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StartseiteEine WeltVerlorene Hoffnungen auf Demokratie19.09.2015

Burkina FasoVerlorene Hoffnungen auf Demokratie

Burkina Faso war auf einem guten Weg, demokratische Fortschritte zu machen, Neuwahlen standen kurz bevor. Doch ein Militärputsch am vergangenen Mittwoch hat die Hoffnungen auf einen politischen Wandel erst einmal gestoppt.

Von Jens Borchers

Nach einem Putsch kontrolliert das Militär Straßen in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou (AHMED OUOBA / AFP)
Nach einem Putsch kontrolliert das Militär Straßen in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou (AHMED OUOBA / AFP)
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Serge Martin Bambara ist einer von denen, die nach dem Putsch in Burkina Faso Angst haben müssen. Der Musiker Bambara ist berühmt im Land. Unter dem Künstlernamen "Smockey" hatte der Rapper auf der Bühne und auf der Straße mit dafür gesorgt, dass im Herbst 2014 der autoritäre Herrscher Blaise Compaoré abtreten musste.

Nach dem Umsturz hat der Rapper den Aufstand musikalisch verarbeitet. Und die Menschen immer wieder aufgefordert, sich als Wähler registrieren zu lassen. Die Wahlberechtigung, das sei ihre Waffe gegen das alte Regime – das war sein Argument.

Smockey gehört zu den "Besen der Bürger", Balai citoyen. Diese Gruppierung hatte den Umsturz des alten Regimes betrieben. Die "Besen der Bürger" wollten nach dem Machtwechsel im Herbst 2014 ausmisten: Vetternwirtschaft und Korruption anprangern, einen echten politischen Wechsel herbeiführen.

Der Militärputsch hat in einem Tag all das zunichte gemacht, worauf der Polit-Rapper und seine "Besen der Bürger" gehofft haben. Dem Militär gefiel die politische Richtung nicht – deshalb zogen sie mit Gewalt die Handbremse. Rapper Smockey sagt in einem Telefoninterview über den Putsch:

"Das Gespenst des alten Regimes ist zurückgekehrt, um sich wieder zu etablieren."

Jetzt laufen die Graswurzel-Aktivisten Gefahr, vom eisernen Besen der Militärs weggefegt zu werden. Aktivisten wie der Rapper Smockey appellieren an die Bevölkerung, sich dem Staatstreich zu widersetzen.

Der Musiker ruft zum Widerstand gegen den Putsch auf. Das Risiko ist groß: Es hat schon Tote und zahlreiche Verletzte bei Demonstrationen gegeben, berichten Ärzte aus der Hauptstadt Ouagadougou. Mitglieder der Bewegung "Balai Citoyen" würden vom Militär verfolgt, heißt es aus anderen Quellen. Belastbare Bestätigungen gibt es angesichts der Lage im Land nicht für solche Meldungen.

Unterdessen versuchen die Putschisten sich als Retter der Nation darzustellen. Der neue starke Mann, General Gilbert Diendéré, hat in verschiedenen Interviews behauptet, das Militär habe angesichts einer "instabilen Situation" eingreifen müssen. Und dann verspricht er demokratische Wahlen:

"Wir haben bereits mit einigen westlichen Botschaftern Kontakt gehabt und ihnen erklärt, dass wir die Dinge ordnen und dann schnell zu Wahlen kommen wollen."

General Gilbert Diendéré hat mit Gewalt die Macht in einem der ärmsten Länder der Welt übernommen

Der General steht enorm unter Druck: Internationale Organisationen haben den Putsch verurteilt. Regionale Zusammenschlüsse wie die Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten ebenfalls. Und Smail Chergui, Kommissar für Sicherheitsfragen bei der Afrikanischen Union, sagt:

"Wenn es bei dem Putsch bleibt, wird es Sanktionen gegen Burkina Faso geben. Und man kann sich vorstellen welche Folgen das für die Entwicklung des Landes und für seine Beziehungen in der Region haben wird."

General Gilbert Diendéré hat mit Gewalt die Macht in einem der ärmsten Länder der Welt übernommen. Die Weltmarktpreise für die wichtigen Exportprodukte des Landes – Baumwolle und Gold – schwanken. Dem Land fehlt es an brauchbarer Infrastruktur, das Bildungsniveau ist niedrig. Vetternwirtschaft und Korruption haben in den 27 Jahren der Präsidentschaft von Blaise Compaoré für viel Wut und Enttäuschung im Land gesorgt.

Deshalb die Massenproteste im vergangenen Jahr, als der Patriarch Compaoré die Verfassung ändern lassen wollte, um sich eine weitere, eine fünfte Amtszeit zu sichern. Der Ex-Präsident sitzt im Exil an der Elfenbeinküste. Und die Putschisten bestreiten, mit ihm Kontakt gehabt zu haben. Compaorés alte Machtmaschine, die Partei Kongress für Demokratie und Fortschritt CDP, hat allerdings den Staatsstreich begrüßt.

Ob und wie lange dieser Putsch Bestand haben wird – das ist offen. Politische Vermittler aus der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft wollen versuchen, eine Lösung zu finden.

In Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou versucht der Rapper Smockey, die Menschen zum Widerstand gegen das Militär zu mobilisieren.

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