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StartseiteSprechstundeEine junge Frau erzählt11.04.2017

Borderline Eine junge Frau erzählt

Viele Patienten mit der Persönlichkeitsstörung Borderline bemerken erst spät, dass sie an dieser Krankheit leiden. So auch eine junge Frau, die irgendwann merkte: Es stimmt etwas nicht.

Von Mirko Smiljanic

Ein junge Frau schneidet sich mit einer Rasierklinge.  (imago / Westend61)
"Eigentlich ist es relativ angenehm, wenn man es macht, weil es ein Druckabbau im ersten Moment ist": Selbstverletzung kann für Borderline-Patienten ein Ventil sein. (imago / Westend61)
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"Bewusst darüber nachgedacht habe ich mit 17 ungefähr, also es war eigentlich vorher schon klar, aber ich hab mit 17 erst gedacht: Okay, ich brauch Hilfe, habe mir damals aber keine Hilfe genommen, weil ich Angst hatte, die Hilfe habe ich dann mit 18 bekommen.

Also meine Eltern sind getrennt, das waren die seit frühester Kindheit, da war ich ungefähr zwei. Ich bin dann mit meiner Schwester bei meiner Mutter aufgewachsen, mein Bruder bei meinem Vater, bis ich zwölf war. Meine Mutter war stark drogenabhängig, ihr damaliger Lebensgefährte auch, mein Bruder halt auch, der ist acht Jahre älter, meine Mutter hat sich nicht darum gekümmert, dass wir Kleidung hatten, das war relativ egal, Hauptsache, sie hatte ihre Drogen, und später bei meinem Vater hatten wir es von der Lebensqualität an sich besser, aber da war viel Vernachlässigung, dass seine Frau schon im Vordergrund steht vor seinen Kindern, und zwischen uns hat er natürlich noch große Unterschiede gemacht.

Ein Teufelskreislauf

Es war viel innere Leere, ganz stark die Selbstverletzung, speziell mich schneiden auch. Eigentlich ist es relativ angenehm, wenn man es macht, weil es ein Druckabbau im ersten Moment ist. Es ist wahrscheinlich unglaublich schwer für andere Menschen, das nachzuvollziehen, aber in diesem Moment ist man einfach froh, dass dieser Druck weg ist, dass man merkt, okay, ich bin hier, das ist echt und ich bin am Leben. Das ist erleichternd. Aber sobald dieses Gefühl vorbei ist, was sehr schnell verfliegt, ist da sehr viel Selbsthass, sehr viel Enttäuschung. Man macht sich nur noch schlechter, das ist ein Teufelskreislauf.

Ich habe zu meiner Familie gar keine Beziehung - bis auf meine Schwester, die ist ein Jahr älter. Zu ihr habe ich sporadischen Kontakt. Der Kontakt zu meiner Mutter ist abgebrochen als ich zwölf war, als ich zu meinem Vater gezogen bin, weil da das Jugendamt damals sagte, kein Kontakt, und wenn, nur mit Aufsichtsperson. Ich wollte einfach keinen Kontakt mehr zu ihr haben durch die Drogengeschichten. Ich meine, ich bin damit aufgewachsen, ich habe es gesehen, ich wusste, was da passiert, ich wollte das nicht mehr.

Kontaktabbruch zur Familie

Zu meinem Vater ist der Kontakt vor zwei Jahren ungefähr abgebrochen, zu meinem Bruder kurz danach auch. Also ich denke schon, dass sich das in der Zukunft ändern kann, gerade zwischen meinem Vater und meinem Bruder, aber ich glaub, das dauert noch sehr lange, und zu meiner Mutter denke ich nicht, dass das in irgendeiner Zukunft was wird, dass ich wieder Kontakt zu ihr habe, da ist einfach viel zu viel passiert, dass ich das möchte. 

Bis vor einem halben Jahr ungefähr wollte ich mein Abitur machen, dann habe ich aber die Therapie angefangen und die war für mich einfach im Vordergrund. Dafür habe ich die Schule eher abgebrochen, und ich warte jetzt auf die Zusage zu einer schulischen Ausbildung zur Erzieherin."

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