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C++ inside

Der Erfinder der Programmiersprache im Porträt

IT.- Dem Dänen Bjarne Stroustrup gelang es vor zwei Jahrzehnten, die Programmiersprache C++ zu entwickeln. Trotz dieses Meilensteins pflegt der 60-Jährige das Understatement, ist ruhig und bescheiden.

Von Achim Killer

C++ wird heute unter anderem für die Systemprogrammierung einiger Smartphones verwendet.  (AP)
C++ wird heute unter anderem für die Systemprogrammierung einiger Smartphones verwendet. (AP)

Technisch gesehen, ist es äußerst schwierig, Bjarne Stroustrup zu interviewen. Er spricht so leise, dass das Aufnahmegerät fast versagt. Nichts würde man weniger mit dem hageren 60-jährigen Professor in Verbindung bringen als einen Hype. Aufregung, lautes Geschrei, Übertreibungen – ein abwegiger Gedanke in Gegenwart des Erfinders von C++. Und als erstes distanziert er sich denn auch von dem Hype, den er vor zwei Jahrzehnten mit seiner Programmiersprache ausgelöst hat. Er habe stets nur betont, dass C++ für viele Zwecke ein gutes Werkzeug sei, insbesondere wenn es darum geht, Infrastruktur-Software zu schreiben. Und die Leute sollten gefälligst keinen solchen Rummel darum veranstalten.

Darum sei es ihm immer gegangen, sagt Stroustrup, um System-Software, nicht um Anwendungsprogramme. Deshalb sei es auch falsch, zu meinen, C++ sei bei der Anwendungsprogrammierung von anderen Sprachen verdrängt worden.

"Das würde ich nicht sagen. C++ war immer eine Sprache für die Systemprogrammierung oder tendierte zumindest dahin. Man kann vielleicht umgekehrt sagen, dass während der Hochphase in den 1990er- Jahren die Leute sie auch für Dinge verwendet haben, die man zwar damit machen kann, wofür C++ aber eigentlich nicht gedacht war."

Wegen der Orientierung auf System-Software errege die von ihm entwickelte Sprache heute zwar nur selten viel Aufsehen, sei aber trotzdem allgegenwärtig.

"Es gibt so viel Rummel um Java, C sharp oder Java Script. Die Rolle von C++ hier ist unsichtbar, aber wichtig. Die virtuellen Maschinen für Java sind oft in C++ geschrieben. C sharp ist in C++ implementiert und oft auch die Java-Script-Verarbeitung, wie etwa in Googles Browser Chrome. Was die Leute sehen und worum es viel Geschrei gibt, befindet sich in der Software-Architektur häufig oberhalb von C++. Aber unten steht oft als Grundlage C++."

Und das gelte auch für Handys.

"C++ wird viel für die Systemprogrammierung von Smartphones verwendet, im Grunde bei allen, die ich kenne: Smartphones mit Symbian oder Googles Android. Auch im iPhone steckt C++-Code. Aber niemand weiß es genau."

Um den Programmierer-Nachwuchs macht sich Bjarne Stroustrup keine Sorgen. Er findet, es müsse beide Arten von Entwicklern geben, solche, die den gewaltigen Bedarf an Anwendungs-Software befriedigen und die dafür Sprachen verwenden, die sich schnell erlernen lassen, aber für die meisten Zwecke ausreichen. Und solche, die sich den anspruchsvolleren Aufgaben widmen.

"An diese Gruppe junger Programmier wendet sich heute C++. Wenn, sagen wir mal, nur 15 Prozent aller Programmierer C++ einsetzen, was soll’s! Dann sind das vermutlich immer noch mehr, als gut damit umgehen können."

Und dabei lächelt er, wobei es sich nicht genau feststellen lässt, ob es sich um ein mildes oder mitleidiges Lächeln handelt. Der Professor blickt zufrieden auf sein Lebenswerk. Auch dass er seinerzeit viel aus C übernommen hat, dass in C++ also Konzepte einer heute fast 40-jährigen Programmiersprache weiterbestehen, findet er in Ordnung.

"Wenn ich mich nicht auf C gestützt hätte, wäre es halt eine andere Sprache gewesen. Aber ich denke, meine Wahl war die richtige. Die hat mir zweierlei eingebracht, womit ich nicht gerechnet hätte: mehr Vorteile und mehr Probleme. Wir kämpfen bei C++ immer noch mit Problemen, die vom alten C kommen. Heute wären die vermeidbar. C wurde so konzipiert, dass der Compiler 48 Kilobyte Speicherplatz belegt. Kilobyte, nicht Megabyte! Deshalb hätte der Vater von C, Dennis Ritchie, sicherlich einiges anders gemacht, wenn er 256 Kilobyte gehabt hätte wie ich, als ich mit C++ begann."

C++ ist überall. Bjarne Stroustrup zeigt auf den Rekorder, der seine leise Stimme aufzeichnet. Vielleicht sogar da drin. Wer weiß? Einen Aufkleber "C++ inside" hätte er gerne gehabt nach dem Vorbild von Intel. Aber er verfügte ja nie über ein Marketing-Budget für seine Programmiersprache.

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