Kommentar /

 

Britischer Versöhnungsversuch

Die Queen besucht Irland

Von Jochen Spengler, Büro London

Kleine Geste: Die britische Königin Queen Elizabeth II.trägt bei ihrem Irlandbesuch das irische Grün.
Kleine Geste: Die britische Königin Queen Elizabeth II.trägt bei ihrem Irlandbesuch das irische Grün. (AP)

Erbfeinde waren sie und führten drei blutige Kriege binnen 75 Jahren – und doch haben sie gemeinsam nur fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Europa aufgebaut und 1963 offiziell Freundschaft geschlossen – Franzosen und Deutsche.

Wie unverständlich mag es da einen Europäer anmuten, dass es 100 Jahre dauerte, bis ein britischer Monarch wieder den Boden der Nachbarn und einstigen Untertanen betritt.

Dies zeigt nicht nur die überragende historische Bedeutung des jetzigen Staatsbesuchs der Queen in der Republik Irland – es zeigt auch, wie problematisch, kompliziert und angespannt das Verhältnis beider Staaten bis heute war.

Als schwerste Hypothek erwies sich die jahrhundertealte gemeinsame, blutige Geschichte, die so überaus einseitig verlaufen ist und ein Schwarz-Weiß-Bild hinterlassen hat: hier die Briten, die Eroberer, die reichen Herrenmenschen, die anglikanischen Ausbeuter mit der tief sitzenden Überzeugung unerschütterlicher Überlegenheit – dort die Iren, die Eroberten, die armen Knechte, die ausgebeuteten Katholiken mit einem bis heute nicht völlig verschwundenen Minderwertigkeitskomplex.

Erst 1921 befreiten sich die Iren vom britischen Joch, erkämpften ihre Unabhängigkeit. Wenn auch nicht vollständig. Teile Ulsters, der wohlhabenden nordirischen Provinz, blieben britisch besetzt und über Jahrzehnte ein Stachel im Fleisch der grünen Insel, der eine Normalisierung zwischen London und Dublin verhinderte. Erst recht als Ende der 1960er-Jahre der Konflikt zu einem blutigen Kampf zwischen den historischen Lagern eskalierte. Fast 4000 Tote und mehr als zehnmal so viele Verletzte kostete er und wurde erst unter hilfreicher Vermittlung der EU mit dem Karfreitagsabkommen 1998 formell beendet.

Im selben Jahr lud Irlands Präsidentin Mary McAleese Königin Elizabeth zum Staatsbesuch ein. Seither sind weitere 13 Jahre vergangen, Zeit, die benötigt wurde, um den Friedensprozess in Nordirland zu festigen und das Abkommen vollständig umzusetzen. Vor Rückschlägen ist auch jetzt niemand gefeit, ebenso wenig vor den Terrorattacken ewig Gestriger.

Um so bedeutender ist der Besuch der 85-jährigen Monarchin, ein Versöhnungsversuch, den die übergroße Mehrheit der Iren begrüßt. Ohne die Vergangenheit zu vergessen, wollen sie nach vorn blicken. Die Queen macht es ihnen leicht, mit kleinen Gesten wie dem Irisch-Grün ihrer Kleidung und mit starken Symbolen wie der Verneigung vor den irischen Freiheitshelden, die einst gegen Großbritannien kämpften und fielen.

Heute wurde in Dublin ein neues Kapitel aufgeschlagen, hinter das beide Staaten nicht mehr zurück können.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Ein historischer Moment

 

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

Der BND in der TürkeiSpionieren mit gutem Recht

Graues Schild mit blauer Aufschrift "Bundesnachrichtendienst" vor einer grauen Mauer und blauem Himmel

Geheimdienste heißen Geheimdienste, weil sie geheim arbeiten, kommentiert Brigitte Fehrle von der "Berliner Zeitung" im DLF. Der Vorwurf mancher Parlamentarier gegenüber dem BND, man sei in Sachen Türkei-Spionage nicht informiert worden, ist abwegig.

Waffenlieferung in den Irak Bundestag sollte abstimmen

Ein Panzergrenadier reicht dem Kommandanten eines Schützenpanzer vom Typ "Marder" eine Startvorrichtung für eine Panzerabwehrwaffe vom Typ "Milan".

Wenn Deutschland Soldaten ins Ausland schickt, muss unser Parlament darüber entscheiden; werden Waffen geliefert, hat es jedoch nichts zu melden. Höchste Zeit, dies endlich zu ändern, kommentiert Frank Capellan.

Russischer HilfskonvoiAlle Hoffnungen zerstört

Ein russischer Hilfskonvoi macht sich in der Nähe von Moskau auf dem Weg in die Ostukraine.

Russland hat seinen umstrittenen Hilfskonvoi ohne Zustimmung der Ukraine über die Grenze geschickt. Moskau bemüht sich nun nicht einmal mehr um den Anschein, die Souveränität der Ukraine zu achten, kommentiert Florian Kellermann. Ziel von Vermittlungen sollte deshalb eine internationale Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze bleiben.