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StartseiteCampus & KarriereBüchergeldspender gesucht22.08.2011

Büchergeldspender gesucht

Website ruft Stipendiaten zu Spenden an Bildungsprojekte auf

Die Sprecherin von "Stipendienspenden", Ines Burckhardt, hält die einkommensunabhängige Erhöhung des Büchergeldes im Zuge der Einführung des Deutschlandstipendiums für sozialpolitisch falsch. Mit ihrer Website will die Initiative erreichen, dass bemittelte Stipendiaten das zusätzliche Geld an Bildungsprojekte spenden.

Ulrike Burgwinkel im Gespräch mit Ines Burckhardt

Viele Stipendiaten brauchen das zusätzliche Geld nicht. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Viele Stipendiaten brauchen das zusätzliche Geld nicht. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Ulrike Burgwinkel: Seit April bekommen alle Stipendiaten der etablierten Begabtenförderwerke mehr Büchergeld: Statt 80 Euro gibt es jetzt 150 Euro, einkommensunabhängig. Eine gute Nachricht eigentlich. Aber wer braucht dieses Geld wirklich? Einige derjenigen, die in den Genuss von 70 Euro extra gekommen sind, haben jetzt eine Initiative gegründet: "Stipendienspenden" heißt sie. Ines Burckhardt ist Sprecherin dieser Initiative, guten Tag, Frau Burckhardt!

Ines Burckhardt: Hallo!

Burgwinkel: Frau Burckhardt, was will Ihre Initiative erreichen?

Burckhardt: Wir wollen erreichen, dass diejenigen Stipendiaten, die auf das zusätzliche Büchergeld nicht angewiesen sind, weil sie dadurch nicht unbedingt besser studieren oder leben können, dieses Geld sozialverantwortlich spenden an drei Projekte, die wir ausgewählt haben und vorstellen auf unserer Website, und anbieten, dass die Stipendiaten dorthin spenden können.

Burgwinkel: Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Burckhardt: Wir haben das sehr kritisiert, dass diese Büchergelderhöhung eben einkommensunabhängig stattgefunden hat, das heißt, dass nicht darauf geachtet wird, ob die Stipendiaten das Geld wirklich brauchen. Also, natürlich gibt es welche, die dieses zusätzliche Geld brauchen, aber es gibt eben viele, die darauf nicht angewiesen sind, was auch Studien belegen zu der sozialen Herkunft der Stipendiaten. Und da sagen wir eben, wir haben eine soziale Verantwortung, mit diesem Geld gut umzugehen und das eben an Projekte zu geben, an Bildungsprojekte, wo das Geld dann denjenigen zugutekommt, die das mehr brauchen.

Burgwinkel: Rechnen Sie denn mit Erfolg dieser Kampagne?

Burckhardt: Ja, wir haben bisher sehr positive Rückmeldung bekommen auch von Stipendiaten, die sagen, sie richten sofort einen Dauerauftrag ein. Wir können das zahlenmäßig jetzt natürlich noch nicht abschließen, weil die Website erst vor ein paar Tagen online gegangen ist und jetzt ja auch die ganze Werbung erst anläuft, aber es gibt sehr viele Stipendiaten aus allen Bildungs- ... , also aus allen Förderwerken, die dem sehr positiv gegenüberstehen.

Burgwinkel: Und wie soll das Ganze genau funktionieren?

Burckhardt: Also, wir haben diese Website stipendienspenden.de, für die wir auch gerade viel Werbung machen, und dort werden diese drei Bildungsprojekte vorgestellt, für die die Stipendiaten spenden können. Und dort kann man sich informieren und wir stehen mit diesen Projekten eng in Kontakt, die uns dann rückmelden, was sie mit dem Geld machen, also dass das alles transparent läuft. Und die Stipendiaten richten dann einfach bei sich einen Dauerauftrag ein. Also, wir sind nur die Vermittler.

Burgwinkel: Und welche Projekte kommen dann in den Genuss der gespendeten Gelder?

Burckhardt: Also, das sind drei Projekte. Das eine heißt "Rock your life", die unterstützen Hauptschüler durch Coaches, die ihnen zur Seite gestellt werden; dann gibt es ein Projekt, das lokal arbeitet, also in Berlin, das heißt "Plan MSA", dort werden in Kreuzberg Schüler unterstützt bei der Erreichung ihres mittleren Schulabschlusses, also um aufs Gymnasium zu kommen, muss man so einen Test machen, und dabei werden sie unterstützt; und das dritte ist "ArbeiterKind" und die unterstützen Kinder aus Familien, deren Eltern nicht studiert haben, den Schritt zu gehen und auch bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten und so weiter.

Burgwinkel: Können denn auch Nichtstipendiaten spenden bei Ihnen?

Burckhardt: Ja! Wir freuen uns natürlich auch, wenn das bekannt gemacht wird, also auch von Nichtstipendiaten, die das gut finden, dass das verbreitet wird, und wir wollen auch eine Diskussion anstoßen. Auf unserer Website gibt es ein Diskussionsforum - und weil das natürlich auch eine bildungspolitische Frage ist und auch eine Diskussion sein soll, also da kann auch jeder mit diskutieren, der jetzt kein Stipendiat oder Stipendiatin ist.

Burgwinkel: Das war Ines Burckhardt, Stipendiatin der Studienstiftung. Und die Adresse für interessierte Stipendiaten oder auch Nichtstipendiaten lautet: www.stipendienspenden.de.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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