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StartseiteEuropa heuteStart-ups in Sarajevo03.08.2017

Bosnien-HerzegowinaStart-ups in Sarajevo

Korruption, Bürokratie, instabile politische Verhältnisse - die Wirtschaft in Bosnien-Herzegowina bietet keine guten Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung. Manche wagen es trotzdem und haben Erfolg. Aber das zeigt einmal mehr: Im Rest des Landes sieht es wirtschaftlich nicht gut aus.

Von Jakob Mayr

Blick auf Sarajevo, aufgenommen am 14.11.2006. (picture alliance / dpa / Matthias Schrader)
Blick auf Sarajevo - Über ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung hat keinen Job (picture alliance / dpa / Matthias Schrader)
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Da haben sich die drei Richtigen gefunden: Nihad Biberovic, 27 Jahre, Vollbart und Schlabberpulli. Ich sitze acht Stunden täglich am Computer, sagt er, ich bin ein Freak.

Asmir Koric, 25 Jahre, er passt mit dem muskulösen Oberkörper unter dem engen roten Shirt eher ins Fitnessstudio als in diesen Computer-Keller.

"Ich bin hergekommen, um zu lernen. Ich will jeden Tag was lernen und so kann ich mir immer einen Arbeitsplatz sichern - hier oder irgendwo anders."

Und Namir Mesic, 26 Jahre, ausgewaschenes Jeanshemd, stämmig und blass, wie man es erwartet von jemandem, der ständig vor dem Bildschirm sitzt. Er ist der Chef hier:

"Das Geschäft läuft sehr gut. Wir haben verschiedene Kunden in den USA und in der EU. Gut die Hälfte unseres Geschäfts läuft hier, der Rest im Ausland."

Gute Rahmenbedingungen fehlen

Die drei jungen Männer sind "Innotech" - ein Start-up in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, das Websites und IT-Lösungen für Unternehmen anbietet. Sie haben sich im Keller eines Wohnhauses eingerichtet - und sie beweisen, dass Erfolg möglich ist in einem Land, das auch wirtschaftlich immer noch unter den Folgen des Krieges leidet. Und daran, dass muslimische, serbische und kroatische Politiker nur ihre jeweils eigenen Anhänger im Blick haben. Dabei wäre die Lösung ganz einfach, sagt "Innotech"-Chef Namir: "Öffentliches Geld in den Privatsektor umleiten und gute Rahmenbedingungen für Investoren schaffen. Aber sie wollen nicht, aus einem einfachen Grund: Sie machen viel Geld mit der Lage, so, wie sie ist."

Bosnien-Herzegowina ist etwas größer als Niedersachsen und hat so viele Einwohner wie Berlin. Über ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung hat keinen Job, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 60 Prozent. Mangels Perspektive verlassen jedes Jahr Zehntausende das Land - vor allem junge, gut ausgebildete Menschen. Martin Gaber von der Auslandshandelskammer:

"Wir haben eine aufgeblähte öffentliche Verwaltung, die aufgebläht ist, überbläht ist. Wenig Rechtssicherheit für Unternehmen und das größte Übel meiner Meinung nach ist die politische Rhetorik, die zum einen ausländische Investoren und heimische Unternehmen verunsichert und die eine Hoffnungslosigkeit hier bei den Leuten im Land entstehen lässt."

Wenige Erfolge, viele Probleme

Das bosnische Wirtschaftswachstum könnte doppelt so hoch sein, wenn die Rahmenbedingungen passen würden, sagt Gaber. Die beeindruckenden Fortschritte, die die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bei ihrem Besuch Anfang des Jahres gelobt hat, die sieht Gaber jedenfalls nicht. "Ich glaube nicht, dass es hier Schritte vorwärts gibt. Die einzige Annäherung besteht darin, dass die EU ihre Hürden immer tiefer hängt und Bosnien-Herzegowina deswegen Schritte nach vorne macht".

Möbel, Holzverarbeitung, Autoteile - das sind klassische Branchen. In Goražde im Osten haben sich drei Vorzeige-Unternehmen angesiedelt: Bekto Precisa, Prevent und EMKA. Deren Erfolge machen noch deutlicher, wie schwierig die Lage im Rest des Landes ist - auch in der Hauptstadt. "Wenn du in Bosnien etwas anfangen willst, bist du auf dich gestellt. Niemand hilft dir, außer du hast deine Eltern, Freunde oder von Anfang an gute Kunden. Aber Investoren oder irgendwas - nichts. Du fängst von Null an."

Investieren lohnt sich

Und genau das machen immer mehr kleine Start-ups wie "Innotech". Da tut sich was, sagt Handelskammerexperte Gaber.

"Da haben wir zahlreiche Unternehmen, die sich hier entwickelt haben - teils durch persönliche Kontakte, weil sie Geschäftsbeziehungen in die USA haben. Und die sind sehr wettbewerbsfähig. Da würde es sich lohnen zu investieren."

Bei den drei Jungs von ""Innotech"" in Sarajevo läuft es jedenfalls sehr gut. Sie wollen demnächst weitere Arbeitskräfte einstellen.

 

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