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Brüderle hat mit Röslers asiatischer Herkunft ein Problem

Der Vergleich Bambus und Eiche spreche dafür

Von Christoph Scheffer, Hessischer Rundfunk

Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle
Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Die Vorwürfe gegen Jörg-Uwe Hahn (FDP), er sei ein Rassist, seien falsch, sagt Christoph Scheffer. Wer wirklich ein Problem mit der asiatischen Herkunft von FDP-Chef Rösler habe, sei hingegen Rainer Brüderle, ergänzt er. Dafür spreche sein der Vergleich mit dem schwankenden Bambusrohr (Rösler) und ihm selbst, der standfesten deutschen Eiche.

Eines vorweg: Jörg-Uwe Hahn ist kein Rassist. Als erster Integrationsminister in Hessen hat Hahn gegen den Widerstand einer konservativen Landes-CDU vieles durchgesetzt: ein klares Bekenntnis zur Einwanderung, den Schulbesuch für Kinder von illegalen Zuwanderern, den islamischen Religionsunterricht. Wenn Hahn nun sagt, er habe mit seinen umstrittenen Äußerungen über Philipp Rösler vor einem "unterschwelligen Rassismus in der Gesellschaft" warnen wollen, unter dem auch der Vizekanzler zu leiden habe, dann glaube ich ihm das.

Dies aber hätte Hahn klipp und klar und unmissverständlich formulieren müssen. Statt dessen hat er die suggestive Frage in den Raum gestellt, ob die Gesellschaft einen "asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren" bereit sei. In einem Zeitungsinterview, das noch einmal gegengelesen und freigegeben wird, darf so ein verunglückter Satz nicht stehen bleiben. Jetzt erscheint Hessens FDP-Chef wieder einmal als unberechenbarer Polterer, der mit kruden Argumenten und unbedachten Sprüchen gegen die eigene Parteispitze schießt. Die hat jetzt ohne Not eine neue Rösler-Debatte an der Backe und wird sich bei Hahn entsprechend bedanken.

Den Oppositionsparteien in Wiesbaden wie in Berlin hat der hessische FDP-Chef eine glänzende Vorlage geliefert. Nach dem Sexismus-Vorwurf gegen Brüderle kommt nun der Rassismus-Verdacht gegen Hahn. Die FDP bleibt Zielscheibe für Hohn und Spott.

Natürlich gibt es in Deutschland einen latenten Rassismus, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Doch bezogen auf Philipp Rösler war es eben erst Jörg-Uwe Hahn, der dessen asiatische Herkunft überhaupt zum Thema gemacht hat. Röslers vietnamesische Wurzeln- so behaupte ich - waren der breiten Öffentlichkeit bisher völlig gleichgültig - ebenso wie die Homosexualität von Außenminister Westerwelle oder die Tatsache, dass Bundespräsident Gauck in einer so genannten "wilden Ehe" lebt. Hahn hat - in vermeintlich aufklärerischer Absicht - zum Problem erklärt, was für die Gesellschaft zumindest im Falle Rösler gar keines mehr ist.

Nur einer scheint wirklich ein Problem mit der asiatischen Herkunft Röslers zu haben: Rainer Brüderle nämlich. Der hatte Rösler mit einem schwankenden Bambusrohr und sich selbst mit einer standfesten deutschen Eiche verglichen - verbunden mit dem Hinweis, deshalb sei die Eiche hier heimisch und der Bambus nicht. Ein öffentlicher Widerspruch Jörg-Uwe Hahns gegen Brüderles Gleichnis ist nicht bekannt. Hier aber wäre eine Warnung vor unterschwelligem Rassismus tatsächlich am Platz gewesen.

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