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StartseiteWirtschaft am MittagBrillante Denkerin mit profundem Wissen24.01.2012

Brillante Denkerin mit profundem Wissen

Die neue BaFin-Chefin Elke König ist bei Analysten beliebt

Wie effektiv die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeitet, das hängt nicht zuletzt von einer guten Führungsriege ab. An der Spitze der Anstalt findet nun offiziell ein Wechsel statt: Jochen Sanio gibt den Stab weiter an die Bilanzrechts-Expertin Elke König.

Von Michael Braun

"Brillant" und "inhaltlich stark", so schwärmen Analysten über Elke König. (Thomas Lohnes/dapd)
"Brillant" und "inhaltlich stark", so schwärmen Analysten über Elke König. (Thomas Lohnes/dapd)

Man kennt sie mit randloser Brille, kurzem, fast pagenartigem Haarschnitt, höflichem, aber selbstbewusstem Auftritt. Die, die sie so kennen, gehören der kleinen Kaste der Finanzanalysten an. Große öffentliche Bekanntheit geht Elke König nicht voraus. Mit den Analysten hatte sie in ihren acht Jahren als Finanzvorstand der Hannover Rück zu tun. Und da gab sie als Gesprächspartnerin ein offenbar rundum positives Bild ab: "ziemlich brillant", "inhaltlich stark", "profundes Wissen", so schwärmen die meist männlichen Analysten über ihre Gesprächspartnerin. Und wenn sie ein kritisches Wort verlieren, dann allenfalls das, dass Elke König ihre berufliche Prägung stark in der Versicherungsbranche erfahren hat.

Jetzt soll sie aber Banken kontrollieren. Aufseiten der Bundesbank besorgt das deren Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Zwei Frauen also mit einer immens wichtigen Aufgabe. Elke Königs Vorgänger Jochen Sanio wusste, wie zweischneidig diese Aufgabe ist. Denn wo viel reguliert wird, hat er erfahren, da gebe es auch starke Impulse, diese Regulierung zu umgehen:

"Der Anreiz, durch Ausweichen ins Schattenbankensystem Regulierungsarbitrage zu betreiben, ist durch die Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen für Banken stark gestiegen. Wir müssen dieses gefährliche Spiel stoppen, indem wir die Schattenspieler durch harte Regeln an die Kandare legen, sonst wird der Schattenbankenbereich der Wachstumssektor der Finanzindustrie."

Natürlich haben sich die Regierungen etwa im Rahmen der G-20-Gruppe um Internationalisierung der Bankenaufsicht bemüht. Seit 1. Januar vorigen Jahres arbeitet die Europäische Bankenaufsicht, kurz: EBA, mit Sitz in London. Ihre Stresstests, mit der sie die Branche überzogen hat, kamen aber nicht gut an: viel Bürokratie, oft nachgeschobene Stressszenarien. Nicht nur die deutschen Banken stöhnten. Andreas Schmitz, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken:

"Es trägt nicht zur Vertrauensbildung letztendlich im europäischen Bankenmarkt bei, wenn die EBA so agiert wie sie agiert."

Das Verhältnis zur europäischen Bankenaufsicht klären, wird also eine Aufgabe von Elke König sein, wenn sie nun in den Alltag als Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einsteigt. Weitere Themen: Die mögliche Fusion von Deutscher Börse mit der amerikanisch-französischen Nyse Euronext begutachten, also die Säule des Wertpapierhandels in Kontinentaleuropa. Und natürlich neben den Hedgefonds und anderen Schattenbanken die klassischen Banken nicht vergessen, die womöglich nicht alle die steigenden Eigenkapitalanforderungen erfüllen werden und über kurz oder lang aus dem Markt ausscheiden müssen, dies aber bitte geordnet. Bundesbankvorstand Andres Dombret warnte schon:

"Auch aus Erfahrungen in anderen Ländern wie etwa in Japan ist bekannt, wie gefährlich es sein kann, Überkapazitäten im heimischen Bankensystem nicht aus dem Markt zu nehmen."

Und dann bleibt noch das Problem, dass die übrig bleibenden Banken vermutlich große Banken sein werden – mit für den Fall des Falles großem Risiko für die gesamte Volkswirtschaft.

Knapp zwei Jahre in London an führender Stelle bei der Organisation, die internationale Bilanzstandards festsetzt, haben Frau Königs internationales Wissen gemehrt. Stress hat die verheiratete Frau des Jahrgangs 1954 auch schon früher ausgehalten, als der Sohn in der Schlussphase des Studiums und die Tochter kurz nach dem Wirtschaftsprüferexamen geboren wurden. Der "FAZ" sagte sie, Familie und Beruf seien "gemeinsam ein großes Glück."

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