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StartseiteCampus & KarriereLeerplan statt Lehrplan12.08.2017

Bremer GrundschulenLeerplan statt Lehrplan

An vielen Bremer Grundschulen fehlen zum Schulstart Lehrer. Studenten und Gymnasiallehrer sollen die Lücken im Lehrplan schließen - doch sie sind für den Job nicht immer geeignet. Ein Besuch an einer Bremer Grundschule, die sich mehr Wertschätzung für ihre Arbeit wünscht.

Von Almuth Knigge

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Ein leeres Klassenzimmer einer Schule am Mittwoch (04.11.2009) in Leipzig. Wegen der Schweinegrippe ist am gleichen Tag die vierte Schule in Sachsen-Anhalt geschlossen worden. (dpa / Peter Endig)
Damit die Klassenzimmer zum Schulanfang nicht leer bleiben, müssen Grundschulleiter erfinderisch werden. (dpa / Peter Endig)
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Bremen Huchting gilt als "Problemstadtteil", mit hoher Arbeitslosigkeit und hohem Migrantenanteil. Das heißt: Die Sozialindikatoren sind nicht besonders gut. Gerade deshalb legt das Kollegium der Grundschule an der Delfter Straße viel Wert darauf, dass die Schule einen fröhlichen, normalen Eindruck macht, umgeben von viel Grün, frisch und bunt gestrichen.

Und mittlerweile fehlen der Schulleiterin Fraukle Brandt nur noch Lehrer für 20 Wochenstunden. Nur noch.

Lehramtsstudenten springen ein

"Also es war sehr schwierig, ich hab auch wieder viele Studenten, mit zehn Stunden, mit acht Stunden, mit drei Stunden, also ich hab alles genommen, was ich irgendwie kriegen konnte, und hab mir überlegt, wie kann ich die Einsetzen, und das klappt wunderbar."

Auch ein junge Kollege ist dabei, der studiert hat, um Politik und Sport am Gymnasium zu unterrichten, erst aber in einer Grundschule mal "Üben" wollte. Frauke Brandt kannte ihn - und versuchte es.

" Und als er kam, die erste Woche, hat er nur gesagt, boah, ich hab gar nicht gedacht, dass das in der Grundschule so toll ist."

Die Schüler fanden ihn toll, er hat Liebesbriefe bekommen, als Mann im Kollegium war er auch fast ein Exot - aber, erinnert sie sich: "Er hat natürlich im Laufe des Jahres schon gemerkt, dass die Arbeit nicht so einfach ist."

Gymnasiallehrer an Grundschulen

In Niedersachsen - und auch in anderen Bundesländern, werden jetzt mehr Lehrer diese Erfahrung machen. Weil 115 Lehrer an den Grundschulen fehlen, werden Gymnasiallehrer abgeordnet. Mehr oder weniger freiwillig. Das sieht der 17-Punkte-Plan von Bildungsministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) vor.

"Hier geht es darum, dass Schulen, wenn sie eine Lehrkraft an eine Grundschule abordnen, dann sogar eine zusätzliche Stelle zur Einstellung bekommen, so dass dort eine Win-Win-Situation eintreten kann."

Die Bremerin Frauke Brandt sieht das kritisch, Gymnasiallehrer an die Grundschulen? Zum Löcher stopfen, das funktioniert nicht, sagt sie.

Für die Grundschullehrer steht das "Wie" im Vordergrund

"Also wir haben ja wesentlich mehr Pädagogik im Studium" - das hat eine andere Kollegin, die eigentlich für die Sekundarstufe zwei studiert hat, gleich nach einer Woche gemerkt.

"Und die hat am ersten Tag gedacht, nee, sie kündigt wieder, das hat sie so sich nicht vorgestellt. Und auch die Art und Weise, wie sie mit den Kindern gesprochen hat - ganz anders. Sie muss sich richtig umstellen, sie muss sich auf die Kinder einlassen."

Für die Grundschullehrer steht das "Wie" im Vordergrund, bei den Gymnasiallehrern das "Was", also das "Fachliche" - eine gute Pädagogik ist dann eher die Kür. Auch wenn das natürlich für alle Schüler wünschenswert wäre.

"Man kann sich nicht vor eine Klasse stellen bei uns und für alle das Gleiche machen. Die sind ja nicht gleich."

Andere Herausforderungen - schlechtere Bezahlung

Aber das sind die Schüler auf den weiterführenden Schulen auch nicht. Es wäre also für alle Studierenden und auch noch für Gymnasiallehrkräfte sinnvoll, immer mal wieder in die Grundschulen hineinzuriechen, schlägt Frauke Brandt vor, dann hätte es folgende Begebenheit nicht gegeben.

"Also die Kollegin, die letzte Woche angefangen hat, die hat auch Deutsch studiert, und hat gesagt, ja ich hab schon fünf Jahre gearbeitet in Niedersachen, ich kenn mich damit aus, dann hat sich mich gefragt, wie muss ich denn die Buchstaben aussprechen, ich sage, 'nicht wie das ABC, sondern A, be, ce, de', und das fand sie erst ganz komisch. Ich habe gesagt, wir haben auch einen RAP, damit führst du die Buchstaben ein, wirklich grundlegend, das hat sie sich so nicht vorgestellt, dass das so... Wir fangen ja bei Null an, und es ist schon 'ne Herausforderung."

Und Frau Brandt findet nebenbei auch - dass Grundschullehrer angesichts dieser Herausforderung nicht ausreichend bezahlt werden. Und auch die Wertschätzung für Grundschulen muss sich ändern. Die aktuelle Diskussion in Niedersachen zeigt auch die Haltung der Politik gegenüber den Problemen. Die Gleichung "Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen" ging noch nie auf.

"Und wenn wir nicht eine gute Arbeit leisten in der Grundschule und nicht ein gutes Fundament legen, dann wird da auch später nichts draus erwachsen können, das muss einfach anerkannt werden, und - na ja, da sind wir ja auch immer dran an dem Thema."

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