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Britisches Pfund profitiert von der Eurokrise

Gegenüber dem Dollar schwächelt die Währung jedoch

Von Michael Braun

Eine Zehnpfundnote mit dem konterfei Queen Elisabeth II.
Eine Zehnpfundnote mit dem konterfei Queen Elisabeth II. (Stock.XCHNG - Steve Knight)

Großbritannien hat eine stärkere Integration auf dem jüngsten EU-Gipfel strikt abgelehnt. Das aber bleibt auch wirtschaftlich nicht folgenlos. Der Kurs des Pfund ist zumindest kurzfristig deutlich gestiegen.

Das Pfund scheint ungerührt. Heute genügten knapp 85 Pence, um einen Euro zu bezahlen. So preiswert war die Gemeinschaftswährung zuletzt Anfang März. Monika Boven, die namens der DZ Bank Großbritannien beobachtet, meint, das spreche aber nicht unbedingt für das Pfund:

"Das Pfund hat ganz sicher in den letzten Monaten sehr stark davon profitiert als sicherer Hafen. Es ist weniger eine Stärke des Pfundes als eher eine Schwäche des Euro."

Nach heutiger Markteinschätzung dürfte das anhalten. Denn im Moment glauben die Märkte noch nicht recht daran, dass die Gipfelbeschlüsse von vorigem Freitag den Euro dauerhaft stabilisieren werden. Das dürfte das Pfund weiter stützen.

"Das stärkt das Pfund derzeit. Wir sehen auch im Moment noch nicht, dass sich das Sentiment relativ rasch wenden könnte. Solange die Krise für den Euroraum nicht gelöst ist, wird das Pfund auch weiter profitieren als sicherer Hafen, von der Tendenz her eher stärker werden als schwächer."

Dies aber vermutlich nur gegenüber dem Euro. Schon heute gab das Pfund gegenüber dem amerikanischen Dollar nach. Mit einem Dollar 55 34 brachte ein Pfund so wenig amerikanische Dollar wie in den vergangenen zwei Wochen nicht. Es baut sich womöglich eine latente Pfund-Schwäche auf, die vermutlich dann zum Durchbruch gelangen würde, wenn die Stabilisierung des Euro gelänge.

Zwar rechnen die Märkte Cameron hoch an, mit seinem Konsolidierungsprogramm die Neuverschuldung gestoppt, Steuern erhöht und im öffentlichen Dienst Stellen eingespart zu haben. Aber sie sehen auch die Nachteile seiner Strategie, sich im Kampf gegen die Finanztransaktionssteuer, also im Interesse des Finanzplatzes ins europäische Abseits zu stellen.

Sicher, wenig oder nur national kontrollierte Finanzmärkte sind bei Hedgefonds und anderen spekulativ ausgerichteten Investoren beliebt. Aber diese Politik würde die britische Abhängigkeit von der Finanzindustrie verstärken. Sie liefert jetzt schon rund elf Prozent des Steueraufkommens, trägt jetzt etwa zehn Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Leistung bei, genauso viel wie die Industrie, die in Deutschland doppelt so viel, rund 20 Prozent, zur gesamtwirtschaftlichen Leistung beisteuert.

Und ein Großbritannien, das außen vor bliebe, wenn die EU weiter zusammen rückt, würde als Industriestandort mehr und mehr an Attraktivität verlieren. Monika Boven:

"Da werden sich sowohl die europäischen Firmen als auch internationale Investoren schon die Frage stellen, ob Großbritannien da weiter attraktiv ist. Wenn internationale Investoren in den Euro-Binnenmarkt eintreten möchten, dann werden sie sich überlegen, ob sie das weiterhin in Großbritannien machen werden. Dann werden sie ein anderes Land suchen."

Bisher sind die Verflechtungen eng. Knapp 51 Prozent der Importe kommen aus der EU, knapp 54 Prozent der Exporte gehen in die EU.



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