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StartseiteEuropa heuteFranzosen demonstrieren für Europa13.03.2017

Bürgerbewegung "Pulse of Europe" Franzosen demonstrieren für Europa

In Großbritannien haben viele Bürger erst am Tag nach dem Brexit-Votum realisiert, was die Europäische Union überhaupt ist. Um zu verhindern, dass sich das in anderen Ländern wiederholt, hatte die Bürgerbewegung "Pulse of Europe" in rund 40 europäischen Städten zu Demonstrationen für Europa aufgerufen. Inzwischen fasst sie auch in Frankreich langsam Fuß.

Von Stephanie Lob

In rund 40 europäischen Städten haben Menschen für Europa demonstriert. Drei Teilnehmer der Demos in Paris.  (Deutschlandradio/S. Lob)
In rund 40 europäischen Städten haben Menschen für Europa demonstriert, auch in Paris. (Deutschlandradio/S. Lob)
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"Vereint für Europa", skandieren rund 250 Menschen, die sich vor dem Einkaufszentrum Les Halles in der Pariser Innenstadt versammelt haben. Familien mit Kindern, Studenten, Rentner: Sie schwenken Europaflaggen und halten blaue Ballons mit den zwölf Sternen.

Sie alle sind dem Aufruf der Bewegung "Pulse of Europe" gefolgt. Sie wurde im November von einem Frankfurter Anwaltspaar gegründet. Nun versuchen ihre Anhänger, auch in Frankreich das Herz der Menschen für Europa schlagen zu lassen – knapp sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl.

Wichtigster Programmpunkt: Die Europahymne

Der Startup-Gründer Benjamin d’Hardemare ist über Freunde dazu gestoßen, er hat das inzwischen dritte Pariser Treffen mit organisiert.

"Wir wollen die Bürger an die Bedeutung des europäischen Projekts für den Frieden und für den gemeinsamen Wohlstand erinnern. In Großbritannien haben einige Leute erst am Tag nach dem Brexit-Votum realisiert, wie wichtig die EU ist."

In Frankreich wirbt die Rechtspopulistin Marine Le Pen für ein Referendum über den "Frexit", also den Austritt des Landes aus der EU. Laut Umfragen hat die Chefin des Front National gute Chancen, die erste Wahlrunde am 23. April für sich zu entscheiden.

D’Hardemare will sich zu ihren Aussichten lieber nicht äußern – überhaupt nimmt er ungerne die Namen französischer Politiker in den Mund.

"Wir sagen den Politikern: Ihr könnt alle kommen. Lasst Eure Parteibanner zu Hause und hisst die Europaflagge, die Fahne des Friedens."

D’Hardemare ist auch für den wichtigsten Programmpunkt zuständig: Die Europahymne. Bei den deutschen Pulse-of-Europe-Veranstaltungen hat das gemeinsame Singen schon Tradition. Den Franzosen hingegen merkt man an, dass sie diese Hymne nicht so gewohnt sind.

Viele Ausländer sind an diesem sonnigen Tag gekommen

Leonie Beisemann hat mit Inbrunst gesungen. Die 27-Jährige aus Speyer arbeitet in Paris für die OECD:

"Ich find die Idee von Europa total toll, ich bin eine Deutsche, die in Frankreich wohnt, und ich bin halt auch aufgewachsen mit der Idee, dass Europa in Frieden nur funktioniert, und dass auch gerade die deutsch-französische Freundschaft total wichtig ist. Deshalb finde ich es auch gut, dass man auch zeigt, dass man für die EU ist, weil ich auch sehr von der EU profitiert habe bisher."

Deutsche, Niederländer, Iren, Spanier – es fällt auf, dass viele Ausländer an diesem sonnigen Tag gekommen sind. Auch die Veranstalter sagen, Pulse of Europe habe in Frankreich sein Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft. Immerhin gebe es jetzt schon Demonstrationen in Lyon, Montpellier, Straßburg und Toulouse.

Um einen Rechtsruck in Europa zu verhindern, ist Carsten Jürgensen zu dem Treffen gekommen. Der Jurist aus Bayern lebt seit einigen Monaten in Frankreich.

"Wir sind in dem Sinn keine politische Bewegung und wir wollen ja auch keinen Wahlkampf machen. Insofern wäre es vielleicht auch vermessen zu denken, extrem orientierte Wähler durch unsere kleine Aktion überzeugen zu können, sich plötzlich pro-europäisch zu fühlen und zu verhalten. Dennoch glaube ich, dass man sensibilisieren kann und einfach auch wirklich Präsenz auf der Straße zeigt, und auch für Leute, die sich noch nicht so viele Gedanken gemacht haben, dass sie nicht leichtfertig wählen."

Nach der Demonstration gehen viele gut gelaunt nach Hause

Jürgensen hat seinen Freund mitgebracht, den Niederländer Niels Mijles. Er arbeitet für eine große britische Bank in Paris. Mijles findet Pulse of Europe wichtig, nicht nur wegen der Wahl in den Niederlanden am Mittwoch. Einen Sieg des Populisten Geert Wilders fürchtet er nicht:

"Ich habe keine Angst, im Gegenteil. Ein Teil der Bevölkerung wird ihre Enttäuschung zeigen. Die werden sich leider beeinflussen lassen. Ich glaube wir brauchen Europa, wir müssen es ändern, aber wir dürfen es wirklich nicht wegwerfen, weil ohne Europa – naja, wir kennen die Geschichte."

Nach gut einer Stunde löst sich die Versammlung auf. Viele gehen gut gelaunt nach Hause – weil sie endlich mal wieder Gleichgesinnte getroffen haben. Irgendwie erinnere ihn das Ganze an die Anfänge von Pegida, sagt ein deutscher Besucher noch – nur für die Völkerverständigung, nicht dagegen. Deshalb ist es vielleicht auch kein Zufall, dass zum Schluss die "Hymne des Mauerfalls" ertönt.

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