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Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteKommentare und Themen der Woche„Echte Liebe“ kennt keinen Hass13.02.2017

BVB akzeptiert Strafe des DFB„Echte Liebe“ kennt keinen Hass

100.000 Euro Strafe und ein Spiel keine Fans auf der Südtribüne. Nach den Ausschreitungen beim letzten Heimspiel gegen Leipzig hatte der Kontrollausschuss des DFB diese Strafe beantragt. Borussia Dortmund hat ihr heute zugestimmt.

Ein Kommentar von Matthias Friebe

Nach Banner-Eklat: DFB-Sportgericht sperrt Suedtribuene des BVB- Zuvor hatte der Kontrollausschuss diese Strafe beantragt, weil BVB-Fans vor dem Spiel gegen RB Leipzig (1:0) beleidigende Plakate praesentiert hatten. Waehrend des Spiels bei 1899 Hoffenheim (2:2) in der Hinrunde seien zudem mehrmals Schmaehlieder gesungen worden, beim Hinspiel in Leipzig (0:1) monierte der Kontrollausschuss ein beleidigendes Banner im Dortmunder Block .FOTOMONTAGE. Archivfoto: Das leere Stadion des BVB nach dem Spiel. Blick ueber den Platz auf die Suedtribuene. Fussball 1. Bundesliga, 30. Spieltag, Borussia Dortmund (DO) - Hamburger SV (HH), 3:0, am 17.04.2016 in Dortmund / Deutschland. ÂÂ After Banner Commotion DFB Sports court locks Suedtribuene the Borussia before had the Control these Penalty requested because Borussia supporters before the Game against RB Leipzig 1 0 offensive Posters presented had waehrend the Game at 1899 Hoffenheim 2 2 in the Hinrunde were also several times sung been the Leg in Leipzig 0 1 the Control a Beleidigendes Banner in Dortmund Block Photo montage Photo Archive the Emptiness Stadium the Borussia After the Game Glance ueber the square on The Suedtribuene Football 1 Bundesliga 30 Matchday Borussia Dortmund Do Hamburg SV HH 3 0 at 17 04 2016 in Dortmund Germany ÂÂ  (Sven Simon/ Imago)
Nach den Ausschreitungen beim Spiel gegen RB Leipzig: Dortmund Fans halten ein Plakat mit der Aufschrift "Sorry" hoch. (Sven Simon/ Imago)
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In Dortmund ist Fußball mehr als nur die schönste Nebensache der Welt. Seit Jahren wirbt der BVB mit dem Slogan "Echte Liebe" für sich. Für manch einen ist der Verein gar Religion, was selbst in der Vereinshymne so beschrieben wird. Die lautesten und leidenschaftlichsten Fans werden das aber am Samstag nicht im Stadion singen können, sie müssen zu Hause bleiben. Die Herzkammer der Dortmunder Arena bleibt leer, die als gelbe Wand gefeierte Südtribüne grau. Und das zu Recht.

Zwar durfte der DFB in seinem Urteil die Gewalt vor dem Stadion gar nicht mit einbeziehen, weil man nur für Vorfälle auf den Rängen und auf dem Platz zuständig ist, aber schon das reichte in diesem Fall aus. Längst nicht zum ersten Mal waren einige der Anhänger mehr als nur negativ aufgefallen. Blind vor Liebe für den eigenen Verein, brauchten manche von ihnen sogar Hass und Gewalt, um sich von anderen abzugrenzen. Lieblingsziele sind von Konzernen protegierte Clubs wie Hoffenheim, Wolfsburg und seit neuestem vor allem Leipzig.

Gerechte Strafe für den Verein

Hiebe statt Liebe vor dem Stadion, auf der Tribüne dann unterirdische Gesänge und Transparente. Was hat es mit echten Emotionen für die eigenen Farben zu tun, wenn man den Gegner zum Selbstmord aufruft?  

Und so stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit der Strafe nicht. Obwohl es innerhalb der Arena zu keiner Gewalt mehr kam und der BVB der erste Club ist, der trotzdem leere Ränge hinnehmen muss, diese Strafe ist gerecht. Natürlich sind auch viele jetzt davon betroffen, die auch gegen Leipzig friedlich auf der Tribüne standen. Ganz sicher sind nur einige Hundert von den 25.000 Übeltäter. Aber es ist eine Strafe für den Verein. Hätte nicht zum Beispiel der Stadionsprecher mit Durchsagen aufrufen müssen, die Transparente zu entfernen? Wie konnte eigentlich diese Vielzahl an Schmähplakaten überhaupt durch die Kontrollen kommen?

In den Arenen muss sich etwas verändern 

Nicht zu unterschätzen ist natürlich der Symbolcharakter der Strafe. Das Bild der leeren Südtribüne wird um die Welt gehen. Die größte und vielleicht berühmteste Stehplatztribüne auf dem Globus bleibt leer. Das könnte zum Fanal werden, dass sich etwas ändern muss in den Arenen.

Dass nebenbei der BVB selbst, sich zwar als Traditionsverein feiert, für den guten, alten Fußball stehen will, selbst aber der einzige börsennotierte Club der Liga ist und in einem Stadion spielt, dass inzwischen den Namen eines Versicherungskonzerns trägt, ist der ironische Teil dieser Geschichte.

Funktionäre tragen durch ihre Wortwahl Verantwortung

Ändern muss sich die Sprache. Und auch wenn Rivalitäten und das pathetische Anheizen der Stimmung für viele einen Spieltag erst richtig würzen, Funktionäre tragen auch mit ihrer Wortwahl eine große Verantwortung. Der BVB also, der sich jetzt für eine sachliche Debatte einsetzen will, muss dafür sorgen, dass in Zukunft verbal abgerüstet wird und sich "echte Liebe" anders definiert als über Abneigung und Hass anderen gegenüber. Und vor allem gehört dazu, den Mut zu vielleicht unpopulären Entscheidungen zu haben, das heißt konsequent Stadionverbote auszusprechen.

Denn eins darf man niemals vergessen im Milliardengeschäft Bundesliga. Es ist nur Fußball. Hass und Gewalt gibt es schon genug auf der Welt.

Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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