• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteKommentare und Themen der WocheHoffen auf Vernunft31.08.2017

Brexit-GesprächeHoffen auf Vernunft

Vernunftgesteuerte Überlegungen hätten bei der dritten Verhandlungsrunde über den EU-Austritt Großbritanniens keine Rolle gespielt, kommentiert Bettina Klein. Zum Glück werde ja auch zwischen den Begegnungen in Brüssel weiter beraten. Und so bleibe zu hoffen, dass in den nächsten Wochen die Vernunft einkehre.

Von Bettina Klein

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die dritte Runde der Brexit-Verhandlungen in Brüssel - Bild vom 31.08.2017 (AFP / POOL)
Die dritte Runde der Brexit-Verhandlungen in Brüssel (AFP / POOL)
Mehr zum Thema

Dritte Verhandlungsrunde Kein Fortschritt beim Brexit

Britischer Politologe zu Brexit-Verhandlungen "Wie kann man mit Mehrdeutigkeit zu einer Position kommen?"

Großbritannien und die EU Nächste Runde der Brexit-Verhandlungen

Die Briten wollten diese Scheidung, also sind sie es auch, die nach menschlichem Ermessen einen Erfolg in die Zukunft projizieren. Bei den Bürgerrechten habe es Fortschritte gegeben, bei der Nordirlandfrage. Überhaupt hat es demnach wichtige Fortschritte gegeben. Der britische Verhandlungsführer zeigt sich wesentlich weniger pessimistisch als sein Counterpart Michel Barnier. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier beinharte Verhandler am Werke sind. Und sich hinter den Kulissen einiger Frust gegen die EU-Kommission aufgestaut hat. Insbesondere zu wenig Flexibilität und Fantasie lege die an den Tag, so wie sie es bei der Nordirlandfrage doch selbst verlangt hat.  

Großbritannien muss die Realitäten anerkennen

In den letzten Tagen hörte man auf Seiten des Königreiches deutliche Verstimmung darüber, dass die Briten als wenig ernsthaft, unseriös und schlecht vorbereitet porträtiert werden - nur weil sie in wichtigen Punkten andere  Positionen vertreten als die EU. Verhandlungen könnten doch nicht ernsthaft bedeuten, die EU fordert und die andere Seite stimmt zu. Alles schön und gut. Doch Großbritannien muss die Realitäten anerkennen. Ein Mandat von 27 Staaten ist kein Spruch des Politbüros, dessen Befolgung Starrsinn verrät, sondern eine demokratisch legitimierte Verhandlungsgrundlage. Wenn Michel Barnier diese nicht einfach über den Haufen wirft, ist das noch kein Zeichen von Inflexibilität. 

Es wäre sinnvoll, sich mit der Abfolge zu arrangieren

Die Abfolge der Verhandlung – erst die Scheidung, dann die Zukunft - ist also festgelegt. Es wäre sinnvoll, sich damit zu arrangieren. Aber auch in andern Fragen demonstrieren die Briten Kampfeswillen. Keine finanziellen Verpflichtungen nach 2019 mehr. Die EU bliebe auf langfristig gemeinsam eingegangen Verpflichtungen sitzen. "Versuchen kann man es ja mal", aber gerecht wäre das nicht. Wieviel von der zur Schau getragenen Zuversicht auf britischer Seite realistisch ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Es wird ausreichend Fortschritt in den strittigen Kernfragen geben müssen, bevor man sich auf in die Zukunft macht, daran wird  kein Weg vorbeiführen.  

Diejenigen, die auf britischer Seite wirklich an den Verhandlungen beteiligt sind, lassen erkennen, dass dies kein einfaches Geschäft für sie ist. Auch wenn es bei der Irland-Frage und teilweise auch bei den Bürgerrechten Annäherung gegeben hat. So vernunftgesteuerte Überlegungen wie eine längere Übergangsfrist, in der vielleicht sogar der Binnenmarkt weiter erhalten bleibt, spielten heute öffentlich überhaupt keine Rolle. Zum Glück wird ja auch zwischen den Begegnungen in Brüssel weiter beraten. Es bleibt zu hoffen, dass dabei in den nächsten Wochen die Vernunft einkehrt.  

Bettina Klein (Bettina Fürst-Fastré)Bettina Klein (Bettina Fürst-Fastré)Bettina Klein ist Korrespondentin des Deutschlandradio im Studio Brüssel. Zuvor war sie seit 2004 Moderatorin und Redakteurin der aktuell-politischen Sendungen im Deutschlandfunk, davor im Deutschlandradio Kultur. Korrespondentenvertretungen in Washington. Recherche-Jahr in den USA. Volontariat im RIAS Berlin und Studium der Fächer Religionswissenschaften, Geschichte und Politik.

 

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk