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StartseiteForschung aktuellBraune Heizschicht02.08.2007

Braune Heizschicht

Aerosolwolken über Asien heizen Himalaya-Gletschern zusätzlich ein

Umwelt. – Jedes Jahr im Herbst hüllt sich Südostasien in einen mehr oder weniger dicke Schleier aus Rauch und Ruß. Veraltete Kraftwerke und großflächige Waldbrände sorgen dafür. Eine aktuelle Studie in "Nature" zeigt, dass dieser Schleier auch die Temperaturen ansteigen lässt, bis hoch zu den Gipfeln des Himalaya.

Von Volker Mrasek

Brandrodungen in Indonesien beeinflußen weiträumig das regionale Klima. (Ralf Küpper)
Brandrodungen in Indonesien beeinflußen weiträumig das regionale Klima. (Ralf Küpper)

Jedes Jahr zur Trockenzeit, von Oktober bis März, hüllt sich Südost-Asien über weite Strecken in dreckigen Dunst. Veraltete Kohlekraftwerke und die Brandrodung von Wäldern setzen Unmengen Ruß frei, braune Wolkenschleier ziehen bis hinaus über den Indischen Ozean. Sie erreichen dann auch Urlaubsparadiese wie die Malediven. Dorthin zog es im März 2006 Forscher aus den USA. Nicht der Strände, sondern des Dunstes wegen. Unter ihnen Veerabhadran Ramanathan, gebürtiger Inder und heute Professor für Klimawissenschaften an der Universität von Kalifornien in La Jolla. Die Wissenschaftler hatten drei kleine, unbemannte Messflugzeuge im Gepäck. Ramanathan:

"Wir wussten, dass die braunen Wolken Sonnenlicht absorbieren und sich dabei erwärmen, aber nicht wie stark. Um das zu ermitteln, brauchten wir die drei Messdrohnen. Eine von ihnen flog in Bodennähe, die zweite direkt unter den Wolken und die dritte darüber, in rund drei Kilometern Höhe. Jede von ihnen wiegt nicht einmal 40 Kilogramm. Wir haben für sie spezielle Miniatur-Strahlungsmesser entwickelt."

Bis zu vier Stunden lang waren die Winzlinge auf ihren Messflügen über dem Ozean unterwegs. Viel präziser als es Satelliten oder Forschungsballone könnten, erfassten die Drohnen die Strahlungseigenschaften des Smogs. Die Ergebnisse erstaunten sogar den Projektleiter: Dort, wo der braune Dunst über den Meer liegt, erwärmt sich die Atmosphäre viel stärker als anderswo. Der Unterschied beträgt 50 Prozent. Ramanathan:

"”Wie sollte man unsere Ergebnisse nun einordnen, im Kontext mit dem, was der Weltklimarat sagt: Dass Aerosole die Atmosphäre kühlen und nicht aufheizen? Nun, global gesehen stimmt das sicher. Aber unsere Studie zeigt: Regional kann es durchaus anders sein. Vor allem in Asien, wo der Schwebstaub viel Ruß enthält und die Atmosphäre aufheizt.""

Aus Satellitenbeobachtungen weiß man inzwischen, dass sich der braune Dunst während der Trockenzeit großräumig über Südostasien und das angrenzende Meer verteilt. Er dringt auch bis zum Himalaya vor, dem höchsten Gebirge der Erde. Dort können die Aerosole fast bis auf Gipfelniveau hinauf befördert werden. Der Himalaya ist Klimaforschern ein Rätsel. Viele seiner Gletscher schmelzen rapide; die Lufttemperatur in größeren Höhen steigt derzeit um ein Viertel Grad pro Jahrzehnt - doppelt so stark wie im Tal. Und niemand weiß so recht, warum. US-Forscher Ramanathan tippt auch hier auf den Einfluss der braunen Rußwolken:

"”Wir haben das in einem Klimamodell überprüft, zunächst nur mit Treibhausgasen. Das genügte aber nicht, um einen so starken Erwärmungstrend wie im Himalaya zu erzeugen. Erst als wir auch die Rußpartikel aus den braunen Wolken in das Modell einbauten, kamen wir in etwa auf die 0,25 Grad pro Jahrzehnt. Demnach braucht man den Ruß, um die ungewöhnliche Erwärmung im Himalaya zu erklären.""

Nach dieser Überlegung heizen dreckige Kohlekraftwerke und weitflächige Brandrodungen in Asien dem höchsten Gebirge der Welt zusätzlich ein - und sorgen dafür, dass seine Gletscher noch schneller abschmelzen. Stimmt das, dann sind frühere Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Wenn die Luft in Ländern wie China immer sauberer werde, schade das dem Klima, hatte es geheißen. Weil dann weniger kühlende Aerosole in die Luft gelangten. Jetzt, da sich zeigt, dass der hohe Rußanteil im fernöstlichen Dunst die Atmosphäre stark erwärmt, muss man wohl eher sagen: Je früher Südostasien auf Luftreinhaltung setzt, desto besser fürs Klima.

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