• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 07:15 Uhr Interview
StartseiteComputer und KommunikationGroße Versprechungen, Tücken und Gefahren25.02.2017

Blockchain-TechnologieGroße Versprechungen, Tücken und Gefahren

Die sogenannte Blockchain-Technologie steht noch ganz am Anfang ihrer Möglichkeiten, um Standards wird noch gerungen. Vom Einsatz dieser Technik erhoffen sich viele gute Geschäfte. Aus ökologischer Sicht ist sie eher eine Katastrophe und vielleicht birgt sie auch große Gefahren.

Achim Killer im Gespräch mit Manfred Kloiber

Am Fenster eines Coffeeshops in Nanshan in China hängt ein Schild, das Kunden darüber informiert, dass hier auch mit der digitalen Währung Bitcoin bezahlt werden kann. (imago/China Foto Press)
Die Bitcoin-Währung, mit der man schon ganz normal in Läden bezahlen kann, steht in Konkurrenz zum Geld von staatlichen Bank. Die Technik dahinter könnte auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen. (imago/China Foto Press)

Manfred Kloiber: Die Blockchain, eine Technologie, von der sich die IT-Branche viel verspricht. Informationen von Achim Killer waren das und mit ihm will ich noch ein wenig weiter über die rätselhafte Datenkette sprechen. Achim, bleiben wir beim größten Versprechen der Blockchain: der Sicherheit, die sie bringen soll. Das hört sich ja sehr beeindruckend an, die Sache, mit den vielen Kopien, die gezogen, und den Hashes, die berechnet werden. Andererseits sind im Zusammenhang mit Bitcoin auch schon etliche Hacks bekannt geworden. Wie passt das zusammen?

Achim Killer: Ja, aber dabei ist nicht die Blockchain gehackt worden, sondern es sind Kryptoschlüssel entwendet worden. In der Blockchain steht ja nicht: Achim Killer besitzt einen halben Bitcoin. Das ist ja anonym oder besser: pseudonym. Der Nachweis, dass ich Bitcoins besitze, wird über Schlüssel geführt. Und wenn ich einen Schlüssel verliere, hab ich Geld verloren. Und wenn ich mir einen Schlüssel stehlen lasse, hab ich mir Geld stehlen lassen. Also ich würde sagen: Was in der Blockchain ist, ist derzeit sicher. Und jetzt wird darum konkurriert und diskutiert, was wie reinkommt.

Kloiber: Worum geht dabei?

Killer: Ums Übliche, um Standards. Wer die heute setzen und besetzen kann, der kann mitverdienen wie seinerzeit Microsoft beim PC-Markt oder heute Google im Internet und bei Smartphones. Und wie rasch sich die Technologie verbreitet, das hängt natürlich vom staatlichen Bereich ab.

Kloiber: Wieso denn das? Die Blockchain, zumindest die von Bitcoin, steht doch geradezu in Konkurrenz zum staatlichen Handeln. Bitcoins konkurrieren mit Geld, das von der Notenbank emittiert wird.  

Killer: Ja, aber in Lateinamerika etwa gibt es Bemühungen, Grundbücher in die Blockchain zu verlagern. Und die müssen natürlich staatlich anerkannt sein. In Deutschland gibt es keinen derartigen Überlegungen. Da zählt, was im Grundbuch aus Papier steht. Und bei jedem Immobilienkauf verdient dann ein Notar mit. Umgekehrt wiederum könnte der Staat etwa vorschreiben, dass – sagen wir mal – aus Gründen der Verkehrssicherheit nur registrierte Fahrzeugteile verbaut werden dürfen. Dann hieße es bei einer Verkehrskontrolle nicht nur: "Führerschein, Fahrzeugpapiere" und: "Ihr rechter Blinker funktioniert nicht." Sondern auch: "Machen Sie mal die Motorhaube auf, damit ich die Teile-Nummern mit der Blockchain abgleichen kann." 

Kloiber: Achim, sie haben eben die Notare angesprochen, eine Berufsgruppe, die nun wirklich gut verdient. Die könnten durch die Blockchain entlastet werden. Wie schätzen Sie das Einsparpotential dieser Technologie ein?

Killer: Na ja, eine Blockchain kostet schon auch: Rechenleistung. Und es sind schwierige Rechenaufgaben, die für die Blockchain gelöst werden müssen, sonst kann sie nicht sicher sein. Es gibt Schätzungen, wonach die Bitcoin-Blockchain ungefähr so viel Strom verbraucht wie eine ganze Stadt. Also ökologisch ist sie eine Katastrophe. Aber tendenziell hilft sie natürlich sparen. Und genau darin liegt ihre größte Gefahr.

Kloiber: Na, das müssen Sie jetzt aber erläutern.

Killer: Vor 14 Tagen haben wir über die Vorratsspeicherung gesprochen. Die gibt es, weil sie durch die Digitalisierung möglich geworden ist. Vorher gab es elektromechanische Hebdrehwähler. Da hätte man Postbeamte mit Bleistift und Papier losschicken müssen. Das wäre zu aufwändig gewesen. Und deshalb ist damals niemand auf die Idee gekommen, Verbindungsdaten zu protokollieren. Nicht weil es seinerzeit liberaler zugegangen wäre. Entscheidend sind immer Technik und Kosten. Na ja, und die Blockchain ermöglicht die kostengünstige Dokumentation von allen möglichen Transaktionen. Derzeit geht es dabei vor allem um Transaktionen in der Finanzbranche. Es wird aber schon von der Dokumentation von geistigem Eigentum gesprochen. An der Erfassung von Urheberrechten bei Musik wird bereits gearbeitet. Das ist in Ordnung. Bücher! Ok. Man soll ja keine Bücher stehlen. Was aber, wenn das Lesen von Büchern erfasst wird? Und in einer Terabyte-großen Blockchain für alle Zeiten dokumentiert wird, wer welche Schriften gelesen hat. Die Blockchain ist auch eine Überwachungstechnologie. Und da wird politisch sehr darauf zu achten sein, was überwacht wird. 

Kloiber: Über das IT-Megathema Blockchain berichtete Achim Killer, vielen Dank!

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk