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StartseiteSport am WochenendeBundesliga im Netz?05.03.2011

Bundesliga im Netz?

Neue Rechtszenarien bedrohen die ARD "Sportschau"

Bis zur Saison 2012 / 2013 sind die Bundesliga-Spiele in der ARD-Sportschau ab 18 Uhr 30 im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen, doch ob das auch künftig noch so sein wird, ist fraglich.

Von Heinz Peter Kreuzer

Die Deutsche Fußball Liga sucht neue Verbreitungswege der Bundesliga (AP)
Die Deutsche Fußball Liga sucht neue Verbreitungswege der Bundesliga (AP)

Die Deutsche Fußball Liga spielt Szenarien durch, eine Fußball-Sendung im free TV erst am späten Abend zuzulassen, mögliche Bedenken des Bundeskartellamtes sollen durch eine "Internet"-Sportschau weggewischt werden, die dann im World Wide Web kostenlos zu empfangen sei.

Das Bundeskartellamt prüft zurzeit verschiedene Szenarien der Deutschen Fußball-Liga, die zum Teil die bisherigen Rechteinhaber in Schwierigkeiten bringen. Vor allem die ARD mit dem Klassiker Sportschau ist gefährdet. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky:

"Nun glaube ich zunächst einmal, dass die DFL sehr wohl weiß, dass sie mit der ARD und der Sportschau einen sehr, sehr verlässlichen Partner hat. Und jetzt auch mit den dritten Programmen, die jetzt die Sonntagsspiele 21.45 Uhr zeigen, einen sehr, sehr verlässlichen Partner habe. Gleichwohl ist es das Recht und die Pflicht der DFL, sich umzuschauen, Szenarien anzubieten, mit denen sie Marktpreise erhöhen können. Insofern nehmen wir das sehr ernst."

Balkausky weist aber auf die Verbreitung der ARD-Sportschau hin, die regelmäßig mindestens fünf Millionen Zuschauer hat.

"Insofern glaube ich, sind wir da in einer sehr guten Lage. Wir ruhen uns aber nicht aus, wir nehmen durchaus alle Anstrengungen, die da unternommen werden, sehr ernst."

Ein Szenario ist ein so genanntes Netcast ab 19 Uhr. Das heißt, Zusammenfassungen der Spiele werden im Internet und auf mobilen Endgeräten gezeigt. Schon heute verfügen die modernen Fernseher über einen Internetanschluss. Und mit der aktuellen Entwicklung des superschnellen Mobilfunkstandards LTE wird das auch im mobilen Bereich zu einer ernsthaften Konkurrenz, ist der Medienökonom Hardi Dreier überzeugt:

"In nicht allzu ferner Zukunft, in ein oder zwei Jahren wird das aus heutiger Sicht schon in sehr guter Qualität möglich sein. Und das wird dann als Endgerät sich nicht mehr um ein Mobiltelefon drehen, sondern um die nächste Generation der Pads gehen, die diese Bilder auch entsprechend brilliant darstellen werden können, zusätzlich zu den stationären Fernsehern."

Im klassischen Fernsehen wäre die Zusammenfassung dann erst ab 21.45 Uhr zu sehen. Je nach technischer Entwicklung würden diese Sendungen stark an Bedeutung verlieren. Yahoo hat es in England schon vorgemacht, ab der kommenden Saison hält das Unternehmen die Free-TV-Rechte der Premier League. Auch für den Bezahlsender Sky wäre dies nicht die gewünschte Entwicklung. Denn nur eine frei empfangbare Zusammenfassung am späten Abend würde eine Steigerung der Abonnentenzahl und damit Gewinne bedeuten, ist aus dem Umfeld des Pay-TV-Kanals zu hören. Bei den Prognosen für Internet und Mobilfunk scheint das Netcast mittelfristig ein Ersatz für die ARD-Sportschau. Die großen Internet-Unternehmen sind aber auch als direkte Konkurrenten für Sky zu sehen. Neben dem US-Sportsender ESPN und der Telekom erwartet Medienberater Dreier jetzt einen Angriff der Internet-Riesen: Der Sportrechtler Martin Stopper berät Medienunternehmen und Verbände bei der Vergabe von medialen Rechten. Er ist überzeugt:

"Noch spannender sind natürlich die großen Internet-Player wie Google, und Yahoo. Die haben ganz andere Möglichkeiten, auch in der Refinanzierung. Werbekonzepte, also die Werbung, die sich bekannterweise im Netz abspielt und nicht mehr im Fernsehen, lässt sich auch über Pay-Angebote hervorragend integrieren, Wenn man über das interaktive Fernsehen spricht, das sind natürlich Möglichkeiten, die haben die klassischen Anbieter gar nicht mehr."

Dazu kommen die finanziellen Resourcen dieser Firmen. Trotzdem sind Erwartungen wie die von Bayern Münchens Vorstand Karlheinz Rummenigge, die bisher erlösten 412 Millionen Euro für die TV-Rechte zu verdoppeln, illusorisch. Martin Stopper:

"Wenn man einen anderen Player, einen bestehenden Player überbietet, wenn man ein Konzept hat, hat man es schon geschafft ein Recht zu bekommen, möglicherweise. Aber überbieten heißt eben überbieten und nicht verdoppeln. Wenn sich neue Player derart um diese Ware streiten, das sie sich auf dieser Ebene in einem neuen Bereich noch einmal gegenseitig überbieten, geht es vielleicht noch etwas höher. Mit einer Verdoppelung würde ich im ersten Schritt nicht rechnen, das klingt sehr romantisch, aber nicht realistisch."

Bis Mitte 2012, ein Jahr vor Ende der laufenden Rechteperiode, sollen die neuen Lizenzen vergeben werden. Da ein Teil der zukünftigen technischen Entwicklungen auf Prognosen beruht, ist Stopper sicher, dass die DFL ihr Produkt mit Augenmaß verkaufen wird. Denn bisher war Sky der größte Geldgeber der Liga und auch die anderen zuverlässigen Partner will man nicht verprellen.

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