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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWas steckt hinter den fallenden Kursen?09.02.2018

BörseWas steckt hinter den fallenden Kursen?

Zwei mal ist der amerikanische Aktienindex Dow Jones innerhalb weniger Tage abgestürzt - und auch der Dax verzeichnete große Verluste. Gründe dafür sehen Kapitalmarktexperten unter anderem in befürchteten Zinssteigerungen. In Europa dürfte die Unruhe nicht allzu lange anhalten..

Von Brigitte Scholtes

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Vor der Kurve des Deutschen Aktienindex (DAX) steht am Dienstag (09.08.2011) in der Börse in Frankfurt am Main ein Miniatur-Bulle.  (dpa / Fredrik von Erichsen)
Einbrechender Kurs an der Börse in Frankfurt (dpa / Fredrik von Erichsen)
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Die guten Konjunkturdaten, die Ende vergangener Woche in den USA veröffentlicht wurden, waren wohl der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Denn da wurde den Anlegern endgültig klar, wie gut es der Wirtschaft in den USA geht. Und wenn die Wirtschaft in gutem Zustand ist, dann ist eine Unterstützung durch eine lockere Geldpolitik nicht mehr nötig, die Anleger erwarten also jetzt, dass die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen noch stärker nach oben schraubt als sie dies bisher angekündigt hat. So sieht das auch Stefan Scharfetter, Aktienhändler der Baader Bank.

"Viele befürchten, dass die Zinsen jetzt schneller steigen werden als man das erwartet hat, und dann tritt ein Automatismus ein, dass man sich aus den Aktienmärkten verabschiedet, in die Rentenmärkte reingeht, weil man sieht, ich kriege auf den Anleihemärkten wieder vernünftige Zinsen gezahlt. Also eine Umschichtung des Kapitals findet hier statt, und das sind jetzt die ersten Vorboten, die wir hier erleben."

"Gesunde Reaktion"

Die Anleger hätten offenbar auch die nötige Vorsicht vermissen lassen, erklärt Stefan Scheurer, Kapitalmarktexperte der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors die Reaktion.

"Man war sehr darauf bedacht, die Volatilität extrem niedrig, man hat sich quasi wohl gefühlt in diesem Umfeld. Die Märkte gingen von einem Allzeithoch zum nächsten, man hat quasi die Risiken, die natürlich noch da sind, völlig außer Acht gelassen. Und demnach ist vielleicht diese Reaktion eine gesunde Reaktion eher, würde ich sagen, als dass man jetzt hier ein Weltuntergangsszenario aufmachen sollte." 

Die zwischenzeitliche Enttäuschung, dass die Steuerreform in den USA doch nicht wie erhofft umgesetzt werden könnte, hatte die Aktienmärkte wieder etwas abgekühlt. Seitdem diese Steuerreform jetzt doch kommt, waren die Börsianer in den USA wie entfesselt. Deshalb sei die Abkühlung gar nicht schlecht, meint Scheurer:

"Wir sind in den USA auf einer Bewertung, die ist extrem hoch, also sehr, sehr überbewertet. Das liegt auch daran das die Konjunktur extremst spät zyklisch unterwegs ist. Das heißt, der Markt ist überbewertet. Im Vergleich zu Europa sind wir nicht überbewertet. Wir sind auf einem neutralen Niveau."

Nervosität auch am deutschen Aktienmarkt

Dass die europäischen Märkte dennoch nervös sind, liege zum einen daran, dass die amerikanischen Investoren jetzt aus europäischen und auch deutschen Aktien herausgingen, sagen Händler. Und das Marktforschungsinstitut Sentix führt die Nervosität auch am deutschen Aktienmarkt darauf zurück, dass die Finanzmärkte enttäuscht waren von der schleppenden Regierungsbildung und den Plänen der wahrscheinlichen Neuauflage der großen Koalition. Zu viel Regulierung schwäche auf Dauer die Wirtschaft. Allerdings solle man auch nicht zu pessimistisch sein, meint Kapitalmarktexperte Scheurer.

"Wir gehen jetzt nicht davon aus, dass wir hier großartige Verwerfungen - Stand jetzt - sehen dürfen. Wenn man sich die Risikoprämien im Unternehmensanleihensektor anschaut, dann hat sich hier relativ wenig getan die Realzinsen sind noch ziemlich niedrig, also unterstützend für die Konjunktur. Die Zentralbank ist nach wie vor hier, wenngleich auch die Normalisierung stattfinden dürfte. Es ist momentan auch das Konjunkturumfeld nach wie vor sehr förderlich für risikobehaftete Vermögenswerte, sprich auch Aktien."

Deshalb geht Scheurer davon aus, dass die Unruhe zumindest in Europa nicht allzu lange anhalten dürfte.

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