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Bratzel: Es muss Einigung zwischen Opel und General Motors geben

Hauptversammlung bei Opel-Mutter in Detroit

Stefan Bratzel im Gespräch mit Jörg Münchenberg

Der neue Chef von GM in Europa, Nick Reilly, steigt nach seinem Besuch bei der Opelzentrale in Rüsselsheim in ein Auto.
Der neue Chef von GM in Europa, Nick Reilly, steigt nach seinem Besuch bei der Opelzentrale in Rüsselsheim in ein Auto. (AP)

General Motors als Mutterkonzern müsse sich sehr bald mit der Opel-Belegschaft einigen, damit der Autobauer aus der Negativspirale herauskomme, sagt Stefan Bratzel. Der Autoexperte von der Fachhochschule Bergisch Gladbach glaubt, dass die Marke Opel künftig nur in einem höherpreisigen Segment Zukunft haben könne.

Jörg Münchenberg: Heute Nachmittag treffen sich die Aktionäre von General Motors zur Hauptversammlung in Detroit. Erwartet wird dort, dass Konzernchef Dan Akerson dann auch endlich Grundzüge eines Sanierungsplans für die angeschlagene Tochter Opel bekanntgeben wird. Entsprechend groß ist deshalb natürlich auch die Spannung bei der Belegschaft, denn die Zukunft der europäischen Werke, sie gilt keinesfalls als gesichert. - Am Telefon nun der Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Ich grüße Sie!

Stefan Bratzel: Schönen guten Tag, Herr Münchenberg.

Münchenberg: Herr Bratzel, die Frage: Wie groß ist der Handlungsdruck bei Opel?

Bratzel: Gut, der Handlungsdruck von Opel ist sicherlich enorm. Wir haben seit Jahren Milliardenverluste angehäuft und die Marktsituation in Europa ist verheerend und diese verheerende Marktsituation trifft insbesondere eben Opel als Volumenhersteller, als man doch eher in dem Low-Cost-Segment nun auch in den südlichen Ländern, die jetzt große Probleme haben, aktiv ist. Also enorme Probleme, enormer Handlungsdruck.

Münchenberg: Nun leidet Opel ja auch unter der Schuldenkrise, die Absätze sind gerade in den Peripheriestaaten in Europa stark zurückgegangen. Das heißt doch im Umkehrschluss auch: Egal was Akerson vorschlagen wird, schnelle Lösungen kann es eigentlich nicht geben.

Bratzel: Ja, das ist völlig richtig. Schnell kriegt man den Karren, der wirklich tief im Dreck steckt, wenn man es salopp formulieren darf, nicht wieder in Gang. Sicherlich ist es so, dass man sowohl auf der Produktseite weiter angreifen muss und sozusagen attraktive Produkte auf die Spur setzen muss. Auf der anderen Seite - das darf man aber auch nicht verheimlichen -, es müssen die Kosten runter, und zwar möglichst schnell, weil aufgrund dieser Krise, die wir im Moment im Absatz in Europa haben, wir erhebliche Überkapazitäten haben, gerade eben auch von Opel, und wenn Opel nicht schnell in die schwarzen Zahlen kommt, dann kommt Opel auch nicht aus dieser Negativspirale heraus, die das Image erheblich belastet.

Münchenberg: Sie sagen, Kosten senken. Dann etwas konkreter bitte. Mit welchen Einschnitten ist zu rechnen, bezogen gerade auch auf die Standorte?

Bratzel: Nun, es ist ein offenes Geheimnis, dass man bei Opel oder General Motors Europe, um genau zu sein, Überkapazitäten in einer Größenordnung von mindestens 30 Prozent hat. Wenn man das umrechnet, dann ist mindestens ein Werk überflüssig, auch längerfristig überflüssig, weil man nicht damit rechnen kann, dass die Marktanteile von Opel in erheblichem Maße in den nächsten Jahren wieder steigen werden. Das heißt, nachdem der englische Standort Ellesmore Port gesichert wurde und da entsprechende Zusagen gemacht wurden, dann wird alles sozusagen jetzt auf Deutschland schauen und entsprechend dort Standortschließungen diskutieren.

Münchenberg: Nun braucht die Konzernspitze für die Neuausrichtung sicherlich auch die Belegschaft. Aber das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und der Konzernmutter in Detroit gilt als zerrüttet. Kann es hier überhaupt eine Einigung geben, zum Beispiel bei Einsparungen?

Bratzel: Ich glaube, es gibt keine Alternative. Es muss eine Einigung geben, und diese Einigung muss eben auch mit der Belegschaft vereinbart werden, weil die müssen später Opel wieder nach vorne bringen. Allerdings - Sie haben es zurecht angeschnitten - das Tischtuch, das kommunikative Tischtuch scheint, in diesen großen Problemen der letzten Jahre, wo man sich ja unabhängig machen wollte von der Muttergesellschaft, wo auch böse Worte in der Öffentlichkeit gefallen sind, hat man in der Tat etwas zerschnitten, und das muss man aber jetzt wieder aufnehmen, weil es gibt keine Alternative. Und man darf nicht vergessen: Der Wettbewerb schläft nicht. Vielleicht unterhalten wir uns im Moment über einen Standort bei Opel, der zu schließen ist. Wenn sozusagen die Sanierungsmaßnahmen nicht greifen, dann werden wir uns in kürzerer Zeit über mehr als das unterhalten müssen.

Münchenberg: Herr Bratzel, Sie sagen, die Konkurrenz schläft nicht. Letzte Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort: Hat die Marke überhaupt noch eine Zukunft?

Bratzel: Aus meiner Sicht hat die Marke nur eine Zukunft, wenn sie sich wieder nach oben positioniert, das hat Volkswagen vorgemacht, dass man sich langfristig nicht sozusagen nach unten im Low-Cost-Segment aufhält, sondern im eher höherpreisigen Segment. Nur dann können die höheren Kosten auch gerechtfertigt werden.

Münchenberg: Vor der Hauptversammlung der Opel-Mutter General Motors in Detroit - Einschätzungen von Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach zur Lage bei Opel waren das. Vielen Dank!

Bratzel: Ich danke Ihnen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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