles, sondern ein emotionales Verhältnis zu jesidischen Flüchtlingen. Jedenfalls legt das auch ihr Twitter-Account nahe, auf dem sie auch noch am Freitag äußerst aktiv war. Stellt sich die Frage: Warum ist das niemandem im Bundesamt aufgefallen?"

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG meint:

"Der mutmaßliche Betrug der Bamf-Mitarbeiterin hat damit zu tun, dass Asylentscheide häufig Sache des Ermessens sind - Gesinnungstäter unter den Sachbearbeitern haben da fast freie Hand. Was Recht ist und was nicht, verwandeln sie in Behördenwillkür."

Themenwechsel. Andrea Nahles könnte am Sonntag auf einem Sonderparteitag zur neuen SPD-Vorsitzenden gewählt werden.

Dazu schreibt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg:

"Andrea Nahles will sich einen Lebenstraum erfüllen: als erste Frau in der Geschichte die SPD führen. Sie bringt mit, was nötig ist: eine jahrzehntelange Parteikarriere, ein engmaschiges Netzwerk und eine brachiale Durchsetzungskraft."

Und der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER unterstreicht:

"Auf Andrea Nahles wartet ein Höllen-Job. Schon die objektiven Daten der Partei - von der Altersstruktur bis zu den Wahlergebnissen- sind unerfreulich. Noch schlimmer ist aber, dass es scheint, als sei der Partei die Seele abhandengekommen. Andrea Nahles muss der SPD wieder Gesicht und Ausstrahlung geben."