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Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteSprechstundeBorreliose01.07.2008

Borreliose

Eine Reportage

Wie unerkannte Folgen eines Zeckenstichs ein ganzes Leben beeinflussen können, dass zeigt das folgende Beispiel einer Patientin, die seit 40 Jahren an Borreliose erkrankt ist.

Von Barbara Weber

Eine vollgesogene Zecke, nachdem sie sich von einem Wirtstier hat abfallen lassen (AP)
Eine vollgesogene Zecke, nachdem sie sich von einem Wirtstier hat abfallen lassen (AP)

"Es ist eine Krankheit, die versteckt sich, die ist wie ein Chamäleon. Ich kann nicht zum Arzt gehen und sagen, da ist sie doch, sondern die Ärzte streiten sich, ob ich sie habe oder nicht habe, wobei es eigentlich egal ist, ob ich sie noch im Körper habe oder nicht. Ich habe die Symptome, und die sind nicht eingebildet."

Cornelia Kenke leidet an den Spätfolgen einer chronischen Borreliose. Die Theologin war 1968 mitten im Studium, als plötzlich unerklärliche Symptome auftauchten.

"Ich war auf einer langen Konzertfahrt mit dem Chor in Amerika, und das erste, was ich da gemerkt habe, dass ich da während eines Konzertes in Ohnmacht gefallen bin. "

Zu Hause versuchte sich Cornelia Kenke zu erholen, doch sie hatte dann

" nach fünf bis sechs Wochen ganz hoch Fieber, ohne jedes Symptom. Die Ärzte wussten damit nichts anzufangen und sagten auch, das Thermometer war wahrscheinlich kaputt, das passiert schon mal."

Drei Monate später bekam die Patientin

"chronische Kopfschmerzen, also ganz schwere Kopfschmerzen, auch Migräne dabei, und da wusste dann auch keiner was mit anzufangen. Und ich war mitten im Examen, also im Examenssemester. Und mein Vater ist medizinischer Leiter des Robert-Koch-Instituts gewesen, und der hat gesagt, da stimmt was nicht, das müssen wir rauskriegen."

Cornelia Kenke kam für drei Monate ins Virchow Krankenhaus, wurde komplett durchgecheckt, ließ alle möglichen Tests machen. Ohne Erfolg.

Weil die Ärzte nicht weiter wussten, griffen sie zum Skalpell:

"Haben mir dann den Blinddarm herausgenommen, und dann wieder untersucht, weitere Tests. Mandeln auch herausgenommen, die waren völlig in Ordnung. Und dann kamen sie und sagten, wir wollen die Zähne alle ziehen. Und dann habe ich gesagt, nee, also jetzt ist Schluss, eh sie überhaupt wüssten, was mit mir ist, wollte ich das jetzt nicht mehr."

Sie wollte nur noch raus, ihr Examen machen, ihr Leben leben. Trotz starker Kopfschmerzen schaffte sie ihr Examen. Während ihres Vikariats tauchten neue Probleme auf: Schwindel, rheumatische Beschwerden, Lähmungen der Arme.

Doch die Ärzte nahmen sie nicht ernst.

"Da rutschte dann immer so ein Rezept rüber, wo Valium draufstand."

Ein anderer Arzt kam dann zumindest auf die Idee, an Borreliose zu denken und testete. Der Test war negativ. Doch die Symptome sprachen für eine Borreliose. Deshalb behandelte er mit Antibiotika

"Danach waren die Symptome nicht weg, aber es ließ sich plötzlich im Blut nachweisen, und zwar sehr hoch. Damit war klar: Es ist eine Borreliose, und damit war klar, man kann eine Borreliose haben, die ganz akut ist, ohne dass das Blut darauf reagiert, das gibt es scheinbar."

Um der Erkrankung endgültig den Garaus zu machen, ließ sich Cornelia Kenke in der Charité zwei Monate behandeln - ohne Erfolg. Es folgte eine Hochdosisbehandlung sechs Monate in Wien - ohne Erfolg.

Die Symptome sind geblieben. Cornelia Kenke leidet weiter: schubweise an Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden, Lähmungserscheinungen, Schwindel.

"Seit der Zeit mache ich eine Symptombehandlung. Dass ich wenigstens meinen Beruf immer ausüben konnte. Ich habe es geschafft, bis zum Schluss meinen Beruf auszuüben. Ich habe die Symptome, und die sind nicht eingebildet."

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