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StartseiteForschung aktuellFlüsternde Babys26.04.2017

BuckelwaleFlüsternde Babys

Manche Eltern würden sich von ihren Kindern wohl ein ähnliches Kommunikationsverhalten wünschen wie das der Buckelwal-Babys. Denn statt laut zu heulen oder zu quietschen, flüstern die Jungtiere mit ihren Müttern. Ein Forscherteam hat nach den Gründen für die ungewöhnlichen Lautäußerungen gesucht - und gleich zwei Erklärungen gefunden.

Von Volker Mrasek

Ein junger Buckelwahl schwimmt im Meer nahe der Dominikanischen Republik.  (imago / Westend61)
Die neugeborenen Buckelwal-Kälber kommunizieren vermutlich leise mit ihren Müttern, um Feinde nicht auf sie aufmerksam zu machen - so eine These (imago / Westend61)

Es ist keine quietschende Stalltür und auch kein grunzender Ochse. Es sind die Lautäußerungen eines männlichen Buckelwals. Aufgenommen von Peter Teglberg Madsen. Er leitet das Labor für marine Bioakustik an der Universität von Aarhus in Dänemark.

Die bis zu 16 Meter langen Meeressäuger sind dafür bekannt, dass sie laut vernehmliche Gesänge im Ozean anstimmen. Doch bei anderer Gelegenheit halten sich die Tiere vornehm zurück. So kommunizieren neugeborene Kälber mit ihren Müttern: Die Buckelwal-Babys knurren oder quietschen nicht. Sie flüstern bloß, wie Simone Videsen sagt. Die Biologin von der Universität Aarhus hat die leisen Laute der Jungtiere so deutlich wie noch nie eingefangen. Mit Mikrofonen, die direkt auf der Haut der Kälber saßen und deren Tauchgänge mitmachten. Das alles vor der Nordwestküste Australiens, einer bekannten Kinderstube von Buckelwalen.

"Es ist das erste Mal, dass diese Laute quasi an Bord der Jungtiere aufgenommen wurden. Mit Geräten, die so klein sind wie ein Mobiltelefon und vier Saugnäpfe haben. Damit haften sie auf der Haut der Wale. Wir nähern uns den Tieren vorsichtig mit einem Boot und einer langen Stange und setzen unsere Rekorder auf ihnen ab. Die Geräte sind so programmiert, dass sie sich nach 24 Stunden wieder lösen und zur Meeresoberfläche aufsteigen. Mit Radiosendern spüren wir sie dann auf", sagt Simone Videsen.

These 1: Schutz vor Orcas

Warum dieses Wispern zwischen neugeborenen Kälbern und ihren Müttern? Simone Videsen vermutet: Es hat mit einer anderen Wal-Art zu tun, die sich vor Ort rumtreibt mit Orcas oder Killerwalen:

"Diese Buckelwale könnten sich so leise verhalten, um nicht von Fressfeinden gehört zu werden. Orcas sind da definitiv die wichtigsten. Sie jagen vor allem die kleinen und nicht so wehrhaften Kälber. Ihnen hilft das Flüstern, um unerkannt zu bleiben. Die Laute, die wir von ihnen aufgenommen haben, reichten nur etwa hundert Meter weit. Während die Gesänge männlicher Buckelwale noch Kilometer entfernt zu hören sind", so Videsen.

These 2: Männliche Buckelwale nicht aufmerksam machen

Nach der Geburt ziehen Mutter und Kind in das krillreiche Südmeer rund um die Antarktis. Eine strapaziöse Reise über mehrere tausend Kilometer. Das Kalb wird dabei ständig von der Mutter gesäugt.

Es könnte auch sein, dass beide nur flüstern, um zu verhindern, dass männliche Buckelwale auf das Weibchen aufmerksam werden und versuchen, sich mit ihm zu paaren. Dann könnte das Kalb zu kurz kommen oder sogar von seiner Mutter getrennt werden. Wie auch immer: Buckelwale sind offenbar nicht nur Meister der lauten, sondern auch der leisen Töne.

 

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